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Mit einem Hubschrauber wurde ein 450 Kilogramm schwerer Entrauchungsventilator auf das Dach des Sparkassenturms geflogen. Punktgenau und ohne Zwischenfälle.  © Tilo Keller
30.04.2017

In der Luft stehen: Hubschrauber fliegt Ventilator auf Sparkassenturm

Pforzheim. Benjamin Reichmann muss ein gaaaaanz ruhiges Händchen haben. Da darf nichts zucken, wenn er den Steuerknüppel seines BO105 in den Händen hält. Unter seinem Hubschrauber aus ehemaligem BRD-Bestand hängt nämlich ein 450 Kilogramm schwerer Entrauchungsventilator. Der baumelt an nur einem 30 Meter langen Spezialseil und muss am Sonntagvormittag punktgenau auf dem Dach des Pforzheimer Sparkassenturms zwischen Leopoldplatz und Kiehnlestraße abgesetzt werden.

Am Sonntag stimmen Wetter und Windstärke. Ideal für den Transportflug der Wuppertaler Firma „Lasten-Flug“. Von Koblenz aus startet der Heli, landet zunächst im Holzhofstadion in der Pforzheimer Oststadt, nimmt dort das Spezialseil mit dem Haken auf und fliegt damit dann über die Innenstadt hinweg zum Sparkassenparkhaus. Dort steht er in der Luft, während unten am Boden die Crew von Einsatzleiter Sebastian Demiet den Seilhaken mit der Transporteinheit des Entrauchungsventilators verbindet.

Pilot Reichmann hat das aus 30 Metern Höhe nicht alles detailliert im Blick. Er muss sich auf sein Bodenpersonal verlassen, auf die Anweisungen über Funk. Und dann muss er die Wünsche der Kollegen von unten am Steuerknüppel seines Fluggeräts umsetzen. Während sich über ihm die Rotorblätter in einem Kreis mit zehn Metern Durchmesser blitzschnell drehen, muss er eine Hand voll Zentimeter nach links, eine Hand breit tiefer fliegen. Millimeterarbeit mit einem rund 1,3 Tonnen schweren Hubschauber, der möglichst regungslos in der Luft stehen muss, egal woher der Wind weht.

Dann kann Reichmann vorsichtig abheben. Bloß nicht zu schnell, bloß nicht zu heftig in die Kurve gehen, denn dabei wirken neben der halben Tonne Last auch noch Flieh- und andere Kräfte auf Heli und Seil. Während der Pilot langsam über Luisen- und Kiehnlestraße fliegt, werden die Straßen von der Polizei gesperrt. Bei einem Absturz würden rund 1,8 Tonnen alles unter sich begraben und einebnen.

Auf dem Dach des Sparkassenturms wartet schon die nächste Crew darauf, den gewaltigen Ventilator für das Brandschutzsystem in Empfang nehmen und auf dem Dach für die weiteren Installationsarbeiten fixieren zu können. Hier gilt noch mehr als bei der Lastenaufnahme: Gaaaaanz ruhig bleiben. Pilot und Bodenpersonal müssen sich blind verstehen. Jede Anweisung von unten muss exakt und verständlich gegeben werden, denn von oben kann der Pilot nicht erkennen, wo unten gerade der eine Zentimeter für den perfekten Ventilatorstandort fehlt. Und das alles bei ohrenbetäubendem Lärm, den die BO105 bei ihrem Kampf gegen die Schwerkraft verursacht.

Am Ende läuft alles gut. Einsatzleiter Demiet kann aufatmen. Alle Wetterrisiken optimal eingeschätzt, alle Abläufe richtig gemacht. Er und sein Team sind immer dann gefragt, wenn andere, klassische Transportwege nicht zum Ziel führen, wenn weder Lastenfahrstuhl noch Kran noch Montage vor Ort in Frage kommen.

Für Pilot Reichmann heißt es dann, nach Norden abzudrehen und den Hubschrauber in Koblenz zu landen. Jetzt sind die Handwerker im Sparkassenhaus gefordert, um den Entrauchungsventilator so anzuschließen, dass im Brandfall das Bankgebäude rauchfrei gehalten wird, um Menschen und Maschinen vor größeren Schäden zu bewahren.