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04.10.2013

Hohe Strafen für „Enkeltrick“-Betrüger gefordert

Der Beginn des Fortsetzungstermins eines Verfahrens wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrugs gegen eine 37 Jahre alte Frau und ihren 38 Jahre alten Ehemann – beide hatten vor ihrer Verhaftung illegal in Pforzheim gelebt – verzögerte sich. Die aus Köln angereiste Romani-Dolmetscherin, die auf Antrag der Verteidigung des Angeklagten in der Verhandlung zwei Telefongespräche übersetzen sollte, verspätete sich.

Radek Z. (Namen geändert) bestritt nämlich, dass er bei den Betrügereien seiner Frau aktiv mitgemacht habe. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch vom Gegenteil überzeugt und will das auch anhand von zwei Fällen beweisen. Seine Frau Nadia Z. soll in 66 Fällen – davon 21 vollendet und 45 versucht – von ihrer Wohnung in Pforzheim aus Landsleute in Polen angerufen und sich mittels des so genannten „Enkeltricks“ über 60 000 Euro erschwindelt haben. Die Angeklagte hatte die Taten bereits während der Ermittlungen durch die Kriminalpolizei, die hierbei intensiv mit den polnischen Behörden zusammengearbeitet hatte, eingeräumt.

In den beiden Gesprächen, die im Verhandlungssaal noch einmal übersetzt wurden, da die bisherigen Versionen in den Polizeiakten etwas missverständlich waren, soll Radek Z. mit Geldabholern in Polen gesprochen haben. Direkt beauftragt hatte er die Abholer in den Anrufen nicht, detailliert geredet wurde aber über Verteilung der Beute nach der Abholung des Geldes bei den ahnungslosen Opfern des „Enkeltricks“. Bei dieser Art des Betrugs geben sich Anrufer – wie in dem Pforzheimer Fall Nadia Z. – als Verwandte aus und bitten die Angerufenen um Geld. Hierbei werden diese – meist ältere Menschen – massiv unter Druck gesetzt. Abholer vor Ort holen danach Bargeld, Schmuck oder Gold bei den Opfern ab.

Das Vorgehen der Bande um Nadia Z. und Radek Z. sei äußerst professionell und perfide gewesen, so Staatsanwalt Marco Mayer in seinem Plädoyer. Er sei auch überzeugt, dass es noch eine dritte Tatbeteiligte – mutmaßlich eine Familienangehörige – gebe, die Nadia Z. schützen wolle. Er vermute ebenso, dass Radek Z. viel umfangreicher an dem gewerbsmäßigen Bandenbetrug beteiligt gewesen sei, so Mayer. Wirklich nachweisen können man ihm eine Mitwirkung aber nur in zwei Fällen. Hierfür forderte der Staatsanwalt eine Strafe von zwei Jahren, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Zugunsten von Nadia Z. spreche ihr frühes und umfangreiches Geständnis, so Mayer. Wegen 21 vollendeter und 45 versuchter „Enkeltricks“ forderte der Vertreter der Anklage für sie eine Haftstrafe von 3 Jahren und 11 Monaten.

Weil der nierenkranke Angeklagte am Nachmittag zur Dialyse musste, wurde das Verfahren vor dem Schöffengericht unterbrochen. Die Plädoyers der Verteidiger sowie die Urteilsverkündung finden am kommenden Donnerstag, 10. Oktober um 13 Uhr statt.