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03.02.2009

Interview mit Christel Rieke: Den Armen fehlt es an Gemeinschaft

Die Vesperkirche in der Pforzheimer Stadtkirche soll nicht nur helfen, den Hunger der dort einkehrenden Menschen zu stillen. Vesperkirchen-Verantwortliche Christel Rieke meint, dass es den Bedürftigen vor allem auch an der Gemeinschaft fehle. Mit ihr sprach PZ-Redakteurin Martina Schäfer.

PZ-news: Woran fehlt es den Menschen, die zu Ihnen in die Stadtkirche kommen?
Christel Rieke: Natürlich fehlt es den Menschen, die zu uns kommen, an Materiellem, an einer warmen Mahlzeit. Oft fehlt es ihnen aber auch an Arbeit und Gesundheit. Für ältere Menschen gilt, dass sie Gemeinschaft erleben können, die sie sonst nicht haben. Für die Kinder ist die Lebensperspektive oft ungewiss.

PZ-news: Die Vesperkirche hat einen großen Stamm an Ehrenamtlichen und außerdem Schüler, die mithelfen. Welche Erfahrungen machen sie?
Christel Rieke: Über 400 Menschen helfen uns ehrenamtlich, davon haben wir allein 200 Jugendliche und Schüler in Gruppen. Daneben verfügen wir über einen Stamm von erfahrenen Ehrenamtlichen, die teilweise schon seit vielen Jahren dabei sind. Der Motor für das Mitmachen ist ganz sicher, dass das Projekt überzeugt, dass sie helfen wollen. Viele machen die Erfahrung, dass sie nicht nur geben, sondern auch etwas zurückbekommen. Die Schüler lernen eine andere Welt kennen. Deshalb setzen wir sie so ein, dass sie mit möglichst vielen Menschen zu tun haben. Oftmals formulieren sie ihre Erfahrungen so: Jetzt habe ich gespürt, dass es mir gut geht.

PZ-news: Wie wichtig sind Sachspenden für das Gelingen der Vesperkirche?
Christel Rieke: Wir haben inzwischen allein 15 Bäckereien, die uns mit Teilchen, Brot für die Vespertüte und Kuchen versorgen. Alle Getränke, die wir ausgeben, werden im Wechsel von den Pforzheimer Brauereien gestiftet. Wir bekommen regelmäßig große Kaffeespenden, aber auch viele kleine Spenden von Privatmenschen, die etwa Tee schenken. Außerdem bringen uns Kita-Kinder Selbstgebackenes ihrer Mütter vorbei. Genauso wichtig sind aber auch die Geldspenden. Im letzten Jahr haben wir 16.000 Essen ausgegeben. Die Vesperkirche kostet uns mindestens 80.000 Euro.