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50 Jahre lang wurden an der Kleiststraße 2 Rinder und Schweine geschlachtet – zuletzt waren nur noch die Amtstierärzte hier ansässig.  Seibel/Archiv
50 Jahre lang wurden an der Kleiststraße 2 Rinder und Schweine geschlachtet – zuletzt waren nur noch die Amtstierärzte hier ansässig. Seibel/Archiv
Siegfried Rempfer leitet das Veterinäramt.
Siegfried Rempfer leitet das Veterinäramt.
08.11.2015

Im Schlachthof gehen die letzten Lichter aus

Was wird aus dem Schlachthof an der Kleiststraße im Osten der Stadt? Die Frage stellte sich nicht nur nach 2003, als eine knapp 50-jährige Tradition zu Ende ging, weil das Schlachtunternehmen Emil Färber nach Bretten ging – und die Gerätschaften samt Bauplänen nach Rumänien.

Sozusagen „Stallwache“ hielten Siegfried Rempfer und seine Truppe: dreieinhalb Veterinärstellen, zweieinhalb Verwaltungskräfte und vier Lebensmittelkontrolleure. Am Montag ziehen sie um – an die Heinrich-Witzenmann-Straße ins Brötzinger Tal, in moderne Räumlichkeiten.

Und wieder stellt sich die Frage: Was nun?

„Für das ziemlich marode Gebäude gibt es noch keine Überlegungen. Eigentlich sollte der alte Schlachthof wegen seines schlechten Zustandes abgebrochen werden. Derzeit sei kein Geld dafür im Haushalt“, sagt der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer auf PZ-Anfrage. Nach Informationen der „Pforzheimer Zeitung“ gehörte auch der Schlachthof zu den Immobilien, die dem Gebäudemanagement angeboten wurden bei der Suche der Stadt nach geeigneten Flüchtlingsunterkünften. Man lehnte dankend ab – damals. Doch vor dem Hintergrund, dass Pforzheim immer mehr Asylsuchende zugewiesen werden, in größeren Einheiten gedacht wird als geplant (Thales, ehemaliges Trudpert-Krankenhaus) und jüngst wie Sozialbürgermeisterin Monika Müller auch die CDU einen Strategiewechsel fordert (die PZ berichtete), könnte auch der Schlachthof wieder eine Alternative werden, wie inoffiziell spekuliert wird. Noch aus Schlachthofzeiten vorhanden sind Apparaturen wie Notstromaggregat, eine gewaltige Kühlanlage und der Sicherungskasten vorhanden, ebenso Toiletten, zumindest im westlichen Teil des Gebäudekomplexes, wo Rempfer und seine Kollegen bisher untergebracht waren.

Ansonsten werden in den Räumen, in denen früher Schweine gekeult und Rinder den Weg allen Fleisches gingen, Hunderte von Mülltonnen der Technischen Dienste mit roten und blauen Deckeln sowie neu beschaffte Möbeln für die noch einzurichtenden Flüchtlingsunterkünfte gelagert. In den östlich gelegenen Räumen trainieren noch Hundeführer der Polizeihundestaffeln mit ihren Vierbeinern.

Rempfer hat ein mulmiges Gefühl beim Auszug – weiß er doch um den Reiz des Verbotenen einer maroden Immobilie. Sei es die verfallene ehemalige Pferdeklinik der französischen Streitkräfte in der Buckenbergkaserne im westlichen Teil des Neubaugebiets Tiergarten. Oder das ehemalige ZG-Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs. „Da gehen bereits am hellichten Tag Kinder mit der Eisenstange hin und zerdeppern die Scheiben“, weiß Rempfer aus eigener Anschauung.

Als „Noch-Hausherr“ des alten Schlachthofs hat er regelmäßig kontrolliert, wo ein paar Kinder oder Jugendliche immer mal wieder versucht hatten, durch irgendeine Öffnung ins Innere zu gelangen. Einmal hat er Jugendliche mit einem Fünf-Liter-Kanister Benzin erwischt – eine plausible Erklärung hatten sie dafür nicht. „Ich habe den Schlachthof wie meinen Augapfel gehütet“, sagt Rempfer. Das ist ab heute Vergangenheit.

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