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Viele Pflanzen wachsen zwischen Buntsandsteinen, vor denen Ralf Schreck, Christof Hilligardt und Andreas Missenhardt (von links) stehen.  Foto: Roller 

In Deutschland einzigartig - Seit einem Jahr gärtnergepflegtes Naturgräberfeld auf dem Büchenbronner Friedhof

Pforzheim-Büchenbronn. Überall summt, brummt und zirpt es. Ein Grünspecht fliegt in den Ahornbaum, ein Falke über das Gelände hinweg. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge landen auf den Blumen, die auf der grünen Wiese wachsen. Das gärtnergepflegte Naturgräberfeld auf dem Büchenbronner Friedhof bietet seit rund einem Jahr nicht nur die Möglichkeit zur würdevollen Bestattung, sondern auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Angelegt haben es die Friedhofsgärtnereien Hilligardt, Schäfer und Vollmer zusammen mit den Steinmetzbetrieben Andreas Missenhardt und Eugen Martin – in enger Abstimmung mit der Pforzheimer Friedhofsverwaltung, der Büchenbronner Ortsverwaltung und der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner. „Es ist nicht selbstverständlich, dass so etwas verwirklicht werden kann“, sagt Ralf Schreck. Der Gartenbauingenieur ist bei der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner für Grabkon-trollen zuständig, er leitet den Gartenbaubedarfshandel Baden (GBB) und engagiert sich in seiner Heimatgemeinde Eggen-stein-Leopoldshafen in der Agenda-Gruppe Umwelt. Bei der Erstellung des Büchenbronner Naturgrabfelds hat er beraten und dokumentiert. „Friedhöfe sind Flächen, die eh da sind“, sagt Schreck, als er am Sonntagvormittag einige Interessierte über das Gelände führt: „Da spielt sich schon immer Natur ab.“

Im Eingangsbereich steht Efeu: ein Symbol für Unsterblichkeit und als Nahrungsquelle nicht nur für Vögel wichtig, sondern auch für Insekten, vor allem für Bienen. Nicht weit entfernt wachsen Mohn, Storchschnabel, Perlkörbchen, fette Henne, Prachtkerzen und Aster. Auch der Speierling ist auf dem Naturgrabfeld zu finden. „Ein toller Baum“, sagt Schreck und erklärt, dass er ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stamme, im Mittelalter in die Klostergärten gekommen sei und sich von dort weiter ausgebreitet habe. Seine Früchte sind erst genießbar, wenn sie sich bräunlich verfärben. Weil sie gern vom Wild gefressen werden, funktioniert die Naturverjüngung im Wald nicht. Nicht weit vom Speierling entfernt steht eine Trockenmauer, laut Schreck „ein schöner Lebensraum“ für Eidechsen. Auch Holzpolter, einen Trockenbachlauf und Sitzbänke hat man in das Areal integriert. Ein Pflegekonzept zu entwickeln, sei eine Herausforderung, sagt Schreck, denn: „Jeder Vegetationsverlauf in jedem Jahr ist anders.“ Deswegen brauche es Fingerspitzengefühl. Es gelte zu beobachten, was überhand nehme und dann gegebenenfalls zu entfernen sei.

Eingeweiht wurde das neue Grabfeld im September vorigen Jahres. 13 Bestattungen haben dort laut Christof Hilligardt von der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei schon stattgefunden. Zudem gebe es einige Vorerwerbsflächen. „Für uns war das auch etwas Neues“, sagt Hilligardt und betont, es handle sich um eine in Deutschland einzigartige Anlage.