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Vertreter der Denkmalpflege und des Kampfmittelbeseitigungsdienstes beobachten die neuen Grabungen hinterm Rathaus. Fotos: Frei/Ketterl (Archiv)
Vertreter der Denkmalpflege und des Kampfmittelbeseitigungsdienstes beobachten die neuen Grabungen hinterm Rathaus. Fotos: Frei/Ketterl (Archiv)
Zwei Skelette waren im vergangenen Jahr ausgegraben worden.
Zwei Skelette waren im vergangenen Jahr ausgegraben worden.
19.03.2013

Großflächige Grabungen auf dem Rathausparkplatz

Pforzheim. Ein Grabstein aus dem Jahr 1595 für Sara Lutz, die Frau des markgräflichen Forstmeisters, und zwei nebeneinander liegende, fast unversehrt erhaltene Skelette gehörten zu den Funden, als im Herbst vergangenen Jahres eine erste Grabung auf dem Parkplatz hinterm Rathaus stattfand. Diese bestätigte das Ergebnis früherer Erkundungen unter der Asphaltfläche, dass sich hier der Friedhof des Dominikanerklosters befand, der später von der Stadtgemeinde genutzt wurde. Es wird vermutet, dass auf diesem auch die Mutter des Humanisten Johannes Reuchlin ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

Da die Stadt Pforzheim im Rahmen ihrer Planungen für die neue City-Ost an eine spätere Überbauung des Rathaushofs denkt, stand fest: Im Jahr 2013 wird für das gesamte, rund 1300 Quadratmeter umfassende Areal eine archäologische Untersuchung unternommen. Begleitet wird sie vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, da nicht auszuschließen ist, dass sich auch unliebsame Überraschungen vom Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 im Untergrund befinden.

Seit Montag wird nun mit einem Bagger zunächst die Oberfläche im südlichen Bereich vorsichtig abgegraben. Dort – zwischen Stadtbibliothek, Technischem Rathaus und Deimlingstraße – befand sich einst ein Teil der mittelalterlichen Stadt. Neben dem Kloster der Dominikanerinnen lagen in diesem Bereich Wohnquartiere mit Häusern und Höfen adliger Familien. So waren beim Neubau der Stadtbibliothek die Fundamente eines romanischen Wohnturms zutage getreten.

Da eine Dokumentation der Überreste aus Pforzheims Vergangenheit, die in diesem Bereich nicht nur auf die Gründungszeit der Neuen Stadt im 12./13. Jahrhundert, sondern bis in die Bronzezeit (1200 bis 800 vor Christus) zurückreichen, vor weiteren Baumaßnahmen als unabdingbar galt, stand fest: Die im Regierungspräsidium Karlsruhe angesiedelte Denkmalpflege wird mit wesentlicher finanzieller Unterstützung der Stadt Pforzheim eine archäologische Grabung vornehmen.

Um möglichst große Teile des zentral gelegenen Parkplatzes weiterhin nutzen zu können, werden die Untersuchungen in Etappen vorgenommen. Wenn es zu interessanten Funden kommt, wird die Öffentlichkeit vor Ort informiert.