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Es gibt Türsteher mit IHK-Lizenz und es gibt Türsteher-Cliquen, wie die United Tribuns, die sich mit anderen Gruppen wie den Hells Angels oder den Black Jackets um das profitable Geschäft an den Discotheken-Türen streiten. © dpa
23.04.2011

IHK vergibt Türsteher-Lizenz jenseits der Mitgliedschaft bei Hells Angels oder United Tribuns

PFORZHEIM. Flughäfen, Bahnhöfe, Shoppingzentren – überall wo viele Menschen aufeinander treffen, sind Sicherheitskräfte gefragt. Das ist in Diskotheken nicht anders. Hier heißen die Sicherheitskräfte schlicht Türsteher. Oft sind das die Riesen mit einem Kreuz in Kleiderschrankbreite und Oberarmen so dick wie die Fußballspieler-Oberschenkel. In jüngster Zeit aber ist die Zunft dieser Muskelpakete ins Gerede gekommen. So war in Pforzheim von einem Türsteher-Krieg die Rede, der in einer Massenschlägerei mit Messerstecherei und Schusswechsel zwischen Mitgliedern der Hells Angels und der United Tribuns mündete. Eventuell sind auch die Schüsse aus einer Maschinenpistole in Richtung Eingangsbereich des Musikparks Teil dieser Auseinandersetzung im Türsteher-Milieu.

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Hells Angels, United Tribuns, Black Jakcets – in diesem Wirtschaftsbereich tummeln sich viele Cliquen mit zweifelhaftem Ruf. Pforzheim ist da kein Einzelfall. So hat jüngst nach wochenlangen Ermittlungen im Türsteher-Milieu die Polizei in Rottweil einen Brandanschlag auf das Clubheim der United Tribunes aufgeklärt. Sieben Mitglieder der Bande Black Jackets hätten den Anschlag gestanden, fünf von ihnen sitzen wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Die Täter waren mit einem Kleinwagen vorgefahren und hatten mehrere brennende Molotow-Cocktails gegen das Gebäude geworfen. Ein Brandsatz durchschlug das Fenster und setzte den Clubraum in Brand.

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Bleibt die Frage, wer solches Personal aus diesen Türsteher-Cliquen eigentlich einstellt und warum. Dabei gibt es durchaus Türsteher, die nicht nur dicke Arme, sondern auch eine offizielle Lizenz zur Ausübung ihres Berufes haben. Und wer zum Beispiel bei der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald diese Lizenz erhalten will, muss unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen.

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Doch welche Voraussetzungen werden überhaupt benötigt, um im Sicherheitsgewerbe Fuß zu fassen? Türsteher müssen Kurse rund um die Themen Gewalt, Recht und Umgang mit Menschen besuchen. "Insbesondere der Paragraph 34 wird darin ausführlich beleuchtet", sagt Markus Fesenmeier, Ausbilder an der "Schule für Sicherheit" in Karlsruhe. Denn auch Türsteher dürfen nur in Notwehr-Situationen Gewalt anwenden.

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Nach Abschluss der Schulungen stehen mündliche und schriftliche Prüfungen an. Erst beim erfolgreichen Absolvieren dürfen die Sicherheitskräfte mit ihrer Lizenz aktiv in der Branche arbeiten. Es sei denn, ein Gastronom verzichtet auf das geschulte Personal und engagiert Türsteher von Cliquen wie etwa die United Tribuns oder die Hells Angels.

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Türsteher üben das Hausrecht aus – allerdings beschränkt auf die Grundstücksgrenzen. Sie sollen zum einen verhindern, dass unerwünschte Personen das Lokal betreten (Personenkontrollen dürfen sie aber nicht erzwingen), zum anderen sollen sie darauf achten, dass keine Waffen oder Drogen in die Diskothek geschmuggelt werden. Das ist der Idealfall. Türsteher können aber auch – im negativen Fall – steuern, wer welche Dinge ins Lokal einschleusen darf.

Hier beginnen dann die dunklen Geschäfte, die solch einen Job unter Umständen sehr lukrativ machen können. Und eines dürfte klar sein: Wenn sich Mitglieder von Rocker- und Türsteher-Cliquen gegenseitig umzubringen versuchen, kann es sich nicht bloß um eine Meinungsverschiedenheit unter „echten Kerlen“ handeln. Das weiß auch die Polizei, die in den vergangenen Monaten in Pforzheim (Hells Angels und United Tribuns) wie in anderen Städten Deutschlands auch mit Razzien bei den Bandenmitgliedern Druck auf die Vereinigungen gemacht hat. tok

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