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Vereint gegen das Vergessen: Archiv-Chefin Klara Deecke, Oberbürgermeister Peter Boch, Ex-OB Joachim Becker (Reuchlingesellschaft), Geschichtslehrer Martin Rühl, Kai Adam (Löbliche Singer, Archiv-Förderverein) und die Schülerinnen Luise Gengenbach, Jana Michel und Celina Zürcher (von links).  Foto: Seibel 

Hilda-Schülerinnen auf Spurensuche: Verleihung des Georg-Simler-Preises an Annsophie Schmidt

Pforzheim. Für ihre Forschungsarbeiten und das daraus entstandene Buch „Spurensuche“ ist die Abiturientin Annsophie Schmidt mit dem Georg-Simler-Preis ausgezeichnet worden. Die Hilda-Schülerin war den Biografien einstiger jüdischer Schülerinnen und Lehrer des Pforzheimer Gymnasiums nachgegangen, die wegen der Nazis nach deren Machtergreifung fliehen mussten oder ermordet wurden. Die Verleihung des Preises fand im Rahmen des Tags der Archive im Stadtarchiv statt. Stifter sind die Löbliche Singergesellschaft, der Förderverein für das Stadtarchiv und die Reuchlingesellschaft Pforzheim.

Oberbürgermeister Peter Boch hob dabei nicht nur die Bedeutung der Auszeichnung hervor, die seit 2009 alle zwei Jahre verliehen wird, sondern vor allem auch die Auseinandersetzung der Schülerin mit dem bedeutenden Thema, das vor dem Hintergrund aktueller extremistischer Entwicklungen noch an Gewicht gewinne.

„So hat Gedenkkultur Zukunft“ würdigte Boch die Art und Weise der Aufarbeitung der Schicksale in dem Buch „Spurensuche“, an der auch der Geschichtslehrer Martin Rühl beteiligt war. Annsophie Schmidt, die bei der Preisverleihung nicht persönlich anwesend sein konnte, aber eine Video-Grußbotschaft schickte, hatte die Lebensgeschichten von 44 Hilda-Schülerinnen und vier Lehrenden recherchiert und niedergeschrieben. Dazu sprach sie mit Zeitzeugen und Nachfahren und forschte über einen Zeitraum von 15 Monaten in verschiedenen Archiven.

In seiner Laudatio würdigte Kai Adam in seiner Funktion sowohl als Vorsitzender des Fördervereins für das Stadtarchiv wie auch als einer der beiden Obermeister der Löblichen Singer das Engagement für das mehr als 230 Seiten starke Buch. Die „emotionale Begegnung mit den Menschen hinter der sachlichen Schulbuchgeschichte“ führe zur wirklichen Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Annsophie Schmidt habe mit ihrem Buch dazu beigetragen, über Geschichte aufzuklären und die Demokratie zu stützen, so Adam, „um zu verhindern, dass Extremismus in Deutschland erneut einen Nährboden findet“. Gleichwohl erinnerte er an aktuelle Fälle von Hass und Hetze in Deutschland, die immer wieder auch in Morden mündeten. Den Druck des Buchs hatte die Jakob-und-Rosa-Esslinger-Stiftung finanziert. Deren Stiftungsratsvorsitzender, Thomas Satinsky, zeigte sich beeindruckt von dem Werk, in dem sich die Abiturientin so intensiv mit dem „dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“ auseinandergesetzt habe.

Ebenso für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden die drei Hilda-Schülerinnen Luise Gengenbach, Jana Michel und Celina Zürcher. Sie recherchierten insbesondere im Nachlass und den Tagebüchern von Fritzmartin Ascher, einem jüdischen Hilda-Lehrer, der von den Nazis zur Aufgabe seiner Arbeit gezwungen, Totengräber und nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem Bürgermeister von Mühlacker wurde. Das Buch dazu soll Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Im kommenden Herbst sollen außerdem noch acht Stolpersteine im Hilda-Hof verlegt werden (heute veranstalten die „Löblichen“ in der Werktagskirche der Stadtkirche ab 19.30 Uhr einen Vortrag über Ascher, gehalten von Christiane Bastian-Engelbert).

Nach der Preisverleihung waren die Besucher zu den verschiedenen Ausstellungen und Präsentationen zum Tag des Archivs eingeladen, bei dem auch alte Pforzheimer Zeitungen, die Schau „Wilhelm Reble – Kriegstage in Wort und Bild“ gezeigt und Archiv- und Magazinführungen angeboten wurden.