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In der Johanna-Wittum-Schule wurden erhöhte Radium-Werte gemessen.
In der Johanna-Wittum-Schule wurden erhöhte Radium-Werte gemessen. © Ketterl/Archiv
20.11.2015

Hohe Radon-Werte in städtischen Gebäuden

Sehr frustriert“ und „zunehmend beunruhigt“, beschreibt Renate Martin-Seufert ihren Gemütszustand. „Ich bin als Schulleiterin doch für die Gesundheit der Schüler, der Lehrerinnen, des Hausmeisters und der Sekretärin verantwortlich“, sagt die Rektorin der Schlossparkschule.

Seit gut einem Jahr sind diese und auch einige Eltern in Sorge. Damals hatte die Stadt der Schule mitgeteilt, dass 2012 und 2013 deutlich zu viel Radon – ein krebserregendes Gas – in der Luft gemessen wurde. Es folgten die Aufforderung, mehr zu lüften, sowie weitere Messungen von Dezember 2014 bis Mai 2015. Und seitdem: nichts. „Auf unsere Frage nach den Ergebnissen erhalten wir keine Antwort“, sagt Martin-Seufert. Das Unternehmen, das die Untersuchungen vornahm, verweise an die Stadt. Diese ließ nach Angaben der Schulleiterin in den vergangenen sechs Wochen drei E-Mails unbeantwortet.

Seit Monaten im Unklaren

300 Becquerel pro Kubikmeter beträgt der Radon-Richtwert, auf den sich die EU-Kommission geeinigt hat. Als die Stadt vor gut drei Jahren an 215 Stellen in Kellerräumen der öffentlichen Gebäude den Wert messen ließ, lag dieser nach PZ-Informationen an 29 Stellen zwischen 300 und 1000, an acht zwischen 1000 und 3000 und an einer bei über 3000 Becquerel: am nordöstlichen Eck der Johanna-Wittum-Schule. An den elf weiteren Messstellen innerhalb des Schulzentrums lagen die Werte jedoch fast durchweg unter 300. In den sieben Gebäuden mit Werten über 1000 – den Rathäusern in Eutingen und Büchenbronn, dem Adolf-Haap-Haus, Inselreal-, Schlosspark-, Goldschmiede- und Johanna-Wittum-Schule – liefen bis zum Frühjahr Nachuntersuchungen.

Anders als Martin-Seufert zeigt sich die Rektorin der Johanna-Wittum-Schule, Margarete Schaefer, nicht besorgt. Die betroffene Stelle liege im Keller, wo sich keine Kinder aufhielten. „Man sagte uns, die Belastung liege im Rahmen.“ Gleiches gilt für Roland Weißer, Rektor der Inselrealschule: „Man hat uns erklärt, die Grenzwerte seien sehr niederschwellig.“ Er setze darauf, die Klassenräume vorsorglich gut zu lüften – ebenso die Angestellten in den Ortsverwaltungen. Die Mitarbeiter des Einwohnermeldeamts, das über dem kritischen Kellerareal liege, seien am stärksten betroffen, sagt Gabriele Rehm, Verwaltungsleiterin in Eutingen. Ihre Kollegin aus Büchenbronn, Ute Lattemann, erklärt: „Man hat uns versichert, dass für uns kein gesundheitliches Risiko besteht.“ Gleiches gilt für Cornelia Binder, Leiterin der Kita im Adolf-Haap-Haus: „Uns wurde nicht vermittelt, dass es Giftgase sind.“ Die Kellerräume werden weder in ihrer Einrichtung noch in den weiteren Häusern für den täglichen Betrieb genutzt. Je weiter oben man sich in einem Gebäude befindet, desto mehr hat sich das Gas in der Regel verflüchtigt. Die Ergebnisse der Nachmessungen, die wohl auch in Räumen über den betroffenen Kellerabschnitten vorgenommen wurden, liegen bislang keiner Einrichtung vor.

Im November waren Vertreter der sieben Standorte von der Stadt und den Gutachtern über die Ergebnisse der ersten Messungen informiert worden. „Hier besteht Handlungsbedarf“, teilte das Messbüro mit. Es folgten die Nachmessungen. Der Öffentlichkeit wurde davon nichts bekannt. „Schon durch mehr Lüften oder den Einbau von aktiven Lüftungsanlagen können die Werte gesenkt werden“, sagt Baubiologe Volkmar Hintze. Ob danach noch eine Sanierung notwendig ist, hänge von den Kontrollmessungen ab. Nur: Wie fielen diese in Pforzheim aus?

Marcel Michael Milbich, Leiter des zuständigen Gebäudemanagements, verweist an die Pressestelle der Stadt. „Die Ergebnisse liegen erst seit drei Wochen vor“, sagt Pressesprecher Michael Strohmayer. Warum dies so lange gedauert habe, kann er nicht beantworten. Fest steht aber: Beim Gebäudemanagement habe man seither keine Zeit gehabt, sich mit der Auswertung zu befassen. Zu gebunden seien die Mitarbeiter durch das Thema Flüchtlingsunterbringung. Das Gebäudemanagement müsse sich erst einmal mit den Ergebnissen auseinandersetzen, bevor man etwas zu diesen sagen könne, erklärt Strohmayer. Wann dies geschehen soll? „Zeitnah“, versichert der Pressesprecher.

Das dürfte Martin-Seufert freuen, die den bislang „schlechten Umgangsstil des Schulträgers mit den Schulen“ kritisiert: „Das Problem löst sich doch nicht in Luft auf, nur weil sich niemand mehr bei uns meldet.“

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