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Doppelspitze für den Erfolg: die Geschäftsführer Gerhard Hötger (links) und Uwe Roßwag-Hofmann.
Doppelspitze für den Erfolg: die Geschäftsführer Gerhard Hötger (links) und Uwe Roßwag-Hofmann.
Bei Rezeptionistin Sabine Nagel (rechts) sind Gäste wie Bärbel Schulz in besten Händen. Foto: Seibel
Bei Rezeptionistin Sabine Nagel (rechts) sind Gäste wie Bärbel Schulz in besten Händen. Foto: Seibel
05.06.2017

Hohenwart Forum unter den 250 beliebtesten Tagungshotels bundesweit

Dass das Hohenwart Forum sich einmal so erfolgreich präsentieren würde, war nicht abzusehen, als die evangelische Landeskirche Baden das Tagungszentrum im Jahr 2000 abgestoßen hat. 1983 war das Gelände zwischen Wiesen und Waldrand an der Schönbornstraße eröffnet worden. Absehbar sinkende Kirchensteuereinnahmen sowie die Frage der Rentabilität hätten um die Jahrtausendwende dazu geführt, dass die Kirche das Forum schließen wollte.

Seither liegen die Geschicke der Einrichtung in den Händen zweier Firmen: der Hohenwart Forum GmbH unter Geschäftsführer Gerhard Hötger und der Hohenwart Forum – Bildung und Begegnung gGmbH unter Geschäftsführer und Pfarrer Uwe Roßwag-Hofmann. Hand in Hand haben sie ihr Projekt nun erstmals unter die 250 besten Tagungshotels Deutschlands gebracht. Pforzheims zweitgrößter Übernachtungsbetrieb, nach dem „Parkhotel“, das dort ebenfalls gelistet ist.

Der Weg dorthin war kein leichter. Das Forum, das sich auch durch seine Barrierefreiheit auszeichnet, gehört seit 2001 der evangelischen Kirche Pforzheim – doch kein Cent an Subventionen aus Steuermitteln fließt mehr. Zwei Standbeine mussten das Haus fortan tragen – der Hotelbetrieb sowie der Bildungs- und Veranstaltungsbereich. „Die ersten drei Jahre waren schwierig“, sagt Hötger. Bei 20 000 Übernachtungen sei der Betrieb damals am Limit gewesen. „Heute sind es 27 000 – und es geht noch mehr.“

„Im Grunde ist das Geheimnis des Erfolgs, für viele Gruppen attraktiv zu sein“, sagt er. Zehn Prozent der Belegungen werden durch eigene Veranstaltungen gedeckt. Knapp mehr als ein Viertel der Übernachtungsgäste in den 99 Zimmern mit 140 Betten kommt noch immer über die Kirche, aber auch zahlreiche andere Organisationen und Firmen tagen in Hohenwart. Vor allem die Industrie hat das abgelegene Forum für sich entdeckt: Hier besprechen sich Porsche, Daimler und Bosch neben lokalen mittelständischen Unternehmen und Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung. Hinzu kommen Buchungen für Familienfeiern und auch immer mehr Einzelgäste, die die Abgelegenheit und Ruhe inmitten der Natur suchen – oder bei Terminen in Stuttgart und Karlsruhe zur Übernachtung ins Umland ausweichen.

Zwang zur Wirtschaftlichkeit

Vor allem die Rahmenbedingungen wüssten die Gäste des Forums zu schätzen. Nachdenken im Grünen, auf den Terrassen, die an die 17 Tagungsräume angeschlossen sind, gutes Essen, freundliches Personal – „und der andere Charakter als in Business-Hotels“, sind es, auf die Roßwag-Hofmann setzt. Businesskunden schätzten die legere, persönliche Atmosphäre, die „von innen kommende Herzlichkeit“ des Personals und den „dezenten, kirchlichen Spirit“.

Verbessern und professionalisieren lautete das Motto der zurückliegenden Jahre. Vor allem für die Mitarbeiter habe der Wechsel in die Selbstständigkeit eine große Umstellung bedeutet, sagt Hötger, der die Geschäftsführung seit 2005 innehat. „Es gab den Zwang, wirtschaftlich zu arbeiten. Die Mitarbeiter wussten, sie können ihren Job nur behalten, wenn Gäste da sind, die zahlen – und wiederkommen.“ Die Folge: Ausdehnung der Frühstückszeiten und vor allem die Umstellung, dass sich über das Internet spontan neue Gäste für den selben Tag ankündigen. „Tagungsgäste kann man planen, Hotelgäste kommen plötzlich“, sagt Hötger. Es habe sich ein Mentalitätswechsel vollziehen müssen, hin zur Dienstleistung und Kundenorientierung.

Inzwischen ist das Hohenwart Forum aufgestellt wie ein normales Hotel: eingetragen beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, mit drei Sternen klassifiziert und auf allen gängigen Buchungsseiten im Internet zu finden. 365 Tage im Jahr werden Gäste von Fachpersonal umsorgt – 66 Personen auf 35 Stellen.

Lösen vom Investitionsstau

Während der Veranstaltungsbereich neben bewährten Konzepten wie den „ART-Gottesdiensten“ und Ausstellungen von Qigong bis zur Schulung in gewaltfreier Kommunikation und Veranstaltungen zur aktuellen politischen Lage enthält, hat sich auch baulich einiges verändert in den vergangenen 16 Jahren. Das neueste Glanzlicht: ein Tagungsraum für Video-Konferenzen. Man habe die Jahre genutzt, um eines „gewissen Investitionsstaus“ Herr zu werden – „wir sind dabei, uns davon zu lösen“, sagt Hötger.

Auch für die Freizeit ist gesorgt: Grillen, Bogenschießen oder Fackelwanderung – was ein Tagungshotel in der Stadt nicht bieten kann, soll hier Kollegen zu einem Team zusammenwachsen lassen. Es soll kein Stillstand einkehren im Hohenwart Forum, schon schmieden Hötger und Roßwag-Hofmann neue Pläne: Kreativräume sind ebenso im Gespräch wie ein Fitness-Pavillon mit Sauna. Und eine Baugenehmigung für eine Parkplatz-Erweiterung habe man falls nötig auch schon in der Tasche. Schließlich wollen sie es irgendwann nicht nur unter die Top 250, sondern unter die Top 20 der Tagungshotels in Deutschland schaffen.