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Wie zeitgemäß ist die reformatorische Erkenntnis Martin Luthers? Darüber sprach anlässlich des Reformationstages vor einer Woche der Heilbronner Pfarrer Rolf Hille gestern in der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim. Foto: Falk
Wie zeitgemäß ist die reformatorische Erkenntnis Martin Luthers? Darüber sprach anlässlich des Reformationstages vor einer Woche der Heilbronner Pfarrer Rolf Hille gestern in der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim. Foto: Falk
06.11.2016

Gottesdienst anlässlich des Reformationstags in der Stadtkirche

Pforzheim. Es war ein Gottesdienst der besonderen Art gestern abend in der evangelischen Stadtkirche. „Vor 499 Jahren ist einer andere Wege gegangen, und hat so zu einer neuen Beziehung zu Gott gefunden“, sagte Pforzheims evangelische Dekanin Christiane Quincke auf den Reformationstag vor einer Woche anspielend. „Es ist gut, dass wir heute alle zusammengekommen sind“, so die Dekanin weiter. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, Katholik oder Protestant – gemeinsam könne man neue Wege zu Gott finden.

Martin Luther hatte seinen neuen Weg zu Gott damals gefunden, sagte Rolf Hille in seiner Predigt. Der Pfarrer der evangelischen Landeskirche Württemberg war aus Heilbronn angereist, um die Aktualität der Reformation Martin Luthers zu hinterfragen. „Luther nennt drei Schlüssel, mit denen sich das Schloss zu Gott im Himmel öffnen lässt“, so Hille. Der erste Schlüssel sei das Gebet: „Es ist die Urform des menschlichen Geistes.“ Durch den Dialog mit Gott würden die Menschen versuchen, der Einsamkeit zu entkommen: „Wer viel betet, hat in Jesus Christus ewigen Halt.“

Der zweite Schlüssel sei die Ausandersetzung mit der Bibel. „Ist die Bibel ein Bestseller ohne Leser?“, fragte Hille. Die Menschen müssten wieder lernen, die Bibel bewusst zu lesen. „Erst im Gespräch merkt man, wie es dem Gegenüber geht“, so der Pfarrer, „und das ist das Fantastische an der Bibel: Gott spricht uns seine Gedanken durch sie aus.“

Im dritten Schlüssel, der Anfechtung, sieht Hille ein Problem vieler Menschen heutzutage: „Wir fragen uns: Wie kann der liebe Gott so viel Leid auf der Welt zulassen?“

Das führe zu eine Rechtfertigung Gottes, „und wir müssen wieder hin zur Rechtfertigung des Menschen und uns fragen: Wie habe ich es verdient, zu leben?“

Die Bibel als Maßstab

Ein zorniger Gott sei keinesfalls eine „alte Kamelle“, so Hille, sondern das Problem, vor dem Martin Luther vor 499 Jahren stand und wir Menschen auch heute noch stehen. „Im Kern sind wir schon sehr weit weg von der Reformation“, ist der Pfarrer überzeugt.

Die Menschen müssten bei Jesus neu lernen, was sein Herzenswunsch sei. „Der Maßstab ist die geschriebene Bibel und nicht die Zeit“, beantwortete Hille die eingangs gestellte Frage, wie zeitgemäß die Reformation Luthers noch sei: „Wir müssen uns fragen: Was ist das Einzigartige an der Kirche?“ Das bedeute eben nicht, immer in einem Strom mit etwa der Politik zu schwimmen.