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Hanspeter Wellendorff mit dem Bleistift seines Großvaters, durch den er den Toten nach dem Angriff am 23. Februar identifizierte. Foto: Ketterl
Hanspeter Wellendorff mit dem Bleistift seines Großvaters, durch den er den Toten nach dem Angriff am 23. Februar identifizierte. Foto: Ketterl
22.12.2017

Hanspeter Wellendorff: Zeitzeuge des 23. Februar 1945 in Pforzheim

Pforzheim. Er tut sich schwer. Tief gräbt er in seinen Erinnerungen, sucht mitunter nach Worten. Man spürt Emotionen. Aber so wie er es sagt, so klarsichtig und besonnen formuliert, muss man den Eindruck haben, als sei es gestern gewesen. Hanspeter Wellendorff aber – Vertreter wahrer Werte – spricht vom 23. Februar 1945.

Der heutige Seniorchef der renommierten Schmuckmanufaktur, gerade 82 Jahre geworden, erinnert sich mit Bitternis und fragt nach der Sinnhaftigkeit des englischen Bomber-Angriffs auf Pforzheim. An Pforzheims Schicksalstag war Hanspeter Wellendorff zehn Jahre alt, besuchte die dritte Klasse der Volksschule an der Schwarzwaldstraße. Der Abend des 23. Februar war hereingebrochen, als er am Fenster stand und eine seltsame Beobachtung machte: „Überall blitzten Christbäume am Himmel, es war ein faszinierendes Bild.“ Aber die Mutter hatte eine andere Wahrnehmung. Das Bombardierungsinferno war über Pforzheim hereingebrochen.

Als sie im Morgengrauen wieder aus dem Luftschutzbunker ans Tageslicht traten, mussten sie feststellen: „Das Wohnhaus war ein glühender Aschehaufen! Wir konnten es nicht mehr betreten.“ Mehr aber noch trieb den jungen Wellendorff die Frage um „Wo ist der Opa?“. Er war mit seinen Getreuen in den Bunker an der Schwarzwaldstraße geflüchtet. Vergebens. Alle wurden lebendigen Leibes von der Wucht der Bombardierung zugeschüttet, grausam erstickt. Es war ein in eine goldene Metallhülse gefasster Bleistift mit Monogramm GS an einer goldenen Schlüsselkette, an der man schließlich den Opa, Gustav Eugen Schmidt, identifizieren konnte.

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