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Der Gruschtelmarkt sorgt regelmäßig für eine volle City. Ketterl/PZ-Archiv
Der Gruschtelmarkt sorgt regelmäßig für eine volle City. Ketterl/PZ-Archiv
01.03.2017

Gruschtelmarkt: Mehrheit sieht Gemeinderat übergangen

Die Öffentlichkeit und offenkundig auch der Gemeinderat haben gestern aus der Zeitung erfahren, dass der Gruschtelmarkt sich grundlegend ändern soll: Er soll erstmals nicht mehr am Freitagabend und Samstag, sondern nur am Sonntag, 23. Juli, von 11 bis 18 Uhr und an neuem Ort stattfinden – auf der dafür gesperrten Zerrennerstraße zwischen Leopold- und Deimlingstraße sowie auf dem Waisenhausplatz bis hin zur Enz. Zudem ist anstelle des Eigenbetriebs Wirtschaft Stadtmarketing Pforzheim (WSP) ein externer Betreiber, KS Management Klaus Scheppe aus Bühl, beauftragt worden.

Sie sei „not amused“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Jacqueline Roos, darüber, dass die Entscheidung über Konzept, Ort, Zeit und Ausrichter des Gruschtelmarkts „behandelt wird wie ein Geschäft der laufenden Verwaltung.“ Sie habe zwar gewusst, dass es Überlegungen gebe, aber von dem konkreten Konzept aus der Presse erfahren. Das Thema hätte nach ihrer Auffassung noch einmal in den Ratssaal gehört, weil der Gruschtelmarkt eine zentrale Veranstaltung sei. Grundsätzlich müsse man wegen des Umbaus der Fußgängerzone Neues versuchen, das sei unbestritten. Die Verlegung auf den Sonntag aber sei fraglich, und „wenn wir erstmal etwas weggeben, kann es sein, dass es nie wiederkommt“.

„In der Tat“ sei der Gemeinderat von der Entscheidung überrascht worden, sagt der FDP/FW-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke, der sich ein Einbeziehen des Gremiums gewünscht hätte. Es sei „allerdings bekannt, dass OB Hager den Gemeinderat nur einbezieht, wenn es nicht anders geht“, kritisiert Rülke. Er persönlich lehne das neue Konzept strikt ab. „Es wird ein erprobtes Erfolgsmodell mutwillig kaputt gemacht – einmal mehr, damit OB Hager sein unnützes und maßlos teures Prestigeprojekt Innenstadt-Ost durchpeitschen kann.“

„Sehr befremdlich“ nennt der AfD-Fraktionschef Bernd Grimmer den Vorgang. „Ich war sehr überrascht, davon aus der Zeitung zu erfahren.“ Man könne es als Angelegenheit der laufenden Verwaltung sehen, aber das werde der Bedeutung nicht gerecht. Inhaltlich könne die räumliche Verlagerung Vor- und Nachteile bieten, die Änderung einer Tradition sei stets ein Risiko, aber „man hätte durchaus darüber reden können“ – und auch müssen, so Grimmer.

Ganz schlecht weg kommt der Vorstoß bei Axel Baumbusch. „Ich habe das mit äußerster Verwunderung in der PZ gelesen“, sagt der Vorsitzende der Grüne-Liste-Fraktion. „Es gibt keinen Gemeinderatsbeschluss über eine Verlegung, zeitlich wie räumlich, über inhaltliche Veränderungen und über eine Fremdvergabe. Das ist nach meinem Dafürhalten eine Kompetenzüberschreitung von WSP-Direktor Oliver Reitz“, so Baumbusch. Er fordere den OB dringend auf, das zurückzuziehen und auf die Bürger zu hören – und diese wollten, so ist Baumbusch überzeugt, mehrheitlich einen zweitägigen Gruschtelmarkt. Mit dem bisherigen Konzept des Gruschtelmarkts opfere der WSP „einmal mehr ohne Not ein Alleinstellungsmerkmal“.

Auch Maximilian Müssle, CDU-Stadtrat und Mitglied des Wirtschaftsförderungsausschusses, hätte sich noch einmal eine Diskussion über das WSP-Konzept gewünscht – rein inhaltlich entspreche es im Grundsatz jedoch dem, was zuvor in Arbeitsgruppen besprochen worden sei. „Man muss schauen, wie es läuft“, sagt der Unternehmer, der an die Belange von Einzelhändlern und Gastronomen ebenso erinnert wie die Parksituation. Der neue Standort sei gut geeignet.

Eine ähnliche Reaktion ist von Christof Weisenbacher, Vorsitzender der Fraktion von WiP, Liste Eltern und Die Linke, zu hören. Er zeigt sich ebenfalls überrascht von der Stadt – doch der WSP habe ja vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, sich ein neues Konzept auszudenken. Und dessen Vorschlag sei „nicht allzu schlecht“. Er sei „immer ein Freund von Straßensperrungen“, wenn dadurch Bereiche der City belebt würden, sagt Weisenbacher. Und der WSP habe vielfältige Aufgaben, weswegen eine Vergabe an eine private, erfahrene Firma verständlich sei.

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