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Generationen verbindet die Freude an Gebrauchtem: Tina Salja und Tochter Maxime aus Bilfingen hat es ein Stand mit Puppen angetan. Tausende Besucher und Beschicker aus der gesamten Republik genießen zwei Tage lang die riesige Trödelmeile mit der besonderen Atmosphäre. Foto: Tilo Keller
Nichts, was es nicht gibt: Seltenes und Skurriles ist an den Ständen zu finden.
Wie Wolfgang Martin stoßen alle Händler ins gleiche Horn: Sie wollen, dass der Gruschtelmarkt in der Fußgängerzone erhalten bleibt.
17.07.2016

Gruschteln kommt nicht aus der Mode: Tausende Besucher beim Flohmarkt

Buddha thront neben Plüsch-Panda, Tabakdose trifft Schlaghose, Kaffeemühlen stehen auf Kinderstühlen: Dieses kunterbunte Durcheinander, das schon vor Jahrzehnten Schnäppchenjäger in die City lockte, hat offenbar nichts an Attraktivität verloren. Wie bereits am Freitagabend, sondieren auch am Samstag Tausende Bummler die Gruschtelmarktstände. Dort wird nicht nur gefeilscht, sondern auch beherzt diskutiert.

Die jüngsten Debatten um die Zukunft dieser gigantischen Trödelmeile haben Besucher und Beschicker aufgeschreckt. Erstere stimmen am Wochenende mit den Füßen ab und zeigen, dass der Gruschtelmarkt weiter groß in Mode ist. Letztere machen wortreich Werbung in eigener Sache.

Bildergalerie: Gruschtelmarkt in Pforzheim

„Das ist doch ein Highlight“, sagt der Mann aus dem Allgäu, der sich „Trödel-Peter“ nennt: „Wir bringen Leute in die Stadt und lassen auch selbst Geld liegen.“ Tatsächlich bilden sich den ganzen Tag über vor Bäckereien und Imbissläden lange Schlangen. Goldstadt ohne Gruschteln – „da würde in Pforzheim was kaputtgehen“.

Schon als 18-Jähriger sei er mit dem Handkarren von Weißenstein herübergekommen, erzählt Thomas, dessen Sortiment buchstabenlastig ist. „Der eine oder andere kann auch heutzutage noch lesen und kauft ein Buch“, sagt er verschmitzt. „Viele Leute – gute Geschäfte“, bringt Metin aus Stuttgart den Reiz auf den Punkt. „Die Leute kommen von überall her“, staunt Roland aus Würzburg über das Einzugsgebiet. Ihm gehe es weniger ums Geschäft, denn ums Abschalten und Plaudern. „Alles lassen, wie es ist“, lautet der Rat des Pforzheimers Manfred Kellner. Andere Händler machen sich durchaus Gedanken über neue Wege. So wie Wolfgang Martin aus Kirchheim/Teck. Mit Rücksicht auf den Einzelhandel könne das Gruschteln doch künftig erst samstags ab 15 Uhr und den Sonntag über steigen, empfiehlt er. „Es wäre eine Schande, wenn die Stadt den Markt aufgäbe“, so Martin: „Leute, das zieht Publikum! Andere Kommunen wären froh darum.“

Mit Unverständnis und Sorge verfolgt Citymanager Rüdiger Fricke die aktuelle Diskussion. Nicht das Aus stehe zur Debatte. Vielmehr gehe es darum, den Gruschtelmarkt in der Innenstadt zu belassen, aber zukunftsfähig zu machen. So habe man die Qualität im Auge – fünf Händler wurden des Markts verwiesen, weil sie Neuwaren führten. Es gebe in der Stadt Ladenbetreiber, die Steuern und Miete zahlten und ähnliche Produkte im Sortiment hätten. Der Gruschtelmarkt solle dem Einzelhandel nicht schaden. Im kommenden Jahr werde noch schärfer kontrolliert. Auch das schwierig zu bespielende Terrain der Fußgängerzone und ihrer Nebenbereiche führt Fricke an. Weil sich Plätze nicht exakt zuteilen lassen, bezeichnen selbst Händler den Wettlauf darum als chaotisch. Bei An- und Abfahrten oder beim Freihalten von Rettungswegen gehe es „nicht immer so vonstatten, wie Franziskaner Suppe löffeln“, umschreibt Fricke das Gebaren mancher Händler: „Die spielen auf unseren Nerven Xylofon.“ Aktuell liefen Sondierungsgespräche, etwa mit Ordnungsamt und Feuerwehr. Fricke bestätigt PZ-Informationen, wonach eine Austragung des Markts an einem Sonntag im Bereich Zerrennerstraße/Waisehausplatz erwogen wird, als eine von mehreren denkbaren Optionen. Diskutiert werde ergebnisoffen und ohne Druck.

Am Einsatz des WSP-Teams wird es auch künftig nicht mangeln. Auf den Beinen sei, „was der Fachbereich Citymarketing zur Verfügung hat“, sagt Annette De Gaetano. Vier Kollegen und zwölf Kassierer stehen ihr zur Seite, zudem bis zu 17 Sicherheitsprofis einer privaten Firma. „Alles friedlich, die allermeisten Händler verständig“, lautet De Gaetanos Fazit, die trotz des Kraftakts mit der Sonne um die Wette strahlt – wie jene, die mit einem geborgenen Schatz in Händen triumphierend Richtung Bus oder Auto pilgern.

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