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Die hohe Zahl an Plätzen in der stationären Pflege erklärt unter anderem, warum das Infektionsgeschehen in Pflegeheimen immer wieder zu den hohen Inzidenzwerten in Pforzheim beiträgt. 

Gründe für hohe Inzidenzwerte in Pforzheim: Viele Pflegeplätze erhöhen Infektionsrisiko

Pforzheim. Der Verwaltungsstab der Stadt Pforzheim hat sich erneut mit den Daten zum aktuellen Infektionsgeschehen in Pforzheim auseinandergesetzt. „Dabei geht es uns immer darum, Erklärungsansätze zu finden, um die 7-Tage-Inzidenz-Werte in Pforzheim besser einordnen und gegebenenfalls weitere Gegenmaßnahmen treffen zu können“, erklärt Oberbürgermeister Peter Boch. Der Auftrag an die Kommunale Statistikstelle lautete diesmal, sich das Thema der stationären Pflege genauer vorzunehmen. Die Fachexperten dort schauten sich die Zahlen des Gesundheitsamts und des statistischen Landesamts genauer an, teilte die Stadtverwaltung in einem Bericht an die Presse mit.

Daraus lässt sich erkennen, dass Pforzheim in Baden-Württemberg eine vergleichsweise hohe Zahl an stationären Pflegeplätzen pro 100.000 Einwohner hat, nur Baden-Baden liegt noch höher. Der baden-württembergische Durchschnitt lag 2017 bei 970,3 Plätzen. Davon weicht Pforzheim mit 1.379 stationären Plätzen auf 100.000 Einwohner erheblich nach oben ab. Die absolute Zahl der Plätze in der stationären Pflege lag laut statistischem Landesamt im gleichen Jahr für den Stadtkreis Pforzheim bei 1.715 Plätzen, davon 1.512 in der vollstationären Pflege, 71 in der Kurzzeitpflege und 132 in der teilstationären Pflege. Interessant dabei ist, dass die anderen Stadtkreise mit einer sehr hohen Inzidenz, etwa Heilbronn oder Mannheim, eine geringere Anzahl an Plätzen in der stationären Pflege aufweisen.

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Pforzheim hat in Baden-Württemberg eine vergleichsweise hohe Zahl an stationären Pflegeplätzen pro 100.000 Einwohner, nur Baden-Baden liegt noch höher.

Oberbürgermeister Peter Boch sagt dazu:

„Pforzheim nimmt mit der hohen Zahl an stationären Pflegeplätzen eine wichtige Funktion für das Umland und die Region war. Viele Menschen aus der Region entscheiden sich im Alter für einen Pflegeheimplatz in Pforzheim. Das spricht für die gute Pflegeinfrastruktur in unserer Stadt und unsere Bedeutung als Oberzentrum.“

Der Anteil der Über-80-Jährigen in der Bevölkerung beträgt 6,8 Prozent und liegt damit vergleichsweise hoch. Unter den Stadtkreisen in Baden-Württemberg hat Pforzheim mit Ausnahme von Baden-Baden den höchsten Anteil hochbetagter Personen (Stand 2019, im Landesschnitt waren 6,5).

Leider - so der OB - erkläre die hohe Zahl an Plätzen in der stationären Pflege auch, warum das Infektionsgeschehen in Pflegeheimen immer wieder zu den hohen Inzidenzwerten in Pforzheim beitrage. Ohne das dortige Ausbruchsgeschehen wären diese hohen Werte in Pforzheim in dieser Form nicht erreicht worden, ist der Rathauschef überzeugt. Phasenweise lag der Inzidenzwert der Über-80-Jährigen in Pforzheim Ende November/Anfang Dezember weit über dem Gesamtschnitt. Blickt man für den gleichen Zeitraum auf die Stadtteile, lassen sich in dieser Altersgruppe dort Schwerpunkte erkennen, wo sich Pflegeeinrichtungen befinden. Die hohen Inzidenzen bei den älteren Mitbürgern führen zu ungleich größeren Problemen. Infolge von schwereren Krankheitsverläufen in diesen Altersklassen kommt es zu einer höheren Belastung des Gesundheitssystems und zu Todesfällen. Zudem werden in Pflegeheimen zu einem nicht unerheblichen Ausmaß auch Nichtbewohner infiziert.

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Natürlich spielen weitere Faktoren eine Rolle. So hat Pforzheim beispielsweise eine sehr gute Testinfrastruktur aufgebaut. „Egal ob binnen kürzester Zeit ein Testzentrum, eine Fieberambulanz, eine Quarantäneeinrichtung oder ein Kreis-Impfzentrum aus dem Boden gestampft werden musste, immer hat die Stadt Pforzheim in enger Zusammenarbeit mit dem Enzkreis und allen weiteren Verantwortlichen, beispielsweise aus der Ärzteschaft, diese Herausforderung angenommen und bewältigt“, so der OB. Darauf sei er stolz, dies dürfe in der öffentlichen Wahrnehmung aber nicht zum Nachteil für den Stadtkreis werden. Darüber hinaus zeigte die Auswertung nach Altersklassen für die letzte November- und erste Dezember-Woche ein relativ gleichverteiltes Infektionsgeschehen in den Altersklassen zwischen 18 und 60 Jahren.