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Gerda Warsow fertigt im Seniorenheim gerne Schmuck.  Foto: Fux 

Im hohen Alter fit am PC: Pforzheimerin Gerda Warsow blickt auf ein Jahrhundert zurück

Pforzheim. Gerda Warsow feiert am Montag in der Seniorenresidenz „Goldene Pforte“ ihren 100. Geburtstag. Die Jubilarin ist geistig topfit und wünschte sich vor neun Jahren – damals war sie bereits 91 Jahre alt – noch einen eigenen Computer. Sie begann am PC ihre Memoiren aufzuschreiben und sitzt auch gerne für Computerspiele am Schreibtisch.

Früher hat die 100-jährige in Pforzheim in der Schmuckherstellung gearbeitet. Da verwundert es auch nicht, dass sie in der Seniorenresidenz mit Begeisterung Halsketten und Armbänder herstellt.

Auch für die Corona-Einschränkungen hat die Jubilarin, die ursprünglich aus Pommern stammt und dort am 31. August 1920 geboren wurde, vollstes Verständnis. Gerda Warsow ist bis heute eine Frau, die nicht klagt, sondern gerne selbst anpackt, auch wenn sie derzeit aufgrund eines Sturzes körperlich etwas eingeschränkt ist. Schon in jungen Jahren während des Zweiten Weltkriegs kämpfte sie sich durch, wurde vertrieben und flüchtete mit einem Kind über Thüringen bis nach Schleswig-Holstein, wo sie ihre Mutter mit den beiden anderen Kindern wiedertraf. 1947 kehrte ihr Mann Erich aus der Kriegsgefangenschaft zurück und sie erkrankte an Tuberkulose. Doch das Paar ließ sich nicht unterkriegen und zog 1958 arbeitsbedingt nach Pforzheim. Zur Familie gehörten vier Kinder, um die sich Gerda Warsow genauso liebevoll kümmerte wie um ein gemütliches Zuhause.

Arbeit in Pforzheimer Schmuckwarenfabrik

Als der Nachwuchs größer war, arbeitete die engagierte Frau bis ins Rentenalter in einer Pforzheimer Schmuckwarenfabrik. 2007 verstarb ihr Mann. Bis 2013 führte Gerda Warsow ihren eigenen Haushalt und entschied sich schließlich für den Umzug in ein Seniorenheim. Sie wählte die „Goldene Pforte“ in Pforzheim selbst aus, wo sie von Familie und Bekannten regelmäßig besucht wird, beim Pflegepersonal sehr beliebt ist und die Körperpflege und noch vieles gerne selbst übernimmt.

Sohn Roland, der mit seiner Familie in Besigheim lebt, schaute vor Corona zweimal in der Woche mit seinen Angehörigen bei seiner Mutter vorbei. „Coronabedingt ist nun leider nur noch einmal in der Woche möglich“, bedauert er. Glücklicherweise fällt der 100. Geburtstag seiner Mutter auf einen Montag, was ohnehin der persönliche Besuchstag seiner Familie ist.

„Meine Mutter ist immer für die Belange anderer da, versteht die Probleme und stellt ihre eigenen Ansprüche zurück“, sagt Sohn Roland Warsow, der noch eine Schwester hat.

Aufgrund der Pandemie wird das Jahrhundert, das seine Mutter heute vollmacht, im Seniorenheim nur im kleinen Kreis gefeiert und auf einen Besuch im Restaurant verzichtet. Zur Familie von Gerda Warsow gehören nicht nur Sohn Roland und seine Schwester Regina mit Familien, sondern noch weitere Angehörige, darunter sechs Enkelkinder.