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Betteln mit Knd - viele Menschen ärgern sich darüber, wenn Kinder als Mittel zum Zweck eingesetzt werden, um das Almosenaufkommen zu erhöhen. Bandenmäßig organisierte Bettelei ist auf dem Vormarsch.
Betteln mit Knd - viele Menschen ärgern sich darüber, wenn Kinder als Mittel zum Zweck eingesetzt werden, um das Almosenaufkommen zu erhöhen. Bandenmäßig organisierte Bettelei ist auf dem Vormarsch. © dpa
22.09.2016

Immer mehr Bettelbanden im Südwesten - Pforzheim setzt auf Platzverweise

In vielen Städten im Südwesten wächst die Zahl der Bettler auf den Straßen. Meist handelt es sich nicht um einzelne Menschen, sondern um gut organisierte Banden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Deren Mitglieder kommen demnach oft aus osteuropäischen Ländern, und ihr Vorgehen wird aggressiver. In Pforzheimk setzt man vor allem auf Platzverweise.

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Das ist auch ein Grund dafür, dass Anwohner und Ladeninhaber sich häufiger beschweren. Die Polizei reagiert mit deutlich mehr Streifen und Kontrollen in den Innenstädten. Es ist verboten, Passanten direkt anzusprechen, sich ihnen in den Weg zu stellen oder Bilder von vermeintlich kranken Angehörigen zu zeigen. Auch Kinder oder Tiere dürfen nicht eingesetzt werden, um zusätzlich Mitleid zu erregen. Im Gegensatz dazu ist das «stumme Betteln» grundsätzlich erlaubt.

Besonders hart geht Nürnberg gegen aggressive und organisierte Bettler vor: Die Stadt verhängt nach einer Anzeige in der Regel Geldbußen zwischen 50 und 550 Euro. Wer nicht zahlt, könne in Erzwingungshaft kommen, erklärte eine Polizeisprecherin. PZ-news hat in den großen Städten in Baden-Württemberg nachgefragt.

In PFORZHEIM setzt man vor allem auf das Mittel des Platzverweises. Den gibt es, so Wolfgang Raff, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung in Pforzheim, für aggressives Betteln, wenn Passanten direkt angesprochen, verfolgt oder beleidigt werden. Bürger würden sich aber auch zunehmend über Werber beschweren, die besonders zudringlich eine Unterschrift einfordern würden. Bei den Straßenmusikanten müsse man das lockerer sehen. Die hätten fast immer eine Sondernutzungserlaubnis. Für die musikalische Qualität aber bürge die Erlaubnis nicht, man mache ja im Ordnungsamt „kein Casting“, so Raff. Ein Polizeisprecher des für Pforzheim zuständigen Polizeipräsidiums Karlsruhe verwies darauf, dass Betteln eigentlich erlaubt sei, nur eben nicht gewerbsmäßig oder mit aggressiver Ansprache. Er erinnert sich an einen Fall, an dem Polizisten einen Bus angehalten haben, in dem lauter Bettler saßen. Alle waren für ihr „Handwerk“ bekannt, alle kamen aus einem rumänischen Dorf und zusammen hatten sie einen sehr hohen vierstelligen Geldbetrag bei sich. Das Bettelgeld wurde beschlagnahmt, die Heimfahrt durfte fortgesetzt werden.

STUTTGART geht seit Mai mit Sonderstreifen gegen aggressives Betteln vor. Vier zusätzliche Mitarbeiter des Städtischen Vollzugsdienstes sind im Einsatz. Vor allem der Schlossgarten neben dem Hauptbahnhof und die zentral gelegene Königstraße waren zuvor stark betroffen. Es gibt zwar keine offizielle Statistik, allerdings wurden nach Angaben der Stadt schon mehr als hundert Platzverweise für jeweils 24 Stunden erteilt. Bei Stadt und Polizei werde die Aktion als Erfolg gewertet, sagte ein Sprecher. Das Betteln in der Innenstadt ist seit Beginn der Aktion spürbar zurückgegangen.

In KARLSRUHE steigt die Zahl der Bettelnden nach Angaben des Ordnungs- und Bürgeramtes schon seit Jahren. Im Bereich der Innenstadt (Kaiserstraße) sitzen durchschnittlich sechs bis acht, an manchen Tagen auch 15 und mehr Personen. Der Kommunale Ordnungsdienst sei jeden Tag präsent und kontrolliere auch die Bettelnden. Durch die verstärkten Kontrollen würden allerdings auch die organisierten Bettelbanden sensibilisiert. Diese verhielten sich dann unauffällig oder warnten sich gegenseitig.

In FREIBURG gibt es zusätzliche Kontrollen, außerdem wird versucht, die Hintermänner zu ermitteln. Die Behörden reagieren damit nach eigener Aussage auf zahlreiche Beschwerden von Bürgern und Einzelhändlern: «Die Menschen fühlen sich belästigt und bedrängt.» Vor allem in der Touristensaison und während des Weihnachtsmarktes komme es verstärkt zu illegalem Betteln. Die Stadt ruft dazu auf, den Bettlern kein Geld zu geben, da es meist in dunkle Kanäle und nicht, wie angegeben, in soziale Zwecke fließe.

KONSTANZ geht davon aus, dass die Anzahl der auswärtigen Bettler zugenommen hat. Allein bis Juli 2016 seien 141 Ordnungswidrigkeiten verfolgt worden, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Im gesamten Vorjahr seien es 212 Fälle gewesen, 2014 waren es 117. Die Polizei in Konstanz stellt außerdem Strafanzeigen, wenn beim Betteln eine körperliche Behinderung vorgetäuscht wird.

In MANNHEIM erklärte der Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung der Stadt, Klaus Eberle, dass viele Bettler nicht an festen Plätzen säßen. Stattdessen seien sie mit dem Strom der Passanten unterwegs. Organisiertes und aufdringliches Betteln sei vor allem in der Innenstadt und in nahegelegenen Stadtteilen ein Problem. «Einzelhändler und Gastronomen rund um den Hauptbahnhof beschwerten sich, ebenso Bürger und Gewerbetreibende, über Zustände in den Fußgängerzonen der Innenstadt», sagte Eberle. Stadt und Polizei gehen mit gezielten Aktionen wie beispielsweise der Räumung von Bettenlagern gegen Bettler vor.

Auch HEIDELBERG und ULM haben mit einem Anstieg zu kämpfen. Allein in Ulm hat es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 150 Platzverweise gegen Bettler gegeben. «Der Bevölkerung kann man nur raten, bei einer offensiven Form des Bettelns nichts zu geben. Das kommt in der Regel nicht bei den Menschen an, die es wirklich bräuchten», sagte ein Sprecher der Stadt Heidelberg.

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