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Im Gespräch über die Situation von geflüchteten Frauen in Pforzheim: SPD-Landtagskandidatin Annkathrin Wulff, Bundestagsabgeordnete Katja Mast, die Parlamentarische Staatssekretärin Elke Ferner, Frauenhausleiterin Teresa Neuhaus und Diakonie-Geschäftsführerin Sabine Jost (von links).   Foto: Ketterl
Im Gespräch über die Situation von geflüchteten Frauen in Pforzheim: SPD-Landtagskandidatin Annkathrin Wulff, Bundestagsabgeordnete Katja Mast, die Parlamentarische Staatssekretärin Elke Ferner, Frauenhausleiterin Teresa Neuhaus und Diakonie-Geschäftsführerin Sabine Jost (von links). Foto: Ketterl
18.11.2015

Hilfe für Frauen auf der Flucht

Pforzheim. „Frauen und Flucht“ lautete das Thema der Gesprächsrunde, zu der sich Vertreterinnen von SPD und Diakonie trafen. Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast und Landtagskandidatin Annkathrin Wulff ließen sich im Frauenhaus über die Arbeit vor Ort informieren. Zahlreiche Themen brachten Diakoniechefin Sabine Jost, Teresa Neuhaus, Leiterin des Frauenhauses, Jeanette Fiedler, Vorsitzende des Fördervereins der Einrichtung, und Sozialarbeiterin Stefanie Schulz zur Sprache

Alleinreisende: „Heute haben wir die Zahl von 1000 Flüchtlingen in Pforzheim erreicht“, sagte Jost. Nur ein sehr geringer Teil von ihnen seien alleinreisende Frauen. Bei diesen handelt es sich laut Schulz in der Regel um Irakerinnen. „Meist sind es Yezidinnen, die bislang immer von Verwandten empfangen wurden.“

Im Frauenhaus: Mehr als eine asylsuchende Frau hat 2015 nach häuslicher Gewalt Zuflucht im Frauenhaus gesucht. Die Schutzbedürftigen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Oft würden Flüchtlingsfrauen von einem solchen Schritt abgehalten. „Darum brauchen wir ein eigenständiges Aufenthaltsrecht von Frauen, die in häuslicher Gewalt leben“, sagte Ferner. Die Staatssekretärin begrüßte die Pläne für eine getrennte Unterkunft für alleinreisende Frauen (die PZ berichtete) und regte an, bei Neubauten zudem auf eine getrennte Anordnung der Waschräume in verschiedenen Gebäudeteilen zu achten.

Finanzen und Wohnungsnot: Das Frauenhaus finanziert sich über Tagessätze. „Es ist nicht immer gewährleistet, dass die Fälle finanziert sind“, sagte Neuhaus, „trotz zuerst zugesicherter Kostenübernahme der Herkunftskommune.“ Dies gelte nicht nur für Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus und Asylbewerberinnen, sondern unter anderem auch für Studentinnen und Auszubildende. „Diese Lücken im Sozialgesetz gilt es zu schließen“, so Ferner. Frauenhaus und Flüchtlingsheime kämpfen zudem mit der Wohnungsnot in Pforzheim. Der Bund habe zwar zusätzlich Geld für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt, „aber was die letzten Jahre versäumt wurde, holt man jetzt auch nicht schnell wieder auf“, so Ferner. Erst seit 2011 fördere das Land wieder sozialen Wohnungsbau, ergänzte Mast.

Asylanträge: Nicht immer ist der Asylantrag schon gestellt, wenn die Flüchtlinge in Pforzheim ankommen – zu überlastet sind die Erstaufnahmestellen. „Manche können drei Tage später zurückfahren und den Antrag stellen, bei anderen dauert es Jahre“, sagte Schulz. Probleme gebe es vor allem im Eutinger Tal – laut Schulz warten dort Flüchtlinge aus dem Balkan seit über einem Jahr ohne Papiere auf eine Möglichkeit der Antragsstellung. Laut Jost schürten die Unterschiede im Verfahrensstand und bei den Bleibechancen Neid und Missgunst.

Sprachkurse: Ähnlich verhalte es sich mit den Chancen auf Sprachkurse. Diejenigen mit besseren Bleibechancen werden bei der Vergabe bevorzugt. „Das gibt gerade Ärger“, sagt Schulz. Spenden sollen es der Diakonie künftig ermöglichen, für mehr der anderen Flüchtlinge Kurse anzubieten. Ferner erklärte, dass besonders junge Erwachsene, für die die Schulpflicht nicht mehr greife, und Frauen, teils ohne Alphabetisierung, dabei nicht aus dem Blick verloren werden dürfen. Zudem sei eine bessere Koordinierung nötig, um Menschen mit ähnlichem Wissensstand gemeinsam zu unterrichten. Dass qualifizierte Deutschlehrer in der Folge an den Regelschulen fehlten, gelte es zu verhindern. Mast unterstrich die Bedeutung von Kinderbetreuung während der Kurszeiten für die Qualifizierung der Frauen.

Integrationsprojekte: Diakonie und Stadtjugendring wollen Konfirmanden mit gleichaltrigen Flüchtlingen zusammenbringen. Asylsuchende, die im Herkunftsland eine Universität besucht haben, sollen schnell als Gasthörer an der Hochschule zugelassen werden. Ferner wies auf ein Programm hin, das es Flüchtlingen ermögliche, sich im Berufsfreiwilligendienst zu engagieren. „Außerdem brauchen wir mehr Kulturmittler und Integrationshelfer“, sagte sie. Jost kündigte an, das Programm Stadtteilbotschafter wieder aufleben zu lassen.