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Kinder freuen sich über die Geschenke, die zur Hälfte aus der Region stammen. Foto: Privat
Kinder freuen sich über die Geschenke, die zur Hälfte aus der Region stammen. Foto: Privat
Die Bedürftigen haben die Lebensmittel sehnsüchtig erwartet. Foto: Privat
Die Bedürftigen haben die Lebensmittel sehnsüchtig erwartet. Foto: Privat
30.12.2016

Hilfsdienst verteilt Päckchen aus der Region in Bosnien-Herzegowina

Pforzheim/Brcko/Tuzla. Der humanitäre Hilfsdienst für Notleidende (HfN) aus Pforzheim hat mit Helfern aus dem Enzkreis Kindergeschenke und Lebensmittel an 1500 bedürftige Familien in Bosnien-Herzegowina verteilt. 3000 Kinder freuten sich über Geschenke, die von Spendern gepackt worden waren. Fast die Hälfte davon stammt aus dem Enzkreis. Die andere Hälfte war von der Partnerorganisation „Brot des Lebens“ bei Ulm zusammengetragen worden. Kinderpäckchen und Grundnahrungsmittel wurden um Brcko und bei Tuzla an notleidende Menschen ausgeteilt.

Warten auf Hilfe

Leere Schubkarren reihen sich am Wegesrand auf. Daneben stehen plaudernd Menschen, einige haben in ihrem Karren Platz genommen. Es sind hauptsächlich Alte, die einen anstrengenden Fußmarsch hinter sich haben. Manche sind mit einem Pferdefuhrwerk oder Traktor gekommen. Alle warten trotz Minusgraden geduldig auf den Transport aus Deutschland. Die Lebensmittel sind eine große Hilfe für Menschen, die kein Einkommen haben und von einer geringen Rente leben.

Seit dem Jugoslawienkrieg kommt der HfN kurz vor Weihnachten mit den Hilfsgütern in die Region. „Jahr um Jahr hoffen wir, dass sich die Lebenssituation der Menschen so verbessert hat, dass wir nicht mehr kommen müssen. Aber jedes Mal erschrecken wir neu, wie hart die Menschen hier oben in den Bergen um ihr tägliches Überleben kämpfen“, berichtet Karl-Heinz Weber aus Langenalb. Der stellvertretende Vorsitzende des HfN organisiert und begleitet den Transport aus Pforzheim seit Jahren.

Die Ladeklappen des Lasters öffnen sich, die Menschen drängen näher. Der Ortsvorsteher ruft sie einzeln auf. Sie weisen sich aus und nehmen ihr Paket in Empfang. Zuvor wurde mit den Behörden eine Liste der Bedürftigen erstellt. Weber erfährt, dass offiziell 50 Prozent der Bosnier arbeitslos sind. Der Rest schlägt sich mit Minijobs oder als Tagelöhner durch.

Beim Verteilen macht der Hilfsdienst keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen. „Wir helfen Bedürftigen, die am Existenzminimum leben“, sagt Weber. So besuchen sie auch eine Roma-Siedlung, in der extreme Not herrscht. Der Pastor, der die Siedlung betreut, berichtet: „Ich wundere mich, wie die Leute ihren Lebensunterhalt bestreiten, sie haben keine Einkommen und keine Sozialleistungen. Aber sie jammern nicht, sondern sind froh, dass Friede herrscht.“ Nach zehn Tagen fährt das ehrenamtliche Team zurück. „In dieser schwierigen Situation haben wir zutiefst dankbare Menschen angetroffen“, so Weber: „Ganz besonders haben sich die Kinder gefreut, die in jeder Schule in Jubelgeschrei ausbrachen, wenn wir vorfuhren.“