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Den Umgang mit der NS-Zeit rückt Peter Steinbach in den Blick. Foto: Läuter
Den Umgang mit der NS-Zeit rückt Peter Steinbach in den Blick. Foto: Läuter
01.07.2016

Historiker Peter Steinbach: „Hitler war der Verräter“

Die Verbrechen der Nationalsozialisten, vor allem aber der deutsche Widerstand gegen die Nazi-Diktatur, stehen im Mittelpunkt des Schaffens des Politikwissenschaftlers und Historikers Peter Steinbach. Am Donnerstag schloss er mit seinem Vortrag „Heilt Zeit Wunden? Oder: Vergeht die Erinnerung im Gedenken?“ die Vortragsreihe „Erinnern und Gedenken“ des Arbeitskreises 23. Februar ab. Gekommen waren in den Vortragsraum der Volkshochschule (vhs) rund 20 Zuhörer. Steinbach, mittlerweile emeritierter Professor, der unter anderem in Berlin, Karlsruhe und Mannheim gelehrt hat, ist noch immer als wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin tätig.

In seinem Vortrag sprach er von verschiedenen Stationen der Konfrontation der Deutschen mit ihrer eigenen Vergangenheit. Die Konflikte, die durch das Erinnern und die Form der Erinnerungen entstanden, seien wichtig gewesen für die Gesellschaft, so Steinbach. Damit aber meinte er nicht etwa die 68er-Bewegung, sondern vielmehr die großen Verjährungsdebatten oder Prozesse gegen die Nazis. All dies habe dazu beigetragen, dass unter anderem die deutschen Widerständler schließlich nicht mehr als die Verräter des deutschen Vaterlandes, sondern als die Gerechten der Gesellschaft betrachtet wurden und sich auch der Schulunterricht zum Thema verändert habe. Nicht sie seien die Verräter Deutschlands gewesen: „Hitler war der Verräter.“

Als wichtigstes Element, um in der Erinnerung zu einen, nannte Steinbach immer wieder die Wahrnehmung unterschiedlichster Leidenserfahrungen, also die Aufgabe eines Denkens in Kollektivkategorien wie Parteien oder Religionen. „Es ist möglich, an eine Vielzahl von Leidenserfahrungen zu erinnern, ohne zu isolieren“, sagte er und erinnerte an die Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker anlässlich des 40. Jahrestags des Kriegsendes, die er als integrale Rede bezeichnete. Integratives Erinnern gehe weiter und tiefer, vereine die Menschen, Vergleiche hingegen seien kontraproduktiv: „Der Teufel steckt im Vergleich.“

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