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So sieht ein Fernsehgottesdienst für die TV-Spezialisten aus, die die besten Kamerabilder für die Live-Sendung zusammenstellen müssen. Foto: Roller
Die Band probt für ihren großen Auftritt im Fernsehgottesdienst. Foto: Roller
07.04.2019

Jedes Detail muss stimmen: Pforzheimer Live-Gottesdienst im ZDF

Pforzheim. Das ZDF übertrug am Sonntag einen Gottesdienst live aus der Pforzheimer Stadtkirche. Bereits am Samstag wurde das Gotteshaus für Proben zum Fernsehstudio.

Alle Parkplätze vor der Pforzheimer Stadtkirche sind am Samstagnachmittag belegt. Zwei Licht-, ein Rüst- und ein Übertragungswagen stehen dort in einer Reihe hintereinander. Im Inneren der Kirche herrscht geschäftiges Treiben. Auf den Boden vor dem Altar werden Markierungen geklebt, Kameraleute stellen ihre Arbeitsgeräte ein, Musiker stimmen ihre Instrumente. Überall liegen Kabel. Von der Empore und an drei eigens dafür aufgerichteten Stahltürmen hängen leistungsstarke Scheinwerfer. Es laufen die letzten Vorbereitungen für den Gottesdienst, den das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) am darauffolgenden Sonntagmorgen live übertragen wird.

Bildergalerie: Pforzheimer Gottesdienst live im ZDF

Um das Thema Versöhnung soll es gehen: in Gebeten, Liedern und einer Lesung. Die Predigt hält Dekanin Christiane Quincke. Zu Wort melden sich auch Menschen aus Pforzheim. Seit vielen Wochen proben die Mitwirkenden bereits für das mediale Großereignis. Einer von ihnen ist Pfarrer Hans Gölz-Eisinger, der die liturgischen Eingangsworte spricht und das Abendmahl gestaltet. „Es ist wie eine Theateraufführung“, sagt er: „Alles muss an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit passieren.“ Spontane Variationen seien nicht möglich. Trotzdem freut er sich auf die Live-Übertragung: „Ich bräuchte es nicht jedes Jahr, aber ich finde es unglaublich faszinierend.“ Auch Lilli Rehm machen die Proben Spaß: „Das ist mal etwas anderes“, meint die junge Frau, die als Jugendleiterin in der evangelischen Gemeindejugend aktiv ist und im Gottesdienst eine Stelle aus dem Epheserbrief vorliest. Den Beitrag der Nagelkreuzgruppe trägt dagegen Rotraut Baur vor. Vor vielen Leuten zu sprechen falle ihr nicht schwer, sagt sie. Schließlich sei sie als Mitglied des Ältestenkreises öfter in Gottesdiensten aktiv. Ganz still zu stehen und längere Zeit in eine Richtung zu schauen dagegen schon. Aber bei einem Fernsehgottesdienst muss das so sein. Denn da ist jedes Detail genau geplant.

Gunnar Petrich hält das Drehbuch in der Hand: Ein dickes Bündel Papier, in dem auf nahezu jedes Blatt handschriftliche Ergänzungen gekritzelt sind. Er ist der zuständige Redakteur des ZDF und zusammen mit rund 25 Mitarbeitern des öffentlich-rechtlichen Senders im Einsatz. Zusammen mit der Senderbeauftragten Elke Rudloff ist er für den Gottesdienst verantwortlich. Sie sucht die Kirchen aus, entwickelt zusammen mit den Gemeinden Konzeption und Texte. Er versucht, dieses Konzept zur Fernsehsendung zu machen. Beide arbeiten eng zusammen, „nach dem Vier-Augen-Prinzip.“ Seit mehr als 20 Jahren geht Petrich dieser Tätigkeit nach und versucht, zusammen mit seinen Kollegen die Botschaften und Aussagen des Drehbuchs durch starke Bilder zu transportieren. Sechs Kameras sind dafür im Einsatz. Unzählige Scheinwerfer sorgen für das rechte Licht. Weil die viel Strom brauchen, haben die Stadtwerke vor der Kirche einen weiteren Verteiler gesetzt. Vor der Kirche steht auch der Übertragungswagen – einer der größten, den das ZDF hat. Bei großen Sportveranstaltungen und Shows wie „Wetten dass…?“ ist er schon zum Einsatz gekommen.

Im Inneren ist Jan Henrik Wagner als technischer Leiter der Herr über tausende Knöpfe und Regler. Alles blinkt und leuchtet. Der Übertragungswagen sei „wie ein Rangierbahnhof“, sagt er: In ihm laufe alles zusammen. Und auch er betont, was vor ihm schon viele betont hatten: Die Zusammenarbeit zwischen allen laufe hervorragend. Kein Wunder also, dass die Übertragung am Sonntagmorgen ein voller Erfolg wird.

[Mehr darüber, worum es im Gottesdienst gehen wird, lesen Sie hier]