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Waffen, Drogen, Bargeld und etliche Flaschen Whiskey – rund 400 Polizisten mussten bei Durchsuchungsaktionen wie hier beim Vereinsheim der Pforzheimer Hells Angels einiges aus den Häusern schleppen. © Ketterl
Das Tragen von Kutten und Shirts mit ihrem Vereinsemblem ist den Pforzheimer Hells Angels nach der Auflösung ihres Vereins verboten worden. © Ketterl
400 Spezialkräfte aus acht Bundesländern wurden zur Großrazzia gegen Pforzheimer Hells Angels eingesetzt. © Ketterl
Razzia gegen die Hells Angels in Pforzheim: Auch das Vereinsheim an der Karolinger Straße wurde durchsucht. © TV-BW
Rund 400 Polizisten aus mehreren Bundeslkändern haben am Freitagmorgen 26 Durchsuchungsaktionen gegen Hells Angels aus Pforzheim und dem Enzkreis gestartet. Der Pforzheimer Rockerverein wurde verboten. © PZ
10.06.2011

Hells Angels: Wieder Waffen und Drogen beschlagnahmt

PFORZHEIM. Großeinsatz gegen die Pforzheimer Hells Angels: Mehr als 400 Polizeibeamte, darunter Spezialeinsatzkräfte aus acht Bundesländern, haben in Pforzheim, im Enzkreis und in weiteren Städten in Baden-Württemberg 26 Hausdurchsuchungen gemacht - immer in Wohnungen, Clubheimen oder Gaststätten, die mit dem Verein Hells Angels Charter Borderland in Verbindung stehen. Sie schleppten von dort in Kisten und Koffern unter anderem Bargeld, Waffen und Drogen ins Polizeipräsidium Pforzheim. Den dort angetroffenen Mitgliedern wurde überdies mitgeteilt, dass ab sofort der Verein verboten und mithin das Tragen von Emblemen und anderes mehr verboten ist.

Bildergalerie: Razzia bei Hells Angels: Beschlagnahmte Objekte

Bei der Großrazzia sind unter anderem 18.000 Euro Bargeld, ein schwerer Revolver, zwei scharfe Pistolen – eine davon entsichert und gespannt – gefunden worden, des weiteren drei Molotow-Cocktails und 400 Gramm Marihuana. Beschlagnahmt wurden überdies Kontounterlagen, PCs, Handys, Anabolika, Hakenkreuz-Abzeichen und zwölf Kutten, also die ärmellosen Lederjacken mit Vereinsemblem, darunter die des Präsidenten. Dessen Vize steht im Juli wegen versuchten Totschlags vor Gericht – ein Mosaiksteinchen in der Argumentation des Leitenden Oberstaatsanwalts Christoph Reichert, den Verein verbieten zu lassen.

Bildergalerie: 400 Polizeibeamte durchsuchen Objekte der Hells Angels

Auch wurden 13 Konten eingefroren und der Internet-Auftritt gesperrt. Oberbürgermeister Gert Hager sprach bei einer Pressekonferenz von einem „sehr guten Tag für Pforzheim“. Polizei und Justiz gehen davon aus, dass die Hells Angels vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim Beschwerde gegen die Verbotsverfügung einlegen werden. Verbote gegen die lokalen Hells-Charter gab es bisher in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Ebenfalls verboten wurden die Rocker-Ortsvereine in Brandenburg (Chicanos), Schleswig-Holstein (Bandidos) und Bremen (Mongols).

Bildergalerie: 26 Hausdurchsuchungen gegen Hells Angels in Pforzheim

Die 400 Spezialkräfte aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen waren nötig, um die Razzia aus Sicht der Polizei reibungslos ablaufen zu lassen. Schließlich war nicht auszuschließen, so der Pforzheimer Polizeipräsident Burkhard Metzger, dass die Hells Angels sich bewaffnet zur Wehr setzen würden. Bei einer früheren Razzia wurden nämlich schon einmal scharfe Waffen beschlagnahmt. Den 43 Mitgliedern des Hells Angels Motorcycle Club Charter Borderland und dessen Unterstützerclub Commando 81 Borderland wurden die Verbotsverfügungen durch die Polizei zugestellt. Gleichzeitig wurden 20 Wohnungen, zwei Gefängniszellen und drei Vereinsräumlichkeiten durchsucht, um Vereinsvermögen und weitere für das Vereinsverbot beweisrelevante Unterlagen zu beschlagnahmen. Mit dem Verbot ist der Verein mit seinen Unterorganisationen aufgelöst und ist ihnen jede Tätigkeit untersagt. Kennzeichen des Vereins dürfen weder verbreitet nnoch verwendet werden.

„Wir dulden in Baden-Württemberg keine Gewaltexzesse von Rockergruppierungen. Das Begehen schwerster und zum Teil organisierter Straftaten muss und wird auch zukünftig entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen.“ Das sagte Innenminister Reinhold Gall am Freitag in Stuttgart. Das Innenministerium Baden-Württemberg kann als zuständige Verbotsbehörde Vereinsverbote aussprechen, wenn - wie vorliegend - der Zweck oder die Tätigkeit des Vereins den Strafgesetzen zuwiderläuft. Darüber hinaus muss das Handeln der Mitglieder dem Verein zuzurechnen sein.

Im Pforzheimer Raum kam es in den vergangenen Monaten neben vermehrten Aufgriffen von gesetzlich verbotenen Hieb-, Stich-, Stoss- und Schusswaffen bei Angehörigen des Hells Angels MC, Charter Borderland und des Unterstützerclubs zu schwersten Straftaten, darunter auch ein versuchtes Tötungsdelikt. „Die bei Durchsuchungen aufgefundenen Schusswaffen und letztendlich der Einsatz von gefährlichen Hieb- und Stoßwaffen bei Auseinandersetzungen zeigen das hohe Gefahrenpotenzial dieser Gruppierungen“, betonte Innenminister Reinhold Gall. „Die zahlreichen Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der betroffenen Vereinigungen belegen, dass hier schwerste Straftaten geplant und begangen sowie durch die Vereinsführungen geduldet wurden.“

Dem Vereinsverbot gingen monatelange Ermittlungen und Vorbereitungen der Polizeidirektion Pforzheim, des Regierungspräsidiums Karlsruhe, des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg sowie des Innenministeriums Baden-Württemberg voraus.

„Das Verbot bestätigt die hervorragende Arbeit unserer Sicherheitsbehörden. Wir werden weiterhin allen polizeilich relevanten Rockergruppierungen und rockerähnlichen Gruppierungen mit einer harten Linie begegnen“, versicherte Gall. ol/pol

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