760_0900_117797_IMG_5875.jpg
Trotz Hitze führt Olaf Schulze die Teilnehmer im historischen Kostüm durch Pforzheim.  Foto: Meister 

Im originalgetreuen Kostüm durch Pforzheim: Olaf Schulze zeigt Leben von Johannes Reuchlin auf

Pforzheim. „Salve“, ruft es über den Marktplatz. Ganz in der Gelehrtensprache des Mittelalters stimmt Olaf Schulze die Teilnehmer ein. Schulze hat es sich trotz der tropischen Temperaturen nicht nehmen lassen, in das originalgetreue Reuchlin-Kostüm zu schlüpfen und einen Einblick in das Leben des Humanisten zu geben.

Begabtes Kind

Zunächst machte Schulze auf die Kindheit von Johannes Reuchlin aufmerksam. Sein Vater Georg Reuchlin war Verwalter im Dominikanerkloster St. Stephan und er selbst besuchte die Lateinschule. „Es wurde ausschließlich Latein gesprochen und wer sich nicht daran hielt, musste eine Eselmütze tragen oder mit Schlägen rechnen“, stellte Schulze klar. Zwar sei Reuchlin ein begabtes Kind gewesen aber längst nicht so begabt, wie Philipp Melanchthon, der bereits mit neun Jahren Griechisch sprach.

Weiter ging Schulze auf die Beweggründe für die Stadtgründung Pforzheims ein und die historischen Bedeutungen einiger Straßen. So haben Straßen wie die Blumengasse oder die Lammgasse ihren Namen von den dortigen Gasthäusern erhalten. Adler, Löwe oder das Kreuz stehen für christliche Symbole und dienten deshalb als Namensgeber. In der Höllgasse gab es laut Schulze Mysterienspiele, bei denen die „armen Seelen aus dem Fegefeuer herausgeholt wurden“.

Informativ und spielerisch

An der Barfüßerkirche verdeutlichte er das Leben des Franziskanerordens und dass die Ordensträger an den Füßen lediglich Sandalen trugen. „Anders als viele andere Orden wollten die Franziskaner das Wort Gottes in der jeweiligen Landesssprache in die Städte bringen“, erklärte Schulze. Mit Sebastian Münster hatte der Orden ein bekanntes Mitglied, das später den 50-Mark-Schein zierte. Dagegen ist die Rolle von Jakob Sprenger als Inquisitor bis heute umstritten.

Seinen Fokus hat Reuchlin in die geistige Entwicklung gelegt. Er studierte in Freiburg, Basel und an der Sorbonne. Reuchlin wollte laut Schulze vor allem zu den Quellen der Weisheit finden und lernte daher die griechische Sprache. An der Sorbonne schrieb er für reiche Studenten Texte und verdiente sich einige Gulden. Später arbeitete er als weltlicher Jurist. Den württembergischen Eberhard im Bart begleitete er nach Italien und lernte die dortigen Städte und Lebensweise kennen. Nach dem Tod Eberhards im Februar 1496 flüchtete er nach Heidelberg, kehrte zwei Jahre später zurück und wurde Richter des Schwäbischen Bundes.

Informativ, spielerisch und mit Originalquellen legte Schulze die Künste von Reuchlin im Schreiben von Literatur und Theaterstücken dar. Hierbei hat sich Reuchlin nicht nur den guten Seiten der Menschen gewidmet, sondern zeigte ihnen in seinen Werken den Spiegel auf.