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© Symbolbild: dpa
17.07.2014

In Pforzheim relativ wenig Fahrradklau - Polizei gibt Tipps zur Sicherung

Pforzheim/Berlin. 200 Euro kostet ein Fahrrad. Allerdings nicht im Geschäft, sondern als Auftrag an einen professionellen Dieb. Wie ein Fahrradhändler aus Berlin erzählt, sind solche Geschäfte verbreitet.

An bestimmten Ecken kann man die Diebe treffen und den Deal klar machen, am nächsten Tag steht das Rad bereit. Auf bundesweit knapp 317.000 angezeigte Raddiebstähle im Jahr 2013 kommen die Polizei-Statistiker. Im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe werden jährlich etwa 3000 Fahrräder geklaut. In der Stadt Pforzheim sind es knapp über 100, in Karlsruhe etwa 1500 pro Jahr.

Die Polizei unterscheidet laut Frank Otruba, Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, zwischen einfachem und besonders schwerem Diebstahl. Bei einfachen Fahrraddiebstählen werden die Räder, die nicht abgeschlossen sind, einfach mitgenommen. In schweren Fällen wird das Schloss zerstört oder das Fahrrad aus einer Garage geklaut. Im Bereich des gesamten Polizeipräsidiums Karlsruhe gibt es jährlich knapp 600 einfache und 2500 schwere Diebstähle, die Zahlen lagen in den vergangenen fünf Jahren dicht beieinander. In Pforzheim sind es durchschnittlich 50 einfache und 50 schwere Diebstähle pro Jahr, im Karlsruher Stadtgebiet 150 einfache und 1400 schwere Diebstähle. „In Pforzheim liegt die Aufklärungsquote bei 9 Prozent, in sechs Monaten entsteht hier ein Gesamtschaden von 25.000 Euro“, sagt Otruba. In Karlsruhe gebe es vor allem deshalb so viel mehr Fahrraddiebe, weil das Rad aufgrund der Topografie und der vielen Studenten als Fortbewegungsmittel eine ganz andere Rolle spiele als in Pforzheim.

Um Diebstähle zu vermeiden, rät Otruba, Werkzeug nicht in der Satteltasche zurück zu lassen und es den Dieben so viel zu einfach zu machen. Auch sollte man einen Fahrradpass haben, in dem sich der Kaufbeleg befindet. Dieses und eine mögliche Codierung durch die Polizei können helfen, das Fahrrad nach dem Diebstahl wieder zu finden. Außerdem rät Otruba beim Thema Sicherung zu massiven Ketten aus Stahl, zu Bügel- oder Panzerschlössern. Und die Räder sollten nicht einfach nur in sich blockiert, sondern an irgend etwas fest gekettet werden. „Man sollte es den Dieben so schwer wie möglich machen. Denn je aufwändiger es ist, ein Fahrrad zu klauen, desto häufiger kommt es auch vor, dass Umherstehende auf den Vorgang aufmerksam werden und ihn der Polizei melden“, sagt Otruba. Alle Sicherungen, die Zeit kosten, seien für potentielle Täter unattraktiv.

Was mit den geklauten Fahrrädern in der Region passiert, ist schwer zu sagen. Nach Polizeiangaben gibt es auch Täter, die Fahrräder einfach deshalb klauen, um sie in einer bestimmten Situation zur Fortbewegung zu nutzen. Aber es gibt auch überörtliche Täter, die die Fahrräder beim klauen systematisch zerlegen und sie dann in osteuropäische Länder bringen, wo sie wieder zusammen gebaut und verkauft werden.

Allein in Berlin kommen laut Polizei 70 Räder pro Tag weg. Geht man von einer gleich hohen Dunkelziffer nicht gemeldeter Diebstähle aus, sind es knapp 150 am Tag. Kein Rad ist sicher: angerostete Hollandräder werden ebenso gestohlen wie Mountainbikes mit Mehrfach-Federung und Hipster-Rennräder mit maßgefertigtem Rahmen.

Der Berliner Kriminaloberkommissar Oliver von Dobrowolski erklärt die Erfolge der Diebe mit der zunehmenden Beliebtheit des Fahrrads: «Wo mehr Fahrräder sind, kommen auch mehr weg.»

Eine bundesweite Auswertung von Polizeistatistiken im Internetportal geld.de zeigt ähnliches. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl werden am meisten Räder in Magdeburg, Cottbus und Münster gestohlen, um die 1600 pro 100 000 Einwohner. Verschiedene Tätergruppen haben die Fahrräder im Visier: Spontane Diebe auf der Suche nach dem schnellen Geld, Profis mit dem Blick auf teure Markenräder sowie organisierte Banden. Beatrix Mertens von der Polizei Magdeburg erklärt: «In vielen Fällen haben wir es mit Tätergruppierungen zu tun, deren Abnehmer in Osteuropa sitzen.» Die Nähe zu den Autobahnen biete den Tätern eine «optimale Abtransportmöglichkeit». Kaum jeder zehnte Raddiebstahl wird aufgeklärt. Im Durchschnitt liegt die Quote laut BKA bei 9,6 Prozent.

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