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Das Wartbergbad von oben: Nur hier wäre genug Platz für Zubauten, um ein ganzjährig zu nutzendes Familien- und Freizeitbad zu entwickeln. Außerdem gibt es in der Peripherie viele Parkplätze und eine gute ÖPNV-Anbindung. Ketterl, PZ-Archiv
Das Wartbergbad von oben: Nur hier wäre genug Platz für Zubauten, um ein ganzjährig zu nutzendes Familien- und Freizeitbad zu entwickeln. Außerdem gibt es in der Peripherie viele Parkplätze und eine gute ÖPNV-Anbindung. Ketterl, PZ-Archiv
07.12.2018

Ist das die Lösung für die Pforzheimer Bäderkrise?

Pforzheim. Nah dran und dann doch wieder ganz weit weg war der Gemeinderat bereits im März an einer tragfähigen Lösung der städtischen Bäderkrise. Nun soll endlich der Durchbruch gelingen. Vieles deutet darauf hin, dass die Erweiterung des Wartberg-Freibads zu einem ganzjährigen Bürgerbad mehrheitsfähig sein könnte.

Diesen Vorschlag unterbreitet die Stadtverwaltung nach entsprechenden Signalen in den Haushaltsberatungen. Nur eines kann künftig Pforzheims Hauptbad sein: das „Emma“ oder das Wartbergbad. Doch nur das Freibad auf dem Wartberg könnte zu einem ganzjährig nutzbaren Familien- und Freizeitbad entwickelt werden. Denn weil dieser Standort Flächen von 55 000 Quadratmetern aufweist, ist Platz für einen fortlaufenden Ausbau. So könnten Stück für Stück Saunalandschaft, Sprung- und Rutschbereich oder Gastronomie entstehen. Die Flächen seien „unabdingbare Grundvoraussetzung“ für mögliche private Finanzierungen dieser Bausteine, heißt es in einer seit Freitag vorliegenden, von OB Peter Boch und Bäderdezernent Dirk Büscher unterzeichneten Beschlussvorlage.

Das Fritz-Erler-Bad in Brötzingen und das Konrad-Adenauer-Bad auf dem Buckenberg seien „mit vertretbarem Aufwand“ zu sanieren. Im Sinne der Daseinsvorsorge seien beide für den Schulbetrieb unerlässlich. Die Substanz des Eutinger Stadtteilbads erlaube es, dieses „voraussichtlich noch einige Jahre“ weiterzubetreiben. Dies sei notwendig, da dort ein Blockheizkraftwerk den steuerlichen Querverbund sichere: Dem Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB) stehen Beteiligungserlöse der Stadtwerke Pforzheim (SWP) zu. Als Ersatz für ein irgendwann wegfallendes Eutinger Bad ist eine Sporthalle für diesen Stadtteil in der Diskussion (die PZ berichtete).

Wiederholt hat der Gemeinderat bekräftigt, das marode Huchenfelder Hallenbad auf jeden Fall ersetzen zu wollen. Die Chancen dafür, dass das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe die Aufnahme dieses Neubaus ins Gesamtpaket gestattet, haben sich laut Stadtverwaltung erheblich verbessert. Grund ist das klare Signal aus dem Gemeinderat, mit einer Senkung des Gewerbesteuer-Hebesatzes um nur fünf statt zehn Punkte leben zu können, wodurch die Stadt nur auf eine statt auf zwei Millionen Euro verzichten müsste.

Weil mit rund 3,4 Millionen Euro ein „erheblicher Investitionsbedarf“ besteht und die laufenden Kosten enorm sind, wird die Stadt das Nagold-Freibad nicht mehr lange betreiben können. Dessen Ende ist damit aber nicht besiegelt. Die Verwaltung werde einen durch bürgerschaftliches Engagement definitiv gesicherten Weiterbetrieb „nach Kräften unterstützen“. Wie berichtet, tüfteln Dillweißensteiner Vereine intensiv an solch einer Lösung. Eine öffentliche Versammlung hierzu wird es am Donnerstag 13. Dezember, ab 20 Uhr in der Begegnungsstätte am Ludwigsplatz geben.

Findet die Wartberg-Lösung eine Mehrheit, würde das „Emma“ aufgegeben. Und genau das war in der seit Jahren andauernden Diskussion immer wieder der Knackpunkt. Bürgerproteste führten schließlich auch dazu, dass der Gemeinderat im März eine der jetzigen recht ähnlichen Lösung in letzter Sekunde doch noch kippte.

Doch inzwischen erkennen selbst „Emma“-Verfechter im Gremium, dass eine andere Strategie zielführender sein könnte. Das innerstädtische Bad weist nur 7700 Quadratmeter Fläche auf. Der Standort könnte nicht zu einem multifunktionalen Bürgerbad entwickelt werden. Weil das Wartbergbad dann definitiv aufzugeben wäre, gäbe es in der Kernstadt gar kein Freibad mehr. Allerdings lässt die Vorlage ein Türchen für ein City-Bad offen: Bei einem Verkauf der „Emma“-Flächen werde „vordringlich“ ein Käufer gesucht, der dort auch den Bau und Betrieb eines Bades vorsieht. Nach PZ-Informationen hat es eine erste Kontaktaufnahme durch einen solchen Interessenten gegeben.

Eines jedoch steht fest: „Ein Erhalt aller Bäder und Wasserflächen ist nicht möglich“, bringt es die Verwaltung auf den Punkt.

Das Konzept wird erstmals am Montag, 10. Dezember, ab 16 Uhr im Haushaltsstrukturausschuss beraten.

Mehr lesen Sie am Samstag, 8. Dezember, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.