nach oben
Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Pforzheim präsentierten ihre Werke.
Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Pforzheim präsentierten ihre Werke.
13.07.2013

Hochschulstudierende präsentieren ihren Modebeitrag

Pforzheim. Struktur und Chaos – so hieß eine der Abschlussarbeiten der Modestudenten, die am Freitagabend in der Fakultät für Gestaltung zu sehen war. Doch was tatsächlich präsentiert wurde, war eine Menge Struktur und wenig Chaos und das, obwohl der Beginn der Werksschau anderes vermuten ließ.

„Gefährliche Liebschaften“ lautete das Thema des zweiten Semesters. Und die Models wirkten wirklich so, als steckten sie in gefährlichen Situationen. Etwa in einer Zwangsjacke, als Unfallopfer in Mullbinden oder in einem Kragen, wie der Hund ihn bekommt, damit er sich nicht am Ohr kratzt.

Die Jungs, die zum „Geist der Revolution“ (l’esprit de al révolution) und unter Trommelklängen Aufstellung nahmen, sahen so aus, als wären sie auf dem Weg zur Guillotine. Kein Wunder, wenn Mann wieder Rock tragen muss. Doch schon beim zweiten Durchlauf betraten die gleichen Models in sportiver, pfiffiger Männermode in gedeckten Farben den Laufsteg. Orangefarbene, grüne und neonblaue Details, aber auch lange Nieten setzen interessante Akzente. Die Männer bewegten sich denn auch so, als fühlten sie sich in diesen Sachen wohl.

Es war eindeutig: Mutige modische Experimente trafen bei der Werkschau in der Hochschule Pforzheim auf Entwürfe, die durchaus schon tragbar sind. Vieles davon erinnerte frappierend an Jil Sander. Die bekannte deutsche Designerin schenkte der Modewelt einen neuen Stil: klar, elegant und zeitlos. Genauso kamen viele Entwürfe daher, die besonders die Studenten des sechsten Semesters sowie die der Abschlussklasse zeigten. Fließende, figurumspielende Kleider in Schwarz, Grau, Anthrazit, aber auch in Softeisfarben wie Mint, Babyrosa, helles Orange, Flieder, zartes Blau sowie reinem Weiß. Auch der Esprit von Giorgio Armani ließ grüßen. So prägten ungewöhnliche Schnittformen und eine edle monochrome Farbpalette zahlreiche Kreationen.

Ansonsten sah man querbeet, was die aktuelle Modeszene zu bieten hat: Neonfarben, Cut-Outs – raffinierte Löcher an Schultern, Rücken oder Arme. Aber auch Bäuche, Oberschenkel und verlängerter Rücken wurden mit dieser Technik verführerisch inszeniert. Selbst Hahnentrittdessin erlebte ein Comeback. Allerdings überdimensioniert auf Taschen, Rock und Blouson. Von den Rocklängen her war alles erlaubt – über lang, kurz bis knieumspielend. Auch bei den Schnitten war von eng über ballonartig bis hin zu weit flatternd alles vertreten.

Trendige Farbverläufe zeigten sich in absoluter Harmonie. Es waren weniger die grellen Farben, die auf sich aufmerksam machten. Auch wenn es da natürlich die ein oder andere Ausnahme gab. Pastelltöne waren in der Mehrheit, wenn es darum ging, fließende Farbverläufe stylisch zu präsentieren. Für einen gewissen Wow-Effekt sorgten Hosen aus weichen Stoffen, deren Säume in Schleppen ausliefen.

Selbst eine Art Klarsichtfolie zum Cape oder Rock verarbeitet, große Mengen an versteiftem Tüll als Cul de Paris beziehungsweise Kragen, Klöppelspitze am Revers, Streifen längs und quer, Statement-Shirts und -Jacken, als Straßenguerilleros vermummte Models im martialischen Outfit und überschnittene Schultern, die ein Heben der Arme unmöglich machten, gab es zu sehen. Auch die Obdachlosen-Szene setzte beim Thema „Trash of society“ modische Impulse in Form eines Kleiderbergs als Umhang für den Mann.

Und fiel ein Kleidungsstück tatsächlich total aus dem Rahmen, ein Blick auf die Sleek Hair des Models genügte - fertig war der Trend-Look. Oder um bei einem Arbeitstitel des Abends zu bleiben: Die „vierte Dimension“ stellt jedes Denken auf den Kopf – so wie die Mode.

Leserkommentare (0)