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Den Goldschmiedesteg empfindet Sebastian Seibel als einen der pittoreskesten Plätze. Foto: Lorch-Gerstenmaier
Den Goldschmiedesteg empfindet Sebastian Seibel als einen der pittoreskesten Plätze. Foto: Lorch-Gerstenmaier
02.06.2017

Interview mit dem scheidenden PZ-Fotografen Sebastian Seibel: „Ohne Bilder könnte ich nicht leben“

Er verlässt das Medienhaus: Sebastian Seibel (43), PZ-Fotograf seit fast 19 Jahren. Er wolle zu neuen Ufern aufbrechen, sagt er. Als er das in einer Redaktionskonferenz kundtat, hatten Kollegen Tränen in den Augen. Versuchen wir es trotzdem . . .

PZ: Jeder, der mit Dir in all den Jahren zu tun hatte, fragt sich: warum?

Sebastian Seibel: Ich spüre den starken Drang in mir, mich noch einmal neu zu erfinden. Nach der langen Zeit bei der „Pforzheimer Zeitung“ stecke ich noch immer voller Kreativität und Tatendrang für gute Bilder. Mit dem Abschluss hier erhoffe ich mir den Freiraum, diese Dinge umzusetzen.

Du hast Dich im Lauf der Jahre entwickelt vom „Nur-PZ-Fotografen“ über den Reporter-Fotografen zum Porträtisten, sei es von „Helden des Alltags“ oder Schmuckschaffenden. Was wird Dein Weg sein, den Du jetzt gehst?

Fotos werden weiter mein Leben bestimmen. Es sind vor allem Menschen, die ich fotografieren möchte, sei es innerhalb einer Reportage oder als Porträt. Mein Weggang bei der PZ bedeutet aber auch, dass ich umziehen werden muss, den Jobs hinterher. Ich hoffe, in Berlin, wo ich einige Kontakte habe, Arbeit zu finden.

Du verlässt einen – auch finanziell – sicheren Hafen und springst ins kalte Wasser. Hast Du nicht manchmal Angst vor der eigenen Courage?

Absolut. Natürlich ist das ein Aufbruch ins Ungewisse. Und gleichzeitig schmerzt es mich, die Stadt und die Menschen hier, die ich lieb gewonnen habe, zurückzulassen.

Was bleibt von Pforzheim haften – von der Stadt, den Menschen, den Motiven?

Pforzheim ist eine Stadt, die von vielen nicht so geliebt wird, wie sie es verdient hätte. Fast mein halbes Leben habe ich hier verbracht, und das sehr gerne. Von manchen Menschen würde ich mir einen wohlwollenderen Umgang mit der Stadt wünschen; unvergessen werden mir aber auch jene sein, die sich unermüdlich und mit hohem persönlichem Einsatz für ein gutes Zusammenleben engagieren.

Wir waren zusammen auf Reportagereisen in Serbien, Armenien, Berg Karabach, Afghanistan, Sibirien – ausgebrochen aus dem Redaktionsalltag. Brennt das Feuer noch in Dir?

Das Feuer brennt wie nie zuvor. Und so sehr ich Zeitungsjournalist mit Leib und Seele bin; der eng getaktete Redaktionsalltag lässt oft wenig Zeit für das Geschehen abseits und langfristige Projekte. Ich hoffe, noch einige Reportagereisen unternehmen zu können.

Die PZ hat zwei feste Fotografen – die unterschiedlicher nicht sein können und dennoch ein starkes Team waren: Du und Gerhard Ketterl. Hier der Einfühlsame Seibel, dort der alte Haudegen Ketterl. Jeder hat seinen Fanclub. Wirst Du den oft stressigen Redaktionsalltag vermissen?

In einer Zeitungsredaktion ist man immer ganz dicht am Puls der Zeit und an vorderster Front des Geschehens. Das wird mir ganz sicher fehlen. Aber so sehr ich die Arbeit als Journalist wie die Luft zum Atmen brauchte; manchmal schnürt sie einem auch den Hals zu.

Du hast Tausende von Fotos für die PZ gemacht. Was sind Deine Top-Five?

Ich habe keine Rangliste, freue mich aber immer besonders, wenn es mir gelingt, eine Person zu fotografieren, die sich hinterher gut getroffen wieder erkennt. Oder wenn dies andere über das Bild sagen. Ich glaube, davon sind mir einige Bilder gelungen.

Welches Foto hättest Du noch gerne geschossen oder bewusst komponiert?

Es ist immer das nächste Bild. Mein Kopf ist voller Bilder, und ich setze alles daran, möglichst viele davon noch machen zu können. Ohne Bilder könnte ich nicht leben.