nach oben
Monika Müller
Monika Müller
23.11.2016

In drei Jahren knapp 300 Kinder im Kita-Alter mehr

Pforzheim. Lange war es eine Berechnung in einer Art Grauzone: Wie groß ist das Desaster fehlender Plätze in Pforzheims Kindertagesstätten und Kinderkrippen in naher Zukunft wirklich? Nun liegt, wie Sozialbürgermeisterin Monika Müller der PZ bestätigt, tatsächlich eine Bevölkerungsvorausrechnung der kommunalen Statistikstelle vor.

„Ich habe diese Aufarbeitung beantragt“, sagt Müller. Das Ergebnis will sie heute Nachmittag im Sozialausschuss vorstellen. Details aber sind vorab bekannt geworden. So steigt die Zahl der Kinder im relevanten Alter von einem bis 6,5 Jahren von derzeit 6471 auf 6732 im Jahr 2019, also um 261. Womit, aufaddiert mit dem derzeitigen Mangel, wie lange erwartet annähernd die Zahl 1000 unterm Strich steht. Allerdings wird erfahrungsgemäß nicht für jedes Kind ein Kita-Platz benötigt; vor allem bei den Unter-Dreijährigen lag die Betreuungsquote lange bei lediglich rund 20 Prozent. Müller geht davon aus, dass die neuen Zahlen drei weitere Kitas erforderlich machen.

Richtig gegen Ausbau ist keiner

Die Gemeinderatsfraktionen von SPD und Grüner Liste haben bereits nach der anhaltenden Berichterstattung über die fehlenden Plätze Anträge auf einen groß angelegten Ausbau gestellt, sie wollen über 600 zusätzliche Plätze. Angesichts der durch Landeszuschüsse deutlich verbesserten Finanzlage der Stadt haben diese Anträge dem Vernehmen nach erhebliche Chancen zumindest auf einen Teilerfolg. Oberbürgermeister Gert Hager hatte zwar, wie er bestätigte, fünf Millionen Euro für die Kinderbetreuung aus den Anmeldungen für den Haushaltsentwurf für 2017/18 herausgestrichen. Dies aber, weil jenen Geldern keine konkreten, rasch umsetzbaren Ausbaupläne beigefügt waren, so dass er Luftbuchungen und die Blockade dieses Geldes für andere Vorhaben befürchtete. Mittlerweile sind weitere drei Millionen Euro Betriebskostenzuschuss für Kitas freier Träger aus dem Doppel-Haushalt gestrichen, ebenfalls deshalb, weil sie durch Verzögerungen etwa beim Bau erst später benötigt würden, wie eine Nachfrage bei der Kämmerei ergab. Grundsätzlich sei er, so Hager, sehr dafür, benötigte Kita-Plätze zu schaffen. Darin ist er mit Bürgermeisterin Müller einig, die sagt: „Dass wir in drei Jahren 100 Prozent des Bedarfs abdecken können, dürfte schwierig sein, muss aber unser Ziel bleiben.“

Evangelische Kitas vor Umbruch

An anderer Stelle drohen dafür neue Sorgen: Die evangelische Kirche steht, ein Thema zuletzt auch bei der Stadtsynode, vor Einschnitten in ihren Kitas. Hintergrund ist wohl, dass sich die Kirche angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen von manchen Immobilien trennen wird, einige davon sanierungsbedürftig sind und vor allem durch städtische Kürzungen ein Defizit droht. Über ihre konkreten Absichten will die evangelische Kirche voraussichtlich bereits heute informieren. Auch auf katholischer Seite sieht man die Problematik, wie Caritas-Chef Frank-Johannes Lemke der PZ sagte. Rückzugsüberlegungen gebe es aber nicht; man wolle in Gesprächen mit der Stadt „auf Augenhöhe“ die Situation darlegen – und der eigenen, selbst empfundenen Verantwortung für das Thema Betreuung und Bildung weiter gerecht werden.