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In Pforzheim und Enzkreis legen freiberufliche Hebammen vom 10. bis 12. Dezember ihre Arbeit nieder. Ausgenommen sind Geburten.
Hebammen streiken: Angemessene Bezahlung gefordert © Büttner
08.12.2010

Hebammen streiken: Angemessene Bezahlung gefordert

PFORZHEIM. In Pforzheim und Enzkreis legen freiberufliche Hebammen vom 10. bis 12. Dezember ihre Arbeit nieder. Ausgenommen sind Geburten. Sie fordern eine angemessene Bezahlung. Nur noch drei freiberufliche Hebammen bieten Hausgeburten an – die Versicherung ist zu teuer. Dazu gehört auch Margarete Wetzel. Nach 18 Jahren war Schluss. „Das habe sich nicht mehr gelohnt“, sagt sie.

Sie hat seit Jahren eine Gemeinschaftspraxis an der Westlichen-Karl-Friedrich-Straße. Zehnmal im Jahr war sie früher bei Hausgeburten zugange, manchmal dauerte der Einsatz bis zu 14 Stunden. Sie ist eine von 40 Freiberuflichen in Stadt und Enzkreis.

Lagen die Kosten für die Berufshaftpflicht im Jahr 1981 bei 30 Euro, zahlen die Hebammen momentan 3700 Euro im Jahr, 1200 Euro mehr als im Jahr 2009. „Dafür müssten wir bei einer Pauschale von 548 Euro pro Geburt 6,5 Mal pro Jahr entbinden, bevor wir ans Geld verdienen denken können“, sagt Anne Nixdorff-Schickle, Sprecherin des Kreisverbands des deutschen Hebammenverbands. Das rechne sich nicht. Hatten im vergangenen Jahr noch sieben Kolleginnen die Hausgeburt angeboten, seien es aktuell nur noch drei. „Die werdenden Mütter werden bald keine Alternative mehr zum Krankenhaus haben,“ sagt Nixdorff-Schickle. Der Hebammenverband Baden-Württemberg hat jetzt zum Streik aufgerufen. Landesweit legen die Hebammen bis zum 23. Dezember ihre Arbeit an unterschiedlichen Orten nieder. Danach wollen die Thüringer Hebammen weiterstreiken. Ein Stand in der Innenstadt an der Ecke Blumenstraße/Brüderstraße soll Freitag und Samstag von 10 Uhr bis 16.30 Uhr informieren. Wetzel und Nixdorff-Schickle arbeiten in einem Beruf mit permanenter Rufbereitschaft und einer großen Verantwortung für Mutter und Kind. Sie müssen Geld für die Praxisräume, für ein Dienstauto und für die Rente erwirtschaften. Sie halten – wie ihre Bundeskolleginnen – einen Stundenlohn von 7,54 Euro Brutto für unangemessen. „Dafür würde sich keine Verkäuferin an die Supermarktkasse setzen,“ sagt Nixdorff-Schickle. Eine 40-Stunden-Woche bei einem zu versteuerndem Einkommen von jährlich 14 000 Euro – das gehe nur, weil ihr Mann berufstätig sei, sagt sie. Margarete Wetzel hat sich ihr Standbein vor einigen Jahren bei den „Frühen Hilfen“, einem Modell-Projekt für Mütter mit Problemen, aufgebaut.

Diesen Appell nach einer angemessenen Bezahlung richten die Streikenden an die Krankenkassen. „Vor allem aber alleinerziehende Kolleginnen haben schwer zu kämpfen, um ihre Existenz zu sichern“, sagt Wetzel. Bundesweit gebe es ein wahres Sterben an Praxen mit Hausgeburtshilfe.