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Referentin und Gastgeber, von links: Klara Deecke (Leiterin Stadtarchiv), Florentine Schmidtmann, Claus Kuge (Obermeister Löbliche Singer), Birgit Kipfer (Stiftungsvorsitzende DDR-Museum – Lernort der Demokratie Pforzheim) und Volker Römer (Vorsitzender Verein „Gegen das Vergessen“). Foto: Frei
Referentin und Gastgeber, von links: Klara Deecke (Leiterin Stadtarchiv), Florentine Schmidtmann, Claus Kuge (Obermeister Löbliche Singer), Birgit Kipfer (Stiftungsvorsitzende DDR-Museum – Lernort der Demokratie Pforzheim) und Volker Römer (Vorsitzender Verein „Gegen das Vergessen“). Foto: Frei
12.06.2018

In Pforzheim angekommen: Doktorarbeit befasst sich mit der Aufnahme von DDR-Flüchlingen

Pforzheim. Die Veröffentlichung „Die große Wanderung. 33 Markierungen“ hatte schon vor bald 25 Jahren (1994) für Aufsehen gesorgt, als der Publizist Hans Magnus Enzensberger sich unter anderem mit dem Thema „Asyl“ befasste.

Claus Kuge, Obermeister der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim, die die Reihe „Montagabend im Archiv“ angeregt hatte, verwies zur Einführung des Vortrags von Florentine Schmidtmann „Pforzheim – Eine Stadt des Ankommens: Aufnahmelager und Wohnraum für DDR-Flüchtlinge in der Nachkriegszeit“ auf den „großen Denker“, für den damals schon der Asyl-Begriff für „Konfusion“ gesorgt habe – mal werde von „echten Asylsuchenden“ gesprochen, die ihre Heimat wegen Verfolgung verlassen, und von anderen, die aus wirtschaftlichen Gründen hierher kämen.

Kuge, Sohn eines aus Schlesien stammenden Vaters und einer Badnerin, sei in seiner Jugend (aufgewachsen in Kornwestheim und Ludwigsburg) selbst als „Flüchtlingskind“ bezeichnet worden. Dabei seien nach dem Zweiten Weltkrieg zwölf Millionen Menschen als Vertriebene und Flüchtlinge zu uns gekommen, danach drei Millionen deutschstämmige Um- und Aussiedler aus dem Osten, 4,4 Millionen ehemalige DDR-Bürger und über fünf Millionen Gastarbeiter mit ihren Familien. Damals habe das heute so heftig diskutierte Asylrecht keine Rolle gespielt.

Bis zum Mauerbau am 13. August 1961 waren 2,7 Millionen Menschen aus der DDR in den Westen geflüchtet. Wie wurden die, die nach Pforzheim kamen, hier aufgenommen und untergebracht, auch angesichts der „desaströsen Wohnungssituation in der kriegszerstörten Stadt“? Damit beschäftigt sich Florentine Schmidtmann, die dieses Thema für ihre Promotion am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam gewählt hat. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder) und Krakau sowie dem Master Public History an der FU Berlin war sie zwischen 2013 und 2015 unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin im DDR-Museum Pforzheim tätig und konzipierte die heutige Dauerausstellung. „Ich habe Pforzheim seither in mein Herz geschlossen“, sagte sie, als sie beim „Montagabend im Archiv“ einen ersten Einblick in das gab, das sie bisher bei ihren Recherchen gesammelt hat, die noch lange nicht beendet sind. Sie verwies dabei unter anderem darauf, dass die DDR-Flüchtlinge und Übersiedler lange fast unmenschlich, auch in Pforzheim, in Sammellagern leben mussten. Dass sie aber auch begehrte Arbeitskräfte waren. So habe sich der damalige OB Johann Peter Brandenburg am 12. August 1961, einen Tag vor dem Bau der Berliner Mauer, beim Regierungspräsidium beschwert, dass die Zuteilungsquote für Pforzheim (mangels Wohnraum) um 50 Prozent gekürzt worden sei.