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Schummriges Licht, schweres Gerät und viele Fragen an jene, denen die stetig wachsende Röhre Arbeitsstätte ist: Ausnahmsweise tummeln sich Besucher im Tunnel.
08.12.2016

Großteil geschafft: Pforzheimer Bahntunnel schon 600 Meter lang

Pforzheim. Bei der Erneuerung des Pforzheimer Tunnels haben die Mineure einen Großteil der 909 Meter langen Tunnelstrecke geschafft. Über die Weihnachtsfeiertage wird der 24-Stundenvortrieb für einige Tage unterbrochen. Die letzte Sprengung findet am 21. Dezember statt. Im neuen Jahr starten die Bauarbeiten am 2. Januar, der Vortrieb mit den ersten Sprengungen ab 3. Januar.

Bildergalerie: Sprengung am Bahntunnel in Pforzheim

Unwirklich still ist es am Ende dieser Röhre tief unter der Erde. Plötzlich ein leises Sirren. Lichtblitze flackern auf, begleitet von einem Rattern, das einer langen Maschinengewehrsalve gleicht. Gut, dass die Ohrstöpsel sitzen. Denn was folgt, sind fünf, sechs heftige Schläge wie aus einer Kanone. Der Boden bebt. Eine Druckwelle durchjagt den Körper. Dann taucht sie auf, die mächtige dunkelgraue Wolke aus Geröll und Staub.

Wo sonst nur Mineure ihrer harten Arbeit nachgehen, dürfen sich an diesem Donnerstagmittag für eine Zwischenbilanz Pressevertreter hinwagen. „Spektakulär“ nennt Tunnelpatin Sabine Hager, die den großen Knall per Knopfdruck auslösen durfte, das Erlebnis, „gewaltig – und laut.“

Wer sich am Kreisel beim Hauptfriedhof 40 Meter in die Tiefe gebuddelt hätte, wäre dabei gewesen bei dieser Sprengung. So weit sind die Arbeiten für den Bahntunnel vom Portal am Rande der Königsbacher Landstraße fortgeschritten. Strosse und Sohle – der untere Tunnelbereich – wurden auf 460 Metern abgetragen. Die Kalotte oben ist schon weiter, 630 Meter, um genau zu sein. Und dennoch: Wie Projektleiterin Ute Schmitt und Stefan Geckle (DB Netz) einräumen, befindet sich der Vortrieb noch 100 Meter hinter dem Plan für die insgesamt 909 Meter lange Tunnelstrecke. Grund sei die Geologie – nicht überraschend, aber kompliziert.

Ein weiterer Grund für die Verzögerung: Auf Sprengungen um 1.30 Uhr wurde und wird verzichtet, weil die nachts strengeren Grenzwerte für den Lärmschutz leicht überschritten worden seien.

Statt bis Ende Januar wird der Sprengvortrieb nun bis Ende April 2017 dauern. Die Zeit, da ist Geckle sicher, holt man danach wieder rein. Die Fertigstellung peilt DB Netz weiter für September 2018 an.

Gleich zu Beginn des neuen Jahrs sind am anderen Tunnelportal nahe der Hachelbrücke Gründungsarbeiten nötig. Dafür muss das Felsgestein mit dem Meißel bearbeitet werden – Lärm inklusive. Laut DB Netz hat die Deutsche Bahn Anwohnern in einem Umkreis von 100 Metern für insgesamt sieben Januarnächte Übernachtungen im Hotel angeboten. 151 Haushalte seien informiert worden. Einblicke ins Gesamtprojekt gibt es im Infocenter an der Königsbacher Landstraße. Es macht ab 23. Dezember Pause und steht ab 13. Januar wieder immer freitags von 13 bis 17 Uhr Besuchern offen.

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