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Das kannte man in Pforzheim so noch nicht: Uwe Hück bei der Ein-Mann-Kundgebung auf dem Marktplatz. Roller 

Hück im Wahlkampfmodus: laut und rund um die Uhr

In seinem Kommunalwahlkampf schaltet SPD-Spitzenkandidat Uwe Hück endgültig auf Stufe Rot. Am Samstagmittag gibt der 56-Jährige auf dem Marktplatz Gas wie zu besten Betriebsratszeiten, um es danach bis tief in die Nacht im „Revolutionsbüro“ an der Zerrennerstraße krachen zu lassen.

Dort schaut morgen, Dienstag, ein prominenter Gast vorbei: der Bundestagsabgeordnete und frühere Kanzlerkandidat Martin Schulz. Das zeigt, welch große Hoffnungen die SPD auf ihren Pforzheimer Wettkämpfer setzt, der sich auch gerne im Ring für die gute Sache durchboxt.

Markige Worte dröhnen am Samstag über den Marktplatz: „Wir werden Pforzheim als Gewinner hinterlassen“, schreit Hück ins Mikrofon. Und: „Sprechen allein nützt nichts, wir müssen auch was machen.“ Vor dem Neuen Rathaus auf einem der Steinquader steht der ehemalige Porsche-Betriebsratsvorsitzende und „Lautsprecher der Nation“, wie ihn einer der Zuhörer nennt. Vor Hück hat sich eine Menschentraube gebildet, darunter viele SPD-Gemeinderatskandidaten, Jugendliche mit Shirts von Hücks Lernstiftung und vereinzelte Vertreter anderer politischer Lager. Fotografen schießen Bilder, Journalisten kritzeln auf Zettel, ein Kamerateam hält drauf. Hück macht Kommunalwahlkampf mit klaren Ansagen. Ihn ärgere es, dass die Jugend in Pforzheim keine Zukunft habe, klagt er etwa: „Junge Leute sollen das Recht haben, eine Zukunft zu haben.“ Er spricht von Perspektiven, von Transformation, von einer Zeitenwende und von Werten wie Respekt, Anstand, Rücksichtnahme und Toleranz, die sich auch darin zeigten, dass ein Jüngerer einem Älteren im Bus den Sitzplatz anbiete.

Hück fordert unter anderem ein neues Verkehrskonzept, einen ehrlichen Umgang mit Investoren, die Einbeziehung der Bevölkerung in politische Entscheidungen, eine Abschaffung der „Neid-Diskussion“ – und mit Nachdruck das Ende von Parallelgesellschaften. Ans Grundgesetz müsse sich jeder halten – „egal, wo er herkommt“. Zugleich sagt Hück der Diskriminierung und der AfD den Kampf an. Mit allen Parteien wolle man im Rat zusammenarbeiten – außer mit der AfD. „Populismus brauchen wir nicht“, ruft Hück: „Konstruktive Konzepte“ seien gefragt. Aussagen, für die es viel Applaus gibt. Als er fertig ist, klettert Annkathrin Wulff auf den Steinquader. Die Kandidatin auf Listenplatz zwei hat die ganze Zeit scheigend neben ihm gestanden. Jetzt dankt sie Hück für seine „tolle, tolle Rede“ und kündigt an, viele Kandidaten stünden für Gespräche zur Verfügung: „Uns allen ist es ein wichtiges Anliegen, uns für Sie und Pforzheim einzusetzen.“

Quasi eine vorgezogene Wahlparty startet dann am Abend im „Revolutionsbüro“. Bis 4 Uhr wird gefeiert – am Anfang sind etliche Stadträte unter den rund 50 Gästen, später tummeln sich vor allem junge Leute um Hück. Der Tischkicker läuft heiß, die Stimmung ist prächtig. „Wir wachen über Pforzheim“, sagt Hück, man wolle ja die Revolution nicht verschlafen. Deshalb steht man am morgigen Dienstag früh auf: Um 9 Uhr kommt Schulz, Ex-Präsident des Europaparlaments, zum politischen Frühstück, um Pforzheims SPD und Europakandidat Paul Renner zu unterstützen.