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Hazar Jameel Salo mag es, alleine an der Maschine zu arbeiten. Genau so gut gefällt ihm aber auch die Arbeit im Team. Münderlein
Hazar Jameel Salo mag es, alleine an der Maschine zu arbeiten. Genau so gut gefällt ihm aber auch die Arbeit im Team. Münderlein
27.03.2015

Hazar Jameel Salo ist Azubi des Monats März: Eine bessere Zukunft in Deutschland

Hazar Jameel Salo ist 19 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker bei der Firma Inovan in Birkenfeld.Die Jugend des Irakers verlief alles andere als normal. Vor fünf Jahren erst kam er nach Deutschland. Von da an hieß es Deutsch pauken – Tag und Nacht.

Er spricht langsam, manchmal stockend – und dennoch überraschend gut für einen jungen Mann, der fünf Jahre zuvor noch kein Wort Deutsch gesprochen hat. Allein dafür hat sich Hazar Jameel Salo den Respekt seiner Kollegen bereits verdient. Doch der 19-Jährige überzeugt an seinem Arbeitsplatz auch mit Teamgeist. „Er ist immer sehr hilfsbereit“, sagt Johannes Becht, der wie Jameel Salo eine Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker bei Inovan macht.

Hazar wird 1995 im Nordirak geboren. Er wächst in einem Dorf nahe Dohuk auf – in der autonomen Region Kurdistan, die später von IS-Kämpfern terrorisiert wird. Doch lange bevor die Extremisten in seiner Heimat Einzug halten werden, überlegt seine Familie, das Land zu verlassen.

Die Salos sind Yeziden, gläubig, aber nicht streng religiös. Hazars Vater ist Tagelöhner, ein geregeltes Einkommen hat er nicht. In seiner Heimat verdient man umgerechnet etwa zehn Euro am Tag. „Mit 50 Euro in der Woche kann man gut leben, doch leider ist es selten, dass man auch jeden Tag Arbeit bekommt.“ Hazar, seine Eltern und die fünf Geschwister leben also ständig in Angst vor schwerer Armut. Dann entscheidet sich der Vater dazu, nach Deutschland zu gehen. Er kommt nach Pforzheim und wohnt zunächst in einem Asylbewerberheim. Er kriegt Arbeit und beginnt, Geld in die Heimat zu schicken. „Dadurch konnte mein älterer Bruder wenigstens aufhören, nachts zu arbeiten“, erinnert sich Hazar. Sein Bruder ist zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt.

Bevor sein Vater die Familie zu sich holen kann, verbringen sie drei Monate in Syrien. „Es gibt Leute, die viel Geld haben und Schmuggler bezahlen, um schneller nach Europa zu kommen“, verrät Hazar. Doch die Familie des heute 19-Jährigen kann sich das nicht leisten. In Syrien melden sie sich bei der deutschen Botschaft, die vom Vater Nachweise verlangt. Arbeit, Wohnsitz und keine Schulden – laut Hazar die Bedingungen, um die Familie zu sich zu holen. Ihm und seinen Geschwistern nehmen sie Blut ab, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich die Kinder des Familienoberhaupts sind.

Als sein Vater einige Jahre nach seiner Auswanderung die Familie zu sich nach Pforzheim holt, ist die Situation zunächst nicht weniger angespannt. „Ich fühlte mich wie ein Blinder“, erzählt Hazar. Für jeden Gang zum Arzt oder aufs Amt braucht seine Familie Hilfe von Bekannten, um sich verständigen zu können. „Dann fingen wir alle an Deutsch zu lernen – Tag und Nacht.“ Hazar Jameel Salo und seine Geschwister gehen in Pforzheim zur Schule, bekommen Deutschnachhilfe. Sie schauen deutschsprachiges Fernsehen und lesen deutschsprachige Bücher.

Hazar entwickelt eine Eigenschaft, die ihm heute manchmal im Weg steht: Ehrgeiz. „Ich schätze das sehr an ihm“, sagt sein Ausbildungsleiter Klaus Bogner. „Aber oft setzt er sich auch zu sehr unter Druck.“ Und er findet: „Manchmal ist Hazar deutscher als viele Deutsche.“ Er sei überpünktlich und sehr zuverlässig, so Bogner.

Hazar macht seinen Hauptschulabschluss an der Carlo- Schmid-Schule in Pforzheim. An der Johanna-Wittum-Schule absolviert er ein Berufspraktisches Jahr. Er arbeitet als Verkäufer, macht Praktika beim Bäcker, im Baumarkt – nichts für ihn, wie er sagt. Dann bringt ihn seine Berufshelferin darauf, es doch mal mit einem Metallberuf zu probieren. Er bewirbt sich bei Inovan und absolviert im Februar 2013 ein Praktikum. „Ich war gleich begeistert von ihm“, erinnert sich Bogner. Doch Hazar hat Pech. Die Ausbildungsplätze für das kommende Jahr sind bereits alle belegt. Trotzdem bleibt er da – im Rahmen des Projekts Förderjahr des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, dass eigentlich schwer vermittelbare Jugendliche auf das Berufsleben vorbereitet. 2014 wird er als Lehrling übernommen. Zurzeit befindet sich Hazar Jameel Salo noch im ersten Ausbildungsjahr zum Stanz- und Umformmechaniker. Den Beruf gibt es erst seit August 2013. In der Lehrwerkstatt bei Inovan lernt er zunächst die Grundlagen des neuen Metallberufs – Fräsen, Schleifen, Messen. „Die Arbeit macht mir großen Spaß“, sagt Hazar. In einigen Jahren sieht er sich als erfolgreichen Facharbeiter bei dem Birkenfelder Unternehmen: „Ich will den Techniker machen und außerdem eine Familie gründen.“ Vor allem aber will er ein geregeltes Einkommen haben. „Wir hatten einen Nachbar im Irak, der war Krankenpfleger und hatte jeden Monat das gleiche Gehalt. Er und seine Familie waren nicht reich, aber sie konnten sich schöne Kleidung oder einen Schulranzen leisten. Wir nicht.“ Das will er auch schaffen. Zurück in den Irak möchte er nicht. „Höchstens Urlaub machen vielleicht, wenn sich die Lage beruhigt hat.“

Den Flüchtlingen, die sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollen, rät er vor allem eines: „Ihr müsst immer ein Ziel vor Augen haben.“ Und dann heiße es: „Dranbleiben!“

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