nach oben

Derivate-Debakel in Pforzheim

Die Wirtschaftskammer am Landgericht Frankfurt war bereits fürs Verfahren gegen J.P. Morgan zuständig.  PZ-Archiv
Die Wirtschaftskammer am Landgericht Frankfurt war bereits fürs Verfahren gegen J.P. Morgan zuständig. PZ-Archiv
12.07.2016

Hoffnung vor Derivate-Prozess - In Frankfurt geht um Haftung der Deutschen Bank für 19 Millionen Euro

Seit der Berichterstattung der PZ über diesen Termin vor sechs Wochen ist das Medieninteresse kontinuierlich gestiegen. Das Fernsehen und mehrere Zeitungen widmeten dem Verfahren große Beiträge. Am Mittwoch ist es so weit:

Vor den Wirtschaftsjuristen der zehnten Zivilkammer am Landgericht Frankfurt wird in einem respekteinflößenden Gebäude an der Gerichtsstraße die Delegation der Stadt Pforzheim auf Vertreter der Deutschen Bank treffen.

Prominente Delegation

Für die Stadt haben Oberbürgermeister Gert Hager, Rechtsamtsleiterin Andrea Hermesmeier, Organisationsamtsleiter Bernhard Enderes, Pressesprecher Philip Mukherjee sowie die Anwälte Christian Kirchberg und Marco Röder (Deubner & Kirchberg, Karlsruhe) die Fahrt zum Gericht geplant. Größe und prominente Besetzung der Gruppe spiegeln wider: Es geht um Bedeutsames.

Die Schadensersatz-Auseinandersetzung mit der Deutschen Bank im Pforzheimer Derivate-Debakel könnte sieben Jahre nach Bekanntwerden des 56-Millionen-Euro-Fiaskos einer Entscheidung entgegengehen. Die Stadt hatte sich vor anderthalb Jahren per Gemeinderatsbeschluss zu einer Zivilklage gegen das Bankhaus entschieden, um es ganz oder teilweise für den verbleibenden Schaden von rund 19 Millionen Euro haftbar zu machen, nachdem man sich mit der weiteren beteiligten Bank J.P. Morgan darauf geeinigt hatte, dass diese rund 37 Millionen Euro daran trägt.

Spekulative Zinsderivat-Geschäfte mit der Deutschen Bank aus dem Jahr 2005 waren der Auslöser von allem gewesen. Nachdem daraus Verluste in unbegrenzter Höhe drohten, hatte Pforzheim zur Absicherung weitere, spiegelbildliche Geschäfte mit J.P. Morgan abgeschlossen, aus denen die Verluste resultierten. Die Papiere der Deutschen Bank schlossen am Ende mit einem Gewinn von rund neun Millionen Euro. Eine Falschberatung der Deutschen Bank beim Abschluss sowie ein massiv gestörtes Vertrauensverhältnis zu diesem Bankhaus, als zwischenzeitlich die unbegrenzten Verluste drohten, habe aber alles Weitere nach sich gezogen, argumentiert die Stadt. Auch in ihrer Klageschrift für das jetzige Verfahren.

Entscheidung denkbar

Ob es sich dabei nur um eine Erörterung handelt oder das Gericht wie in der Auseinandersetzung mit J.P. Morgan vor Ort auf eine Einigung im Wege eines Vergleichs drängen wird, wie dies bei der Sitzung im Schadensersatz-Rechtsstreit mit J.P. Morgan im Dezember 2014 der Fall war, lässt sich kaum abschätzen.

Der auf dieses Jahr angesetzte Strafprozess im Derivate-Debakel gegen damalige Verantwortliche im Rathaus, vor allem Ex-Oberbürgermeisterin Christel Augenstein und die damalige Kämmerin Susanne Weishaar, aber auch Mitarbeiter von J.P. Morgan lässt weiter auf sich warten. Der Grund: Ein Richter fällt, wie berichtet, wegen eines Pflegefalls bis mindestens Frühjahr 2017 aus.

Leserkommentare (0)