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Sorgten beim Pforzheimer Frauenmahl für gepfefferte Tischreden: Mirzeta Haug, Maria Ochs, Gabriele Naderer, Monika Müller, Susanne Brückner und Christiane Quincke (von links). Foto: Fux
Sorgten beim Pforzheimer Frauenmahl für gepfefferte Tischreden: Mirzeta Haug, Maria Ochs, Gabriele Naderer, Monika Müller, Susanne Brückner und Christiane Quincke (von links). Foto: Fux
24.10.2016

Interreligiöses Frauenmahl über den Dächern der Goldstadt

Pforzheim. 120 Frauen – 40 weitere standen auf der Warteliste – genossen am Freitagabend über den Dächern Pforzheims im Smaragdsaal der Schmuckwelten, beim interreligiösen Frauenmahl ein festliches Menü.

Sie lauschten zwischen den vier Gängen der Musik und gepfefferten Tischreden von Frauen, die ihren weiblichen Blick auf die Stadt richteten und Antworten auf gesellschaftliche, kulturelle und kirchliche Themen gaben. Und alle hatten die „Stadt der Frauen“ im Blick.

Denn den Evangelischen Frauen in Baden, den Evangelischen Bezirksfrauen Pforzheim, der Katholischen Frauengemeinschaft Pforzheim, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und dem Evangelischen Kirchenbezirk Pforzheim, die allesamt Veranstalter waren, kam es bei den Rednerinnen darauf an, dass diese ihre spezifische Sicht auf die Stadt einbrachten.

„Solange nur ein geringer Anteil an Frauen das politische Tagesgeschäft mitbestimmt, können wir nicht erwarten, dass sich unsere Stadt in eine Stadt der Frauen verwandelt“, betonte Susanne Brückner, die städtische Gleichstellungsbeauftragte.

Auch Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller fand kritische Worte: „Pforzheim hat weder den Ruf, besonders familien- oder frauenfreundlich zu sein, noch bieten wir als Stadtverwaltung besondere Anreize, um Familien den Zugang nach Pforzheim zu erleichtern.“ Eine frauenfreundliche Stadt sei eine attraktive Stadt – und Frauenfreundlichkeit sei eben nicht das Aneinanderreihen von Schuhgeschäften, Boutiquen und Friseursalons, sondern vieles mehr, so die Bürgermeisterin.

Gabriele Naderer, Professorin für Marktpsychologie und Käuferverhalten an der Hochschule Pforzheim, hatte sich unter ihren Studentinnen umgehört und beispielsweise folgendes Zitat eingefangen: „Pforzheim bekommt den Glanz als Goldstadt zurück – als Goldgrube für engagierte und gut ausgebildete Studierende.“

Unter die Haut ging die Tischrede von Mirzeta Haug, Politik- und Religionswissenschaftlerin, die als Elfjährige mit ihrer Mutter im Zuge der Jugoslawienkriege 1994 nach Pforzheim kam und nun an ihrer persönlichen Lebensgeschichte das Thema Asyl, Migration und die Wichtigkeit des Ehrenamts festmachte. Auch Dekanin Christiane Quincke nahm diesen Faden auf: „Es macht mich wütend, wenn das Thema Gleichberechtigung instrumentalisiert wird für die Angst vor Flüchtlingen und vor dem Islam.“

Den Blick auf die Kultur richtete Maria Ochs, Leiterin des Kulturhauses Osterfeld. „Eine gute Stadt für Frauen ist ein Ort, der es aktiv möglich macht, dass sich Menschen in allen Lebenslagen unabhängig und frei entfalten können. Ob Pforzheim dieser Prüfung standhält, wäre noch zu klären“, so Ochs.

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