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Strom ist teuer geworden. Die Grünen werfen den Stromkonzernen vor, Preissenkungen am Strommarkt nicht an die Verbraucher weitergegeben zu haben.
Strom ist teuer geworden. Die Grünen werfen den Stromkonzernen vor, Preissenkungen am Strommarkt nicht an die Verbraucher weitergegeben zu haben. © PZ-Archiv
02.08.2010

Grüne: Stromkonzerne zocken Verbraucher ab

BERLIN/PFORZHEIM. Energiekonzerne haben geringere Beschaffungskosten nicht an die Verbraucher weitergegeben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Grünen. Demnach zahlen Stromkunden insgesamt eine Milliarde Euro zu viel. Bei den Stadtwerken Pforzheim, so Pressesprecherin Sonja Kirschner, müssten die Kunden derzeit nicht mit Preiserhöhungen rechnen.

Den Verbrauchern dürften diese Erkenntnisse die Zornesröte ins Gesicht treiben. Die in den letzten Jahren vorgenommenen Preiserhöhungen seien „nicht gerechtfertig“ gewesen, heißt es in dem Gutachten. Seit nunmehr fast zwei Jahren würden die Endverbraucher vergeblich darauf warten, „dass sie endlich in den Genuss der seit Herbst 2008 drastisch gesunkenen Strompreise“ auf der Großhandelsebene kommen. Stattdessen habe es „mehrere Preiserhöhungswellen“ gegeben mit einem Anstieg für Privatkunden von über sieben Prozent.

Kosten sinken, Preise steigen

Begründen lasse sich die Steigerung jedoch nicht mit höheren Beschaffungskosten „und nur sehr begrenzt mit der gestiegenen Umlage aus dem Erneuerbaren Energiegesetz“, heißt es in der Analyse. Denn bis heute seien die Preise an der Strombörse um 30 bis 40 Prozent gesunken. Das bedeute, dass durchschnittlich 0,8 Cent pro Kilowattstunde an geringeren Beschaffungskosten nicht an die Endkunden weitergegeben worden seien. Ungewöhnlich sei zudem, dass in den letzten beiden Jahren die Strompreise in Deutschland mehr als viermal so stark gestiegen seien wie im europäischen Vergleich.

Aufforderung zum Wechsel

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, legte Verbrauchern den Anbieterwechsel nahe. Mitbewerber gibt es zahlreiche, doch die Stadtwerke Pforzheim (SWP) können laut Sonja Kirschner als lokaler Energieversorger mit Kundennähe punkten. Die Pressesprecherin betont: „Zudem sind wir längst nicht mehr nur Grundversorger.“ Mit mehrjährigen Verträgen beispielsweise binde das Unternehmen Kunden, die wieder von der Preisgarantie profitieren. Mit Preiserhöhungen müssten die Kunden derzeit ohnehin nicht rechnen.

Leider werde dem Thema Energieversorgung wenig Interesse beigemessen, bedauert die SWP-Sprecherin. Um die Möglichkeiten der Stromversorgung aufzuzeigen, setze man auf Beratung. Die SWP verzeichnen seit 2007 eine Wechselquote von vier Prozent. 2009 habe sich die Quote laut Kirschner bei einem Prozent eingependelt. „Viele Kunden, die sich von günstigeren Angeboten locken ließen, wechseln wieder zurück“, weiß die SWP-Sprecherin.

Vergangene Woche hatte unter anderem das Vergleichsportal Verivox mitgeteilt, dass im ersten Halbjahr des Jahres die Strompreise im Schnitt um zwei Prozent gestiegen seien. Insgesamt hätten 454 Grundversorger um zwei Prozent erhöht, Die Strompreise steigen laut Verivox seit 2000 kontinuierlich. dpa/Baumgärtel

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