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Feierlicher Augenblick: Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger weiht in der voll besetzten St.-Josef-Kirche Arul Arockiasamay zum Diakon. Foto: Frommer
Freundliche Begegnung: Erzbischof Stephan Burger (rechts) reicht Arul Arockiasamay die Hand. Foto: Frommer
24.09.2017

„Jahrhundertereignis“ in Eutingen: Örtliche Katholiken erleben Erzbischof hautnah

Pforzheim-Eutingen. Hoher Besuch aus Freiburg: Der Erzbischof Stephan Burger ist gestern erstmals in die Eutinger St.-Josef-Kirche gekommen – vor der am Abend anberaumten Bischofskonferenz in Fulda. Anlass war die Diakonenweihe von Arul Arockiasamay aus Sindalacherry, Tamil Nadu, Indien, der seit dem vergangenen Oktober in der Kirchengemeinde Eutingen-Niefern-Dürrn als Theologe im Praktikum tätig ist.

Bildergalerie: „Jahrhundertereignis“: Erzbischof in Eutingen

Arul Arockiasamay konnte wegen einer Erkrankung nicht an der kollektiven Diakonenweihe in Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) teilnehmen. Da jedoch der Termin seiner Priesterweihe, der 13. Mai 2018, bereits festgelegt ist, so berichtete Pfarrer Bernd Walter im Gespräch, habe man sich zur – an sich ungewöhnlichen – Weihe eines einzelnen Diakon-Kandidaten entschlossen. Für seine Gemeinde sei das „ein Jahrhundertereignis“, sagte Walter mit Blick auf die Anwesenheit des Freiburger Erzbischofs.

Arul Arockiasamay (33) habe „eine Wahl getroffen“, führte Pfarrer Walter bei seiner Begrüßung in der St.-Josef-Kirche aus, als er sich (nach Studium in Bangalore und Lehrtätigkeit in Nepal) für das Priesteramt in Deutschland entschieden habe. „Wir sind dankbar, dass wir diese Wahl heute mit ihm feiern dürfen“. Mit dieser dankbaren Freude war Walter keineswegs alleine: Die Bänke der Kirche waren voll besetzt – neben Gemeindemitgliedern aus Eutingen, Niefern-Öschelbronn, Ölbronn-Dürrn und Neulingen waren auch einige Christen aus Sri Lanka und Tamil Nadu zur Diakonenweihe gekommen – die Frauen mit von weißen Blumen geschmückten Haaren und in festlich-prachtvolle Saris gekleidet.

Lebensweg und Selbstbestimmung, der aktuelle Zustand der Welt und die Wahl waren vier zentrale Themen der Predigt von Erzbischof Burger, der seit Mitte 2016 auch Ehren-Konventualkaplan des Malteserordens ist. Er unterstrich: „Der Wunsch, dass wir alles selbst in der Hand halten, dieser Wunsch lässt sich nicht halten“. Als aktuelle Beispiele für die Einschränkung und latente Gefährdung der Selbstbestimmung nannte er die USA und die Türkei, den Nahen Osten und Nord Korea. „Zündeln da nicht unreife Personen am Pulverfass?“, lautete seine rhetorische Frage – und mit Blick auf die zeitgleich zur Diakonenweihe stattfindenden Bundestagswahl fügte er hinzu: „Wählen wir nicht die Extremen, die zündeln!“

In der heutigen Gesellschaft stünden „manche am Rand“, fuhr der Erzbischof fort, „die das gar nicht selbst verschuldet haben“.

An Arul Arockiasamay gewandt, ging er auf die vielfältigen Aufgaben des Diakonats ein, zu denen auch zähle, sich um Arme, Bedürftige und Kranke zu sorgen. Arockiasamay bejahte im rituellen Verlauf der Diakonenweihe mehrere Fragen des Erzbischofs nach seiner Bereitschaft für dieses dienende Kirchenamt mit dem kurzen feststehenden Satz: „Ich bin bereit.“ Im Rahmen der Weihe legte Stephan Burger beide Hände lange auf das Haupt von Arul Arockiasamay.

Ein kleines Fest auf der eigens hierfür abgesperrten Fritz-Neuert-Straße bot Gemeindemitgliedern und Gästen bei Musik und Verköstigung Gelegenheit zur Begegnung. Mit einer Dankandacht um 14.30 Uhr klang der denkwürdige Festtag aus.

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