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In schlechtem Zustand wie das Hinweisschild ist der gesamte Spielplatz – schon der Zugang ist verwildert.  Foto: Meyer 
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Hinterm knorrigen Baumstumpf gibt es nur einen kleinen echten Spielbereich.  Foto: Meyer 
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Wildwuchs herrscht im Sandkasten des Spielplatzes in der Hagenschieß-Siedlung an der Lohaustraße.  Foto: Meyer 
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Über die Buddelfläche wächst Gras – auch unterm Spieltisch.  Foto: Meyer 

Hagenschieß-Eltern sauer: Das war mal ein Spielplatz

Pforzheim. Nach und nach sind über die Jahre die zentralen Spielgeräte verschwunden. Dafür befinden sich Gräser und Unkraut auf Siegeszug. Sie erobern auf der Freifläche an der Lohaustraße in der Hagenschieß-Siedlung jene Bereiche, in denen eigentlich Kinder im Sand buddeln können sollten. „Jedes Mal, wenn ich hierher komme, habe ich eine Wut im Bauch“, sagt die zweifache Mutter Evelyn Onolfo (30). Eine Anwohnerin urteilt vor Ort im PZ-Gespräch: „Schrecklich – das ist kein Spielplatz, das ist ein Zustand.“

Längst vorbei die Zeiten, als Evelyn Onolfo hier selbst als Kind spielend Spaß hatte. Hell und freundlich sei dieser Platz gewesen und habe Abwechslung geboten: zwei Wippen, eine Rutsche, einen hölzernen Kletterturm. „Dort auf den Bänken saßen die Eltern, während wir Kinder hier den ganzen Tag über spielten“, erinnert sich Onolfo. Und jetzt? „Alles weg.“ Zwar stünden im hinteren Bereich ein Reck und ein Spielgerät zum Balancieren, doch die seien eher für Jugendliche attraktiv, obwohl sich der Spielplatz laut Nutzungsordnung an Kinder bis 14 Jahre richte. Weder für die dreijährige Tochter noch den eineinhalbjährigen Sohn gebe es außer einer Schaukel etwas, das sie in Bann ziehe. „Es lässt sich hier kaum aushalten“, so Onolfo, „aber ich will meine Kinder doch nicht im Sommer vor das iPad setzen.“

Onolfo lebt inzwischen in Büchenbronn, aber ist regelmäßig bei den Eltern zu Besuch. Wie Bewohnerinnen der Hagenschieß-Siedlung bestätigen, sind hier viele Kinder unterwegs: Enkel von jenen, die schon lange in dem Viertel nördlich der Wurmberger Straße wohnen, aber auch kleine Jungen und Mädchen aus neu zugezogenen Familien. Bereits vor mehreren Jahren habe sie Fotos gemacht und diese persönlich in der Stadtverwaltung vorbeigebracht, berichtet eine junge Mutter. Jüngst hat auch Onolfo im Rathaus auf die Missstände aufmerksam gemacht. Getan habe sich bislang nichts. Dabei propagiere die Verwaltungsspitze doch ausdrücklich Familienfreundlichkeit, betont Onolfo, deren Tochter auch erst einen Kita-Platz erhält, wenn sie schon vier Jahre alt sein wird.

Die Eltern behelfen sich selbst, um die Situation zumindest annähernd erträglich zu halten. Schließlich gebe es in der Siedlung nur diesen einen Spielplatz, und mit dem Auto zum Wildpark oder gar 15 Kilometer weit gen Mönsheim zu fahren, wie es eine Nachbarin schon tat, könne keine Lösung sein. Und so picken sie Scherben und Zigarettenkippen aus den zugewucherten Sandkästen und ziehen die größten Pflanzen heraus. „Manche der Eicheln, die da mal reingefallen sind, sind schon fast zu Bäumen geworden“, seufzt eine der Betroffenen.

Doch noch eine frohe Kunde

Bereits im Juli 2017 hatte die PZ den Spielplatz an der Lohaustraße in den Fokus gerückt. Damals hatte die Stadtverwaltung auf Nachfrage versichert, dass die marode und deshalb entfernte Holzspielkombination binnen eines Jahres ersetzt werde. Doch nun sind zwei Jahre tatenlos verstrichen.

Jetzt aber gibt es auf erneute PZ-Nachfrage frohe Kunde. Wie der städtische Sprecher Stefan Baust am Donnerstag mitteilte, wird das Spielgerät, das aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste, ersetzt. Noch in diesem Jahr werde eine Kletter-Spielkombination für Kinder ab fünf Jahre aufgestellt. Für noch Jüngere sei zudem ein kleines Spielschiff eingeplant, das im Sandkasten platziert werde. „So wird der Spielplatz wieder an Attraktivität für die Kinder gewinnen“, sagt Baust. Generell richte sich der Platz an Kinder von drei bis 14 Jahre. Es gebe derzeit unter anderem eine Doppelschaukel, ein Balanciergerät, ein Reck und eine Vogelnestschaukel. Alle seien in einem „guten und technisch einwandfreien Zustand“.

Seit dem vergangenen Jahr gebe es, wie in der Konzeption „Spiel- und Freiflächen“ empfohlen, eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe, in der geplante Projekte vorgestellt und abgestimmt würden. Ebenso könnten dort Ideen zur Verbesserung der Spiel- und Freiflächen eingebracht werden, die dann gemeinsam diskutiert würden.