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Autorin Claudia Konrad (Mitte) stellt ihren neuen Roman vor. Unterstützt wird sie dabei von Silke Boger (Pinguletta Verlag) und Architekt Andreas Sarow. Foto: Frommer

Goldstadtkrimi um die schwarze Villa

Pforzheim. Viel Publikum hat am Freitag die jüngste Lesung von Claudia Konrad angelockt: Gut 50 Zuhörer lauschten ihr in der Nordstadt-Buchhandlung, wo sie mehrere Passagen aus ihrem neuen Regionalkrimi „Schwarze Villa“ vorstellte.

Scheinbar mühelos, mit klarer, akzentuierter Aussprache, entführte Konrad ihr Publikum zielstrebig mitten in die hartnäckigen Ermittlungen des pensionierten Sonderermittlers Peter Wellendorf-Renz, den der eine oder andere im Saal, samt seines adoptierten Staffordshire Bullterriers namens Trollinger, bereits aus einem ihrer früheren Werke kannte.

Ihr unlängst, am 19. März, beim Pinguletta Verlag, Keltern, als Taschenbuch erschienener Kriminalroman trägt die schwarze Villa aus der Friedenstraße auf dem Titel, einem überregional bekanntgewordenen Kunstobjekt von Andreas Sarow. Der Handlungsstrang des Buchs reicht vom Hier und Jetzt, über mehrere Generationen der Fabrikantenfamilie Goldammer, bis in den Zweiten Weltkrieg zurück.

In ihrer Lesung erwähnte Konrad beispielsweise das heute kaum noch bekannte Wildbader Geheimtreffen zwischen dem SS-Reichsführer Heinrich Himmler und dem Schweizer Altbundespräsidenten Jean-Marie Musy, am 12. Januar 1945. Dessen Resultat war eine geheime Vereinbarung, die inhaftierte Juden aus dem KZ Theresienstadt, im Austausch gegen kriegswichtiges Material und Devisen, über Kreuzlingen und Sankt Gallen in die Vereinigten Staaten bringen sollte.

Die Zuhörer in der Nordstadt-Buchhandlung erfuhren im Rahmen der Lesung noch weit mehr über die Zeit und die Schicksalsschläge der Familie des Kettengoldschmieds Heinrich Goldammer, beispielsweise zu einem Reitunfall oder zu einem Selbstmord auf dem Dachboden der Villa. Konrad verstand es in der Nordstadt-Buchhandlung geschickt, gerade so viel Informationen preiszugeben, dass Interesse und Neugierde zwar geweckt, aber die Geschichte nicht ausgeplaudert wurde.

Für den spannenden musikalischen Rahmen der Lesung sorgte der 18-jährige Pianist Daniel Gutjahr aus Ötisheim mit facettenreichen Klaviervariationen und musikalischen Zitaten. Manche Namen ihrer Romanfiguren hat Claudia Konrad nicht allzu weit von der jeweiligen real existierenden Vorlage entfernt, ihrem Pforzheimer Oberbürgermeister verlieh sie beispielsweise den Namen Dürr – wer dabei nicht unwillkürlich an Gert Hager denkt, kennt die Goldstadt noch nicht allzu lange – und auch ihr Villen-Architekt, Kai Sander, lässt seine Inspirationsquelle ahnen.

Jedenfalls befand sich Andreas Sarow am Freitag im Publikum und nahm auch unmittelbar nach der Lesung zu unterschiedlichen Fragen der Zuhörer Stellung. Er bekräftigte: „Architektur lebt von Kontrasten“. Und: „Die schwarze Villa konnte nur hier stehen – in einer Straße, in der sich die weißen Villen der besten Gewerbesteuerzahler aneinanderreihen, ist das einzige schwarze Haus natürlich so etwas wie der faule Zahn“, so Sarow.