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Chamäleon, Elefant und Gorilla: In den scheinbar abstrakten Bildern von Kevin Kiwus lässt sich vieles entdecken. Foto: Meyer
Professor Matthias Kohlmann hängt noch die letzten Zeichnungen seiner Studierenden auf. Foto: Meyer
Professor Matthias Kohlmann hängt noch die letzten Zeichnungen seiner Studierenden auf. Foto: Meyer
11.07.2019

Hochschule-Werkschau: Designstudenten bestücken das ganze Haus mit Kunst

Pforzheim. Bis 1971 stand die Kunst noch im Titel: Die Staatliche Kunst- und Werkschule als Vorläufer der heutigen Hochschule für Gestaltung legte schon vor Jahrzehnten großen Wert auf die freie Kunst. Und die hat weiterhin im Gebäude an der Holzgartenstraße eine große Bedeutung. Malerei, Zeichnung, Fotografie und Bildhauerei werden prominent und vielfältig präsentiert.

Bildergalerie: Werkschau der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim

Malerei:

Nicht nur die großen Treppenhäuser werden von den großformatigen Bildern der Studierenden dominiert. Auch die Reihe der Atelierräume im Dachgeschoss sind vollgepackt mit Gemälden. „Ich hatte selten eine so große Auswahl an so guten Arbeiten“, sagt Professor Erich Reiling. Und so hat es ihn einige Mühe gekostet, die zueinander passenden Bilder für die Treppenaufgänge zusammenzutragen. Das beginnt im Erdgeschoss mit konstruktivistischen Arbeiten von Marius Maus, führt über figurative Werke hin zur reinen Farbfeldmalerei in satten Rot- und Gelbtönen. Geometrische Flächen, denen wild bewegte, mit kräftigem Pinselduktus ausgeführte Linien gegenüberstehen, bestimmen dann beispielsweise die Arbeiten von Leonardo Nicola. Und wer bei den scheinbar abstrakten Gemälden von Kevin Kiwus aus der richtigen Entfernung genau hinschaut, der wird den Kopf eines Bären und zwei rote Insekten entdecken.

Das dritte Stockwerk ist mit düsteren, gruseligen und mit surrealistischen Bildern bestückt: großartig der dunkle, menschenleere Flur von Alexander Dietrich, der an ein Film-Still erinnert, und das von Dorien Hamm gemalte alte Bettlerpaar. Weiter geht es dann in Schwarz-Weiß: Strukturierte schwarze Flächen stehen Op-Art-Bildern gegenüber. Fast alles im großen Format – gerne mal bis zu vier Quadratmeter groß. Das nötigte auch Professor Alex Heil von der Kunstakademie Karlsruhe Respekt ab. So viele und so große Arbeiten sehe er dort selten, sagte er den Studenten bei der gemeinsamen Besprechung ihrer Werke.

Zeichnung: In einer Gemeinschaftsarbeit von Studierenden, studentischen Hilfskräften und Isabel Zuber ging es der Professorin darum, sich und seinen Körper zu spüren, die Intuition zu fördern, um kreative Prozesse zu ermöglichen. „Die Zeichnung soll hier weniger aus dem Denken, als aus dem Fühlen heraus entstehen“, sagt sie. Und dazu gehören auch Übungen zur Aufmerksamkeit, die sich vor allem nach innen richten. Zu erleben ist das nicht nur anhand der vielen Zeichnungen im Atelier, sondern auch durch eine Anordnung von Sitzpolstern, die zum Verweilen einladen. Neben zahlreichen Aktstudien setzten sich die Studenten von Professor Matthias Kohlmann auch mit Fragen künstlerischer Qualität auseinander, etwa Maja Buhl mit einem Puzzle aus winzigen Bildern.

Fotografie: Mit dem Thema „Das Wunder des Unwirklichen“ beschäftigten sich die Studierenden von Professorin Silke Helmerdig. Wie wirklich ist Fotografie? – diese Fragestellung spiegelt sich in mehreren Arbeiten wider. Da verbindet die indische Gaststudentin mittels Fotoshop ihr Heimatland mit dem Schwarzwald, da werden Landschaften aus einem Computerspiel realen Natureindrücken gegenübergestellt, und da wird ein „Modernes Designerhaus, fotografiert mit der 360-Grad-Kamera“ von einem fiktiven Immobilienmakler angeboten. Doch wer sich die Fotos des Inserats genauer anschaut, wird einen ungewöhnlichen Blickwinkel aus dem Kühlschrank entdecken. Raphael Ferenbach hat seiner Professorin eine ganze Reihe von Ansichtskarten geschickt: Mit dem Selfiestick am Handy aufgenommen, steht er vor dem Eiffelturm, dem Taj Mahal, der Jesus-Statue in Rio, der Antarktis, um damit zu begründen, warum er ausgerechnet gerade nicht an ihrem Unterricht teilnehmen kann. Alles echt oder doch nur Fake? Das detektivische Hinschauen lohnt.

Skulptur: Sehr frei sind die Studierenden von Professor Abraham David Christian mit ihrem „Bau-Kopf-Haus“-Thema umgegangen. Vor allem Körper und Formen im Raum haben sie beschäftigt, etwa Leonard Staigle, der aus Schnittpapier Formen genäht, sie dann mit dem Föhn aufgeblasen und sie mit Farbe und Wachs zu dreidimensionalen Objekten geformt hat. Das Thema Stoff und Farbe beschäftigte auch Valentina Michaelis, deren Skulpturen aus Leinenstoff durch die Bemalung mit Holzleim und Eisenstaub zahlreiche Assoziationen zulassen.

Sonja Keppler geht es hingegen ausschließlich um Natur, um Fauna und Flora. Die organischen Plastiken entstehen aus Papiermasse mit Styroporkügelchen oder Reiskörnern und beeindrucken durch eine klare Formensprache.