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Michael Herz (links) und Volker Scherer vom Haus des Jugendrechts kontrollieren einen Jugendlichen zwischen Baumstraße und Woolworth-Anlieferungsrampe.
Michael Herz (links) und Volker Scherer vom Haus des Jugendrechts kontrollieren einen Jugendlichen zwischen Baumstraße und Woolworth-Anlieferungsrampe.
Hans-Georg Schober
Hans-Georg Schober
Thomas Hoffmann
Thomas Hoffmann
16.05.2016

Inoffizieller Jugendtreff - waches Auge auf die „Gangster-Gasse“

Sie haben sich um ein paar Minuten verpasst: die Kriminalbeamten des Hauses des Jugendrechts in Zivil, die gewiss keinen Abendspaziergang nach Dienst machen – und ein halbes Dutzend Jugendliche, die sich hinter ein paar abgestellte Autos drücken, Zigaretten anzünden und Dinge sagen wie: „Der kann mich gar nicht auf Drogen kontrollieren.“

„Doch, kann er“, sagt ein anderer. Ganz offensichtlich sind sich beide Personengruppen nicht fremd. Doch an diesem Abend werden sie sich nicht begegnen.

Alles eine Definitionssache: Wie viel Gangster steckt drin, wenn Insider von der Verlängerung der Hafnergasse jenseits der Baumstraße als „Gangster-Gasse“ sprechen – insbesondere Polizisten, die die Innenstadt kennen wie die Taschen ihrer Schutzwesten? Ehrbare Kaufleute und Gastronomen werden sich nicht freuen – aber es führt an der Einschätzung nichts vorbei, dass man gerade den westlichen Teil der Hafnergasse, das angrenzende Parkhaus und den Abschnitt zwischen Christlicher Buchhandlung, der Anlieferungsstelle des Kaufhauses Woolworth und dem Zaun, hinter dem der Außenbereich der Krippe im VolksbankHaus liegt, als einen Anlaufplatz von jugendlichen Cliquen bezeichnet, die hier ihre zweite Heimat haben.

Ärger im Parkhaus

Davon ist nicht jeder begeistert. Hans-Georg Schober beispielsweise, Chef des gleichnamigen Parkhauses zwischen Central-Klinik und Tankstelle an der Zerrennerstraße zum einen und der Ausfahrt an der Baumstraße zum anderen. Schon seit Jahren wehre man sich gegen teils in größeren Gruppen – 10 bis 15 Personen – auftretende Jugendliche, die sich im Parkhaus aufhielten und für die parkende Kundschaft zuweilen unflätige Äußerungen übrig hätten, sagt Schober. Wenn man Jugendliche, die erkennbar keinen Bezug zu den abgestellten Autos hätten, erwische, verweise man sie des Hauses, so Schober. Wer sich widerborstig verhalte, kassiere ein Hausverbot. Die Polizei wisse über diese Szene „ganz genau Bescheid“.

Kunden angepöbelt

Auf Nachfrage der PZ beim Polizeipräsidium Karlsruhe räumt Sprecherin Anna-Katrin Müller zwar ein, dass die Hafnergasse schon seit längerem intern als „Gangster-Gasse“ bezeichnet und in jüngster Zeit öfter kontrolliert werde – aber es handle sich in der Regel um Jugendliche, die noch nicht in dem Alter sein, in dem sie offiziell rauchen dürfen. Keine Rede von penetrantem Urin-Gestank, Anpöbelungen von Park-Kunden, kein Wort von Schmierereien im Parkhaus – ein Fall fürs Anti-Graffiti-Mobil des Hauses des Jugendrechts.

„Wir schauen, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft“, sagt Thomas Hoffmann, Leiter der Einrichtung, der zweiten ihrer Art in Baden-Württemberg und Vorbild für weitere Häuser des Jugendrechts im Land. Bis vergangene Woche habe man jeden Tag in den späten Nachmittagsstunden kontrolliert und offen Präsenz gezeigt – wie im Übrigen auch vor der Schlössle-Galerie, im Schlosspark oder am Bahnhof. Momentan müssen zwei Tage in der Woche genügen – mehr lasse die Personaldecke nicht zu, sagt Hoffmann.

Er zieht ein vorläufig positives Fazit: „Die Zahl der Straftaten – Diebstahl, Körperverletzung, Drogen – ist zurückgegangen.“