760_0900_103425_AdobeStock_134489885.jpg
Den größten Nachwuchsbedarf sieht Morlock unter anderem im Zukunftsberuf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Symbolbild Adobe Stock

Interessierte gesucht: Noch zahlreiche offene Lehrstellen im Handwerk

Pforzheim/Enzkreis. Die Online-Umfrage der lokalen Kreishandwerkerschaft bei ihren rund 900 Mitgliedsbetrieben war kaum draußen, da kamen schon die ersten offenen Lehrstellenangebote per Mail rein. Nach gut einer Woche waren es dann laut Aussage von Matthias Morlock, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, exakt 123 Betriebe mit rund 160 offenen Lehrstellen für das kommende Lehrjahr (2019/20).

Eine laut Morlock vorher zu dieser Jahreszeit noch nie da gewesene Quote. Dies zeige, dass Handwerksberufe im Ranking der beliebtesten Ausbildungsberufe bei der jüngeren Generation noch immer ziemlich weit unten rangieren.

„Schon seltsam, fragt man Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren, dann wollen viele Baggerfahrer oder Handwerker werden“, so Morlock. Das ändere sich dann mit zunehmendem Alter. „Irgendetwas muss in der Zeit danach also schieflaufen“.

Die Schuld sieht Morlock daher vor allem bei den Eltern und den Schulen. Diese zögen eine akademische Ausbildung immer noch deutlich einer gewerblichen vor und täten alles dafür, dass sich Jugendliche zunehmend für ein Studium entscheiden. „Die Kinder selbst wollen oftmals was ganz anderes und würden lieber in eine Lehre gehen“, weiß Morlock aus zahlreichen Gesprächen mit Schülern zu berichten.

Den größten Nachwuchsbedarf sieht Morlock derzeit vor allem in den Zukunftsberufen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie dem Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK). Also jenen Berufen, die sich mit Energieeffizienz und dem Einsatz regenerativer Energien beschäftigen und damit für Klimaschutz stehen. „Eigentlich genau das, wofür die Schüler derzeit mit ihren Streiks ‚Friday for future‘ auf die Straße gehen“, sagt Morlock. Allein 30 Elektrofirmen und 27 SHK-Betriebe bieten derzeit in der Region laut der Umfrage noch über 60 offene Lehrstellen an. Großen Nachwuchsbedarf gibt es aber auch bei den Kfz-Betrieben, den Bäckern und im Baubereich.

Wer also noch keine Lehrstelle hat oder sich vielleicht noch kurzfristig umorientieren und für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden möchte, der sollte laut Morlock unbedingt auf die Internetseite www.kh-pforzheim.de/ausbildung gehen.