53173570
In Fußfesseln und Handschellen ist am Mittwoch ein heute 25-jähriger Syrer aus der geschlossenen Psychiatrie in Emmendigen dem Gericht vorgeführt worden. Hinter ihm seine Verteidiger Wolfgang Hirth und Bastian Meyer (von links). 

Indizienkette gegen mutmaßlichen Brandstifter in Pforzheim und dem Enzkreis scheint lückenlos

Pforzheim/Enzkreis. Wer mit den Fällen befasst war, kann sich noch an den Brandgeruch erinnern – ob im Wohngebiet Maihälden, in Ersingen, Remchingen oder Neuenbürg: Streifenpolizisten, Anwohner, Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Kripobeamte, Redakteure, Fotografen. Insgesamt 15 voll ausgebrannte Autos – es werden immer mehr auf dem Hof der Firma Schirdewan in Pforzheim – im Wert von über einer Million Euro sind abgefackelt worden. Ein halbes Dutzend Fahrzeuge in der Nähe werden in Mitleidenschaft gezogen, Garagen und Carports sind angekokelt. Die Angst geht um in Pforzheim und dem Enzkreis – bis am 6. Dezember vergangenen Jahres ein heute 25 Jahre alter, seit 2015 in Deutschland wohnender, tatverdächtiger Syrer in Neuenbürg gefasst, dem Haftrichter vorgeführt und in die Psychiatrie nach Emmendingen eingewiesen wird.

Aus der wird er zu seiner Verhandlung vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn der Brandstiftung in vier Fällen, oder besser gesagt: an vier Tatorten. In ihrer Antragschrift geht Staatsanwältin Friedrike Harfst davon aus, dass der Beschuldigte paranoid schizophren ist, eine Schuldunfähigkeit nicht auszuschließen ist und er in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss.

Prozessbeginn: Brandstifter soll 16 Pkw angezündet haben
Video

Prozessbeginn: Brandstifter soll 16 Pkw angezündet haben

Prozess Brandstiftung AG  Pforzheim 18
Bildergalerie

Prozessauftakt gegen mutmaßlichen Brandstifter in Pforzheim

Dass er auch verantwortlich gewesen sein soll, einige Flächen im Forst abgefackelt zu haben – dieser Vorwurf der Ermittler ist eingestellt worden. Ein Pforzheimer Rechtsanwalt hatte gar Anzeige wegen versuchten Mordes gestellt, weil der Syrer den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen habe. Das wies die nun verhandelnde Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe ab – wogegen der Anwalt Beschwerde beim Oberlandesgericht Karlsruhe eingelegt hat.

Abdullah K. (Name geändert), begleitet von zwei Mitarbeitern der Psychiatrie, betritt den Saal mit Fußfessel und Handschließen. Er werde weder Angaben zur Sache noch zur Person machen, lässt er seine Pflichtverteidiger Bastian Meyer (Pforzheim) und Wolfgang Hirth (Karlsruhe) verlauten.

Mehr über dern Prozessauftakt lesen Sie am Donnerstag, 30. Juli, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Zur Autorenseite