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Auf den Zahn fühlen will die Große Strafkammer einem ehemals in Pforzheim praktizierenden Zahnarzt. Doch der ist im Ausland. Foto: Pleul
Auf den Zahn fühlen will die Große Strafkammer einem ehemals in Pforzheim praktizierenden Zahnarzt. Doch der ist im Ausland. Foto: Pleul
12.05.2017

Haftbefehl abgelehnt: Zahnarzt kann im Ausland weitermachen

Pforzheim. Die Frage, ob ein Staat im Mittleren Osten einen von der Staatsanwaltschaft Pforzheim angeklagten Zahnarzt freiwillig ausliefert, stellt sich vorerst nicht mehr: Nach PZ-Informationen hat die Auswärtige Große Kammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim einen Haftbefehlsantrag der Staatsanwaltschaft abgelehnt.

Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht – unter Berufung „auf ein laufendes Verfahren“, so der Kammervorsitzende Andreas Heidrich auf Anfrage. Er verweist auf einen komplexen und strittigen Sachverhalt, der einem möglichen Prozess zugrunde liegt. Rechtlich möglich ist nun eine Beschwerde der Anklagebehörde vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe.

Die „Pforzheimer Zeitung“ hatte den Fall publik gemacht: Ein Zahnarzt, so die Anklageschrift, zieht Dutzenden von Patienten ohne medizinische Notwendigkeit die Zähne – bis zu 17 – und ersetzt sie durch teure Implantate. Die Beamten einer speziell gebildeten Ermittlungsgruppe „Zahn“ der Kripo filterte über 30 aus ursprünglich rund 100 Fällen heraus, die sie für beweisbar hält – auf der Basis mehrerer Gutachten einer Universität. Darauf basiert die Anklage.

Da der angeklagte Zahnarzt – was in der Natur der Sache liegt – die angeklagten mutmaßlichen Körperverletzungen unter Nutzung der (zahnärzlichen) Werkzeuge begangen hat, könnte die Bewertung dieser Handlungen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch unter dem Gesichtspunkt eines Qualifikationstatbestandes, nämlich als gefährliche Körperverletzung, eingeordnet werden.

Nach PZ-Informationen kommt die Große Strafkammer allerdings zu dem Schluss, dass allenfalls einfache Körperverletzung vorliegen könnte – wohl mit ein Grund, warum man den Haftbefehlsantrag ablehnte und nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen wollte. Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.