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Haben viel vor: Schatzmeisterin Argiro Tsouka, stellvertretender Bundesvorsitzender Uwe Hück, Landesvorsitzender Petros Apostolou und seine beiden Stellvertreter Frank Steinle und Peter Schroth (von links). 

Hücks Bürgerbewegung gründet ersten Landesverband - Partei fusioniert mit Liste Eltern Deutschland

Neuhausen auf den Fildern. Selbstbewusst treten sie auf, mit großen Zielen und klaren Forderungen. Die Mitglieder der Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel wollen eine Alternative zu den etablierten Parteien sein, eine Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft, nah dran an den Menschen. Nachdem die bunt gemischte Gruppe um Uwe Hück vor vier Wochen in Pforzheim offiziell aus der Taufe gehoben worden war, hat sie am Samstag zwei weitere große Schritte auf ihrem Weg zur geplanten Kandidatur bei der Bundestagswahl im September genommen: Im Saal eines Gasthauses in Neuhausen auf den Fildern wurde ein Landesverband für Baden-Württemberg gegründet – und die Fusion mit der Liste Eltern Deutschland beschlossen, einer Kleinpartei mit aktuell zehn Mitgliedern, für die Andreas Kubisch im Pforzheimer Gemeinderat sitzt.

Künftig will er dort die Interessen der Bürgerbewegung vertreten – nicht allein, sondern zusammen mit dem ehemaligen SPD-Mann Hück.

„Bevor wir jeder eine Einzelaktion machen, tun wir uns zusammen“, erklärt Kubisch.

Hück sieht viele Schnittstellen und sagt, sie hätten denselben Gedanken gehabt: Das Volk zu stärken. Ein Begriff, der immer wieder fällt bei der Parteiversammlung, die in historischem Ambiente stattfindet. „Wir sind die Lautsprecher derer, die jahrelang nichts sagen durften“, erklärt Hück, den die Mitglieder vor vier Wochen neben Christoph Mährlein zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt hatten. Er will mehr direkte Demokratie, „ein System wie in der Schweiz“.

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Parteiversammlung in historischem Ambiente: In einem Gasthaus in Neuhausen auf den Fildern tagte die Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel.

Ein Beispiel: Er hätte die Menschen darüber abstimmen lassen, ob kleine Läden in der Corona-Krise geschlossen werden müssen. Für ihn ist das nicht nachvollziehbar, wenn gleichzeitig Hunderte zusammen Zug fahren dürfen. Hück spricht von Doppelmoral. Das Parlament in Berlin könnte man aus seiner Sicht in Kurzarbeit schicken: Derzeit würden ohnehin „16 Fürsten und eine Tante beschließen, was für 80 Millionen Menschen wichtig ist“. In seiner Rede holt Hück zum verbalen Rundumschlag aus, sagt, dass Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein dürfe und Integration nichts „mit Spätzle und Soße“ zu tun habe: Deutsch lernen und das Grundgesetz akzeptieren – darum gehe es.

„Wir nehmen jeden gerne auf, aber bitte nach den Spielregeln.“

Wenn er sich gegen den Verkauf von Sozialwohnungen und die Privatisierung der Krankenhäuser positioniert, wird Hück lauter: Es scheint ihn wirklich zu ärgern. Viele Politiker seien schon zu lange in den Parlamenten und hätten den Bezug zu den Menschen verloren, meint der ehemalige Porsche-Betriebsratschef. Ein Vorwurf, den an diesem Samstag auch viele andere erheben. „Die Bürger müssen gehört werden“, sagt Petros Apostolou, den die anwesenden Mitglieder zum Vorsitzenden des Landesverbands wählen. Der Unternehmer ist hauptsächlich in der Sicherheitsbranche tätig und will mehr Transparenz und Ehrlichkeit in die Politik bringen. Umweltschutz ist ihm wichtig, aber nicht mehr oder weniger als die Wirtschaft.

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Pforzheim

Ex-Genosse Hück attestiert SPD „Bedeutungslosigkeit“

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Pforzheim+

„Wollen Volkspartei werden“ - Partei von Hück und Co wird am Samstag offiziell gegründet

Seine Stellvertreter im Landesvorstand sind Peter Schroth und Frank Steinle. Während letzterer seine Vorstellungsrede kurz hält und die mangelnde Unterstützung des Ehrenamts beklagt, referiert Schroth minutenlang eine ganze Reihe politischer Ziele, fordert unter anderem ein Rentensystem für alle „vom Bundespräsidenten bis zur Putzfrau“, höhere Steuern auf Spitzengehälter bei gleichzeitiger Entlastung niedriger Einkommen und einen Abbau von Bürokratie. Von den Anwesenden erhält er dafür viel Applaus. Auch in Neuhausen auf den Fildern herrscht Aufbruchstimmung. Nach der Gründung des Landesverbands will die Bürgerbewegung in die Breite gehen und Kreisverbände gründen. Laut Hück soll der für Pforzheim und den Enzkreis schon in den nächsten zwei Wochen kommen. Auch in weiteren Bundesländern will man Fuß fassen. In Hamburg bereitet derzeit Christoph Mährlein die Gründung eines Landesverbands vor. Der Rechtsanwalt ist zugleich der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl und soll der Bürgerbewegung im September zum Einzug ins Parlament verhelfen. Hück hält einen Stimmenanteil zwischen vier und acht Prozent für realistisch.