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Wie Anja und Rainer Kühne in Zentrumsnähe Lebensqualität schaffen wollen, zeigt das Plakat vor den beiden Gebäuden.
Wie Anja und Rainer Kühne in Zentrumsnähe Lebensqualität schaffen wollen, zeigt das Plakat vor den beiden Gebäuden.
Markanter Anblick von der Südseite: das Hammer-Areal in der Nordstadt.
Markanter Anblick von der Südseite: das Hammer-Areal in der Nordstadt.
So sollen die Gebäude mit den Nummern 1, 2 und 4 schon bald aussehen.
So sollen die Gebäude mit den Nummern 1, 2 und 4 schon bald aussehen.
Blickfang an der Wand im Foyer der Villa: die Welt in Fliesen. Seibel/Privat
Blickfang an der Wand im Foyer der Villa: die Welt in Fliesen. Seibel/Privat
25.10.2015

Hammer-Areal an der Güterstraße erwacht zu neuem Leben

Im Dornröschenschlaf lagen seit Jahren der markante halbrunde Bau und die angrenzende Fabrikantenvilla am Eingang der Güterstraße. Nun soll das Anwesen, an dem noch der Schriftzug „Hammer&Söhne“ prangt, wieder aufblühen.

Anja und Rainer Kühne verwirklichen das, was ihr Unternehmen „Kühne Wohnstil“ im Namen trägt. Auf dem Areal der früheren Schmuckfabrik werden Gewerbe und hochwertiges Wohnen eine Symbiose eingehen. Der Umbau hat begonnen. Relikte vergangener Zeiten, die zutage treten, werden nicht beseitigt, sondern integriert. Neues schaffen und alten Charme bewahren – diese Maxime bestimmt alle Projekte, die die Bauherren in Angriff nehmen. Anja Kühne ist Architektin und Bausachverständige. Rainer Kühne hat sich als Sanierer und Leiter von Unternehmen im In- und Ausland das kaufmännische Know-how erarbeitet, um Kreativität und finanzielle Kalkulation unter einen Hut zu bringen. Mehrere Gebäude in Pforzheim haben sie so einer neuen Nutzung zugeführt – von Wohngruppen für junge Menschen über gehobene Altbau-Domizile bis hin zum Sitz ihrer Firma in der Güterstraße 21 – wo einst Textilien hergestellt wurden, befinden sich heute Geschäfte, Büros und Wohnungen.

Faszinierende Mammutaufgabe

Was ihn antreibt, nennt Rainer Kühne den „Reiz einer verlorenen Immobilie“. Keiner traue sich heran, jeder fürchte den Aufwand. So wie beim Hammer-Areal, an dem er immer vorbeigefahren und von dem er fasziniert gewesen sei. „Das könnte man zum urbanen Wohnen transferieren“, habe er sich gedacht. Im August des vergangenen Jahres erwarben die Kühnes den Komplex, für den es zuvor mehrere Interessenten gegeben habe. Unter anderem hatte die Genossenschaft Gewerbekultur Pläne fürs Hammer-Areal geschmiedet, die sich dann aber zerschlugen (die PZ berichtete).

Laut Anja Kühne soll die Villa „zum Kopfgebäude der Güterstraße“ werden – die Fassade werde durch Elemente aus Gründerzeit und Jugendstil auf moderne Weise historisiert und so der alte Glanz des Gebäudes, dessen Grundstock aus dem Jahr 1876 stammt, ins Heute geholt. Der Entwurf sieht das Aufstocken um eine Etage vor.

Rainer Kühne lobt die Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden. Die Rolle des Gestaltungsbeirats aber hat er eher als belehrend denn als beratend erlebt. „Abgekanzelt“ habe er sich gefühlt und dem Gremium klar gemacht, sich die architektonische Ausgestaltung nicht diktieren zu lassen. Dennoch: Als Reaktion auf Einwände bleiben beim halbrunden Bau aus den 1960er-Jahre nun Teile der Klinker-Fassade erhalten. Statt außen wird nun innen mit Natur-Materialien gedämmt.

Insgesamt entstehen in der Villa und auf fünf Etagen im früheren Fabrikgebäude 27 offene und lichtdurchflutete Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Mietwohnungen, 45 bis 100 Quadratmeter groß, alle mit Balkons. Über zwei Aufzüge sind alle Wohneinheiten barrierefrei zu erreichen. Die bis zu drei Meter hohen Wände vermitteln laut Anja Kühne „ein Raumgefühl ohnegleichen“, der Ausblick über die Stadt mache den Reiz der Lage aus. Auf die Nähe zu den Bahngleisen wird mit intensivem Schallschutz reagiert. Besondere Hingucker sind mächtige Tresortüren von Hammer & Söhne, die in die Umgestaltung einbezogen werden, aber auch das Fliesen-Wandbild im Eingangsbereich der Villa. Im Innenhof bleiben die Parkplätze erhalten, er wird durch viel Grün aufgewertet. In den drei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sei eine Kombination von Arzt- und Physiopraxen, aber auch ein Beauty-Angebot denkbar. Auch hier gebe es bereits Interessenten.

Hohe Nachfrage

Vorgesehen sind drei Bauabschnitte. Bereits im Frühjahr sollen erste Wohnungen bezugsfertig sein. Den Abschluss des Gesamtprojekts – samt großzügigem Penthouse – peilen die Kühnes für Mitte 2017 an. Die Nachfrage sei groß nach gehobenem Wohnraum, sagt Rainer Kühne. Insbesondere bei der „jungen Silber-Generation“ – vitale Menschen reiferen Alters, die hochwertig und zugleich zentrumsnah leben möchten. Aber auch die Nachfolge-Branchen der Schmuckindustrie böten Potenzial, die Biomedizin etwa oder die Zahntechnik. „Es kommen topausgebildete Leute von überall auf der Welt nach Pforzheim“, weiß Rainer Kühne. Und diese wollten schön wohnen.

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