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1966 erhielt die katholische Gemeinde ihr Gotteshaus. Foto: Privat
1966 erhielt die katholische Gemeinde ihr Gotteshaus. Foto: Privat
04.11.2016

Gottes Zelt in Büchenbronn: Familiengottesdienst und Fest zu Ehren eines Stücks Ortsgeschichte

Pforzheim-Büchenbronn. Die katholische Gemeinde „Heilig Kreuz“ in Büchenbronn hat in diesem Jahr allen Grund, das Kirchweihfest in einem größeren Rahmen zu feiern. 1966 erfuhr das modern gestaltete Gotteshaus samt Unterkirche mit Gemeindesaal, Küche und Jugendraum als Anlaufstelle für die Gläubigen des Höhenstadtteils die Weihe. Am Sonntag, 6. November, findet von 11 Uhr an ein Festgottesdienst für Familien mit Pfarrer Georg Lichtenberger statt. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Büchenbronn und der Kirchenchor der Gemeinde Liebfrauen gestalten diesen mit. Gleichzeitig kommt es zur Vorstellung der Erstkommunikanten. Im Anschluss findet ein großes Gemeindefest statt.

Ein eigenes Gotteshaus

Büchenbronn hatte bereits 1339 eine Kirche mit dem Namen „Unsere Liebe Frau“. Nach der Einführung der Reformation durch den Markgrafen von Baden entwickelte sich Büchenbronn fast zu einem evangelischen Ort. Nur wenige Katholiken zogen zu. Erst durch die Industrialisierung und den Eisenbahnbau kam es zu deren Neuansiedlung. So zählte Büchenbronn vor dem Zweiten Weltkrieg 100 Katholiken. Mit den Heimatvertriebenen schnellte der Anteil auf 25 Prozent hoch. 1950 waren es dann bereits 500. Ab 1946 waren die Katholiken Gast in der evangelischen Bergkirche. Ein eigenes Gotteshaus bekamen sie 1966.

Die Einweihung nahm der damalige Weihbischof Karl Gnädinger vor. Entwickelt haben den Bau die beiden Architekten Karlheinz Goldmann und Hans Schürle, die Schüler des Karlsruher Architekten Egon Eiermann waren.

Es war für die damalige Zeit ein moderner Kirchenbau, der nicht nur Zustimmung auslöste – und es zeigte sich rasch, dass der Sichtbeton kein Jahrhundertstoff war. So war bereits 25 Jahre später eine Renovierung erforderlich. Mit dem Abschluss der Arbeiten kam es zum Erwerb von drei Glocken der Gemeinde Liebfrauen in Singen am Hohentwiel. 1992 kam noch eine Glocke, die die Firma Bachert in Karlsruhe gegossen hatte, hinzu. Die Glockenweihe der Friedensglocke, die in 17 Sprachen das Wort Friede trägt, nahm der damalige Dekan Joachim Grunwald im Juni 1992 vor. Unter der Taube ist „Kein Friede unter den Völkern ohne Frieden unter Religionen“ eingraviert. Zum Kirchweihfest rief ein vierstimmiges Geläut die Gemeinde zum Gottesdienst. Die Jugendarbeit lief zuvor in einem Saal der Büchenbronner Schule an, und die Sänger des Kirchenchors wanderten oft bei Mondschein von ihren Proben aus Dillweißenstein zurück.

Ein Kreuz als Wegweiser

Das Gebäude hatte bereits 1966 die Anregungen des Zweiten Vatikanischen Konzils umgesetzt und den Gemeinschaftscharakter des Gotteshauses stärker betont. Sehenswert sind die Fenster, die der Pforzheimer Künstler Rolf Gröger schuf. Im Jahr 2002 gestaltete der Freizeitkünstler Jochen Geißler aus Karlsdorf-Neuthard bei Bruchsal ein modernes Kreuz aus Eichenholz und Metallröhren, das an der Pforzheimer Straße auf das Gotteshaus hinweist.

Miteinander Kirche zu sein für die Welt von heute und morgen – das ist das Anliegen der Gläubigen, die im Laufe der Jahrzehnte ein eigenständiges Leben entwickelten und dankbar für den liturgischen und geselligen Mittelpunkt sind. Das Gotteshaus lässt sich auch in Anlehnung an das Neue Testament als „Zelt Gottes unter den Menschen“ bezeichnen. 50 Jahre Heilig-Kreuz-Kirche – ein Grund zu feiern.