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Es darf wieder gestöbert werden! Zum Start des 37. Pforzheimer Gruschtelmarkts war gestern Abend und Nacht schon einiges los in der Innenstadt. An den rund 700 Ständen der Trödler aus ganz Deutschland kann man aber auch heute noch den ganzen Tag fündig werden. © Seibel
08.07.2011

Gruschtelmarkt lockt Menschen in die City

PFORZHEIM. Wie ein orientalischer Bazar hat sich die Innenstadt beim Nacht- und Tag- Gruschtelmarkt am Freitag und Samstag präsentiert. Rund 50 000 Besucher kamen, sahen und gruschtelten an den 647 kunterbunten Ständen.

Bildergalerie: Pforzheimer Gruschtelmarkt hat eröffnet

„Wir haben 65 Händler mehr als im Vorjahr und  erreichen damit das beste Ergebnis der   vergangenen fünf Jahre, was das Händlerinteresse am Pforzheimer Gruschtelmarkt  angeht“, sagt Anette Zarda vom Wirtschaft- und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Es ist jedes Jahr das Gleiche und doch immer wieder kurios, wie die Trödler aus ganz Deutschland, der Schweiz und Frankreich bepackt mit Kisten und Decken in der Pforzheimer Innenstadt Einzug halten und voll Enthusiasmus Marktplatz, Fußgängerzone und sämtliche angrenzenden Straßen und Plätze in Beschlag nehmen – manchmal tagelang  zuvor ihr „Sahneplätzchen“ belegen und sich Socken strickend die Zeit vertreiben.

Bildergalerie: Sonniges Vergnügen auf dem Pforzheimer Gruschtelmarkt

Der Gruschtelmarkt entpuppte sich wieder als ein Publikumsmagnet, der die Innenstadt mit Menschenmassen überflutete. An einem schattigen Plätzchen, rund um die Skulptur „Der Dicke“, haben Händler Hans-Joachim Fritsch und seine Freundin Brunhild Wandel aus Göppingen ihren Stand aufgebaut. „Das erste, was wir heute verkauft haben, war ein etwa 100 Jahre altes Silberschmuckcollier, das mit Markasiten besetzt ist“, sagt Fritsch. Das Schmuckstück im Wert von rund 500 Euro habe er für 250 Euro verkauft. „Die Pforzheimer Gruschtelmarktbesucher können in der Regel durchaus Wertvolles vom Trödel unterscheiden“, bestätigt Brunhild Wandel, die Pforzheim einfach toll findet.

Bildergalerie: Gruschteln auf dem Pforzheimer Gruschtelmarkt

„Vor etwa 30 Jahren war ich in der Goldstadt Trauzeugin des Schmuckfabrikanten Enrico Sodano“, erzählt  sie. „Die Leute kaufen das, was sie im Auge haben und gehen durchaus zum Bankautomaten, wenn ihnen ein Stück besonders gefällt“, sagt sie. Zwar gebe es auch die Pforzheimer Wühlmäuse, die stets versuchten,  jeden noch so geringen Preis zu drücken, aber auch Fachpublikum, das sich mit Antiquitäten auskenne, sei in Pforzheim sehr oft anzutreffen. Zusammen mit Tochter Angela und den Enkelkindern Annika und Lukas hat eine 66-jährige Rentnerin aus Rutesheim den Gruschtelmarkt besucht. „Der Markt ist super. Seit ich vor zwei Jahren zufällig hier gelandet bin, schaue ich immer im Internet nach, wann er wieder stattfindet“, sagt sie. Die Mischung dieses Marktes mit Profihändlern und Hobbyverkäufern sei perfekt. Und auch der Kinderflohmarkt, auf dem sich gerade ihre Tochter aufhalte, sei super. Dieser Bereich könnte ihrer Ansicht nach noch vergrößert werden. Unter dem Arm hat sie ein schmuckes Vogelhäuschen aus Holz, das sie für 3,50 Euro gekauft habe. „Das war ein richtiges Schnäppchen“, freut sie sich. Beate Krüger aus Pforzheim, die bereits zum 20. Mal das auf dem Gruschtelmarkt in Pforzheim verkauft, was sich im Laufe des Jahres bei sich und ihren Kindern anhäuft, bedauert, dass dieses Jahr weniger Besucher als in  den Vorjahren beim Abendgruschtelmarkt am Freitag gekommen seien. „Es gab es richtig große Lücken zwischendurch. In früheren Zeiten  hat man zu keinem Zeitpunkt durch die Menschenmenge durchschauen können“, sagt sie. Am Samstag sei der Besucheransturm dann wieder größer gewesen, aber die meisten schauten nur und kauften nichts.

Bildergalerie: Gruschtelmarkt in der Pforzheimer Innenstadt eröffnet

„Manche wollen nicht einmal einen Euro ausgeben“,  erklärt sie und befestigt ein Mini-Bundesverdienstkreuz auf einer ihrer Clown-Figuren. „Clowns haben die Ehrung im Gegensatz zu Politikern verdient, denn sie bringen die Menschen zum Lachen“, betont sie und lacht dann selbst. Roger Rosendahl

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