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Behelfsmäßig gesichert wurde die Eingangstür zum Schmuckmuseum nach dem Einbruch. War ein Ire der Drahtzieher? Foto: Ketterl/PZ-Archiv
Behelfsmäßig gesichert wurde die Eingangstür zum Schmuckmuseum nach dem Einbruch. War ein Ire der Drahtzieher? Foto: Ketterl/PZ-Archiv © Ketterl/PZ-Archiv
14.09.2015

Ire ist des schweren Bandendiebstahls angeklagt: Ist er der Drahtzieher?

Pforzheim. Mit Brachialgewalt haben Unbekannte am 4. Februar 2012 eine große Glasscheibe im Untergeschoss des Reuchlinhauses zertrümmert. Gegen 21.30 Uhr drangen sie dort ein, hebelten das Sperrgitter zum Schmuckmuseum auf, zertrümmerten eine Vitrine, wodurch der Alarm ausgelöst wurde, und stahlen Schmuck im Wert von 87.000 Euro. Darunter war auch ein Fabergé-Ei für 36.000 Euro. Als die Polizei kurz darauf mit Hunden am Tatort eintraf, waren die Diebe verschwunden. Jetzt steht der mutmaßliche Drahtzieher vor Gericht.

Der Spalt im Sperrgitter des Reuchlinhauses war so schmal, dass nur ein sehr kleiner und geschickter Mensch sich hatte hindurchzwängen können. Vermutet wurde damals zunächst sogar, dass es sich um ein Kind gehandelt haben könnte. Außerdem versuchten dieselben Täter, laut Anklage, mehrmals aus Privatsammlungen und Museen im süddeutschen Raum Nashornhörner zu erbeuten, die sie weiterverkaufen wollten.

Am 23. Juli 2013 wurde ein Bandenmitglied für die Tat im Reuchlinhaus und für einen weiteren Einbruch zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten verurteilt. Dieser Mann hatte als Drahtzieher der Taten einen Iren namentlich genannt.

Am Montag nun saß dieser 52-jährige rothaarige Mann auf der Anklagebank vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichtes Karlsruhe, Außenstelle Pforzheim. Vorgeworfen wird ihm schwerer Bandendiebstahl. Außer dem Einbruch im Reuchlinhaus soll er zu drei weiteren Taten angestiftet haben. Sie galten einer Privatsammlung in Worms und zwei Münchner Museen. Allerdings blieben diese ohne Erfolg, die Täter hatten nur Sachschaden angerichtet. Bei einer Kontrolle im Wohnwagen des Angeklagten wurden dennoch zwei Nashornhörner gefunden.

Von einem „Komplott“ gegen ihn sprach der Angeklagte über die Dolmetscherin. Er selbst hat nie eine Schule besucht, kann weder schreiben noch lesen. Er ist fahrender Händler und Gelegenheitsarbeiter. Die Namen seiner etwaigen Mittäter, die ihm der Erste Staatsanwalt Klaus Stohrer vorlas, sagten ihm angeblich gar nichts. Und die Rhino-Hörner, die bei ihm gefunden worden waren, seien nicht echt, nur täuschend echt nachgemacht. Wenn er an seine Familie denkt, an die vier Kinder, kommen ihm die Tränen. Durch die Haft sei er depressiv geworden, sagte er, und habe erheblich abgenommen.

Der vorsitzende Richter Andreas Heidrich erklärte, die besondere Schwierigkeit des Prozesses seien die Zeugen. Sie sollen aus Amerika, England und Irland anreisen. Ob sie es tun, ist fraglich.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag, 21. September, um 11 Uhr fortgesetzt.