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Auch das Vereinslokal der „Hells Angels“ , die Kneipe „Plan B“ an der Lindenstraße, ist bei der Großrazzia im Dezember durchsucht worden. /PZ-Archiv
17.02.2011

Hells Angels wegen Ereignissen in Pforzheim verärgert

PFORZHEIM. Stirnrunzeln herrscht im Rocker-Milieu über die Vorkommnisse, in die die „Hells Angels“ in Pforzheim verwickelt sind – von der Polizei-Großrazzia bis zu einer Massenschlägerei mit Mordversuch. Das sagte Volker Kluwe, Leitender Kriminaldirektor beim Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen, gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Er meinte die Rocker in seinem Bundesland, insbesondere die „Hells Angels“.

Bildergalerie: Pressekonferenz zur Hells-Angels-Razzia

Die Geschäfte – das sind unter anderem Rotlicht und die Türsteherszene. Und deshalb sorgt das, was bei einem der kleinsten und jüngsten Charter, dem „Borderland“ in Pforzheim, abgeht, für Unmut in den Reihen, wohl auch bei Frank Hanebuth, dem Chef der Hannoveraner „Hells Angels“. Ohne ihn geht in der Szene nichts.

Oberstaatsanwalt Christoph Reichert bestätigt PZ-Informationen, wonach die Aufregung über die Ereignisse in Pforzheim bei den „Hells Angels“ intern für Stirnrunzeln gesorgt hätten. Immerhin gab es die Großrazzia, eine Massenschlägerei, Festnahmen, Waffenfunde, Untersuchungshaft. Von ursprünglich drei bei der Razzia festgenommen Vollmitgliedern beziehungsweise einem Unterstützer sind zwei auf freiem Fuß. Einer von ihnen ist der jüngere Bruder des Vize-Chefs. Beim Jüngeren wurde bei der Razzia im Dezember ein Revolver gefunden, von dem die Ermittler zunächst vermuteten, es sei die Tatwaffe vom Überfall der „Hells“ auf die „Tribuns“ im November.

Da war ein Schuss gefallen – und an der Hand des älteren Bruders befanden sich Schmauchspuren. Doch Untersuchungen ergaben, dass es eine andere Waffe, allerdings des gleichen Typs, gewesen sein musste. Beim älteren Bruder hält Oberstaatsanwalt Reichert an der Beschuldigung des versuchten Mordes fest.

Waffe Marke Eigenbau?

Auch drei junge Männer, die im Zuge der Razzia gegen die „United Tribuns“ am 4. Februar verhaftet wurden, sitzen noch in Untersuchungshaft. Bei einem von ihnen fand die Polizei eine bisher nicht identifizierte Maschinenpistole – vielleicht ein Eigenbau – mit Schalldämpfer, Magazin und Munition. Der Mann stammt nicht aus Pforzheim. Außerdem wurden Drogen sichergestellt.

Unterdessen geht das Leben im Jugendzentrum „Eastend“ seinen gewohnten Gang. Der Kraftraum des Jugendzentrums war als Reaktion auf die Razzia und die mutmaßliche Rekrutierung der Jugendlichen als „Tribun“-Nachwuchs von der Stadt geschlossen worden – und ist weiterhin zu. „Das ,Eastend’ ist erstaunlich stabil“, sagt Hartmut Wagner, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, „wir als Träger werden offensichtlich nicht dafür verantwortlich gemacht, was passiert ist.“

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